Tag 12… 400 km Baustelle

Wir starten von unserem kleinen Paradies aus in den Wahnsinn „Kasachische Straßen“. Es wurde uns nicht zuviel versprochen, die Straßen hier in Kasachstan sind grausam!

Nein … nicht nur Schlaglöcher warten auf uns, auch Bodenwellen und ein Flickenteppich aus unterschiedlichsten Materialien. Und weil das nicht reicht, gibt es zwischendurch etliche kilometerlange Baustellen, wo wir parallel rechts oder links auf Schotter geführt werden.

Wie der Golfer das „Grün“ liest, lesen wir die Straße, nur das wir am Loch vorbei wollen und nicht rein. Trotz aller Vorsicht schaffen wir es doch immer wieder mal, unser Vorderrad einzulochen. Das Krachen geht durch Mark und Bein. An dieser Stelle ein Hoch auf unsere Suzis … Wahnsinn, was die alles wegstecken müssen. Unsere SW Motech Teile halten die V- Stroms zusammen. Allein der Motorschutz hat uns sicher mehr als einmal einen Totalausfall erspart.

Völlig erschöpft machten wir nach ca. 250 km eine Pause. 8er schleppte sich zu einem Stand und versuchte eine halbe Melone zu ergattern. Das gelang nicht, ganz oder gar ich. Eine uns beobachtende Familie zögerte nicht lange und wir wurden erneut eingeladen. Großzügig teilten sie ihr Hab und Gut mit uns … Es gab Wassermelone. Auch hier wurden die Hände und Füße, unser Kommunikationsmittel eingesetzt. Plötzlich, wie von der Tarantel gestochen sprang 8er auf und brüllte „Bienenfresser!“. Verdutzt schauten wir uns an und sahen 8er zu den Mopeds flitzen. Wild fotografierend drehte er sich im Kreis … OK, Bienenfresser sind wohl ein Foto wert und ja … waren sie! Ein ganzer Schwarm dieser bunten Vögel trieb sich oben am Himmel rum. Ich muß zugeben, sie gaben ein tolles Bild ab.

Gestärkt mit neuem Mut gingen wir es nochmal an. Keine 50 km weiter trafen wir auf zwei Pärchen auf drei Motorrädern. Sie saßen völlig fertig am Straßenrand, aufgelößt. Es waren Russen und sie erzählten, dass sie 300 km nur Schlaglochpiste hinter sich haben. Bei allen drei Karren hat es die Federung weggehauen und damit waren sie kaum noch fahrbar. Als wir ihnen erzählten, dass die nächsten 300 km nicht besser werden, sanken die Köpfe nochmal tiefer. Frustriert machten sie sich fertig für den weiteren schweren Weg. Alternativen gibt es nicht. Es gibt nur diese Straße, da müssen sie durch. Aber auch wir müssen da durch. Nochmal ca. 300 km „das Grün lesen“.

Endlich … nach nochmal 150 km die nächste Ortschaft. In einen so großem Land wie Kasachstan zieht sich das alles etwas mehr auseinander. An der Tanke treffen wir noch die Jungs von der „Rally to Mongolia“. Wir sehen schon seit Beginn unserer Reise immer wieder Autos mit den typischen Aufklebern „Rally to Mongolia“. Sie kommen aus ganz Europa … die hier aus Frankreich. Sie machten uns Hoffnung. 200 km vor Almaty gibt’s eine neue Autobahn, sagen sie. Und auch in Usbekistan werden die Straßen besser. Das macht Mut!

Ach … komme ich nochmal zu meiner geliebten Wäsche. Ich habe eine meiner Sommersocken verloren. Das heißt 25% meiner Sommersocken sind verlustig. Mit den restlichen 75% (drei Socken) macht das „Wechselsystem“ bei gewöhnlichen Zweibeinern keinen Sinn mehr. Ich werde jetzt vom „Wechselsystem“ zum „rotierenden System“ schwenken. In Buchara kann ich mir ja eine Neue stricken lassen… oder wird da gewebt?

Bei täglich ca. 10 Stunden auf dem Bock kommt man auf echt blöde Artikel für den Block 😉

Eine gute Nacht, Os8er