Tag 19… Ohne Worte

Die Sportschau ist beendet, Kara Barta schläft noch und wir quälen uns aus den Betten … denn diese waren tatsächlich so übel, wie sie aussahen. Wir mussten unsere Felle in die Madratzenkuhle legen, damit es einigermaßen erträglich wurde. Aber die Nacht ist geschafft. Wir reiten los Richtung Süden. Morgens um 7.30 Uhr ist die Stadt noch leer und wir kommen gut raus. Ab jetzt sind wir auf dem Pamier-Highway unterwegs und der führt uns gleich mal auf über 3000 m.

Scheiße, ist das kalt hier, aber der Ausblick läßt uns grinsen. Endlich kommt die Sonne durch. Es sind nur ein paar Strahlen, aber das macht den Unterschied zwischen erträglich kalt und scheiße kalt. Wir machen Fotostops und bewegen uns im Kurvenmodus Richtung Tal. Bemerkenswert, wie schnell mit sinkender Höhe die Temperaturen steigen. Dann liegt er vor uns, der Too Ashuu Nationalpark. Ich möchte nicht Mega oder Giga dafür benutzen … ist eher der Wortschatz der Teenies, aber das wäre schon treffend.

Eine Hochebene flankiert von 4000ern mit vereinzelten Jurten und kleinen Jurten-Dörfern. Dazwischen Herden von Schafen und Pferden … und eine Straße, die sogar eine Fireblade glücklich machen würde.

Nach 250 km feinste Kost, einem Frühstück von der Marke „Bombe“ kommen wir an den Toktogul See … und der setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Ein türkis blauer See mitten in den gelben Bergen.

Ja, hier soll unsere nächste Nacht werden. Vorher machten wir nochmals Halt an einem Melonenstand. “Eine kleine Melone bitte“… haben wir gelacht. Die Dinger hier sind riesig! Wir nahmen den kleinsten Riesen und versuchten das Ding hinten unter die Gummis zu schnallen. Nach etwas Gerumpel gelang dieses auch … ich fuhr hinterher und überlegte ehrlich: Fangen?… oder Kicken? Geschlachtet haben wir sie dann an einem lauschigen Plätzchen. Die Hälfte bekamen wir rein. Wir fühlten uns wie gestopfte Gänse, die andere Hälfte schnallten wir hinten drauf. Lecker sind die Dinger ja. Mit Wassermelonenbauch geht es weiter … irgendwie ist mir kodderig.

Mit der Suche nach einer Bleibe haben wir fast, wie immer, so unser Problem. Touristen sind in Kirgisistan immer noch rar gesäht. Sie sind auf uns nicht eingestellt, aber langsam tut sich was. Nach einigem Fragen bei den Einheimischen wurden die “Germans“ fündig. Ohne WLAN, dafür aber mit Badewanne … für 8er. Für mich eher ein Sitzbad, wenn da nicht das Temperaturproblem wäre.

Das Wasser wurde einfach nicht warm. Kurzerhand klaute 8er einen Wasserkocher aus der Küche und dem Bad, wie aus Omas Zeiten, stand nichts mehr im Wege. Der eine lag jeweils in der Wanne und der andere machte den Warm-Wasser-Kellner.

Erneut haben wir Geldprobleme. An der Tanke geht oft nur Bares. Die Unterkunft konnte 8er zum Glück in Dollar bezahlen. Puh, Glück gehabt. So, jetzt essen. Hier am See gibt es reichlich Fisch. An der Straße hängen die kleinen Stände ihren Räucherfisch zum Verkauf raus und auf Fisch haben wir Bock. Wir steuern so ein Freiluft Restaurant an und 8er macht es schon wieder! Er machte alles klar. Eine Uhr für Essen und Tee … und der Chef schlägt ein. Es wurde aufgetischt … Fisch ohne Ende, 8er kommt aus dem Schwärmen nicht mehr raus „best Fish ever“… und er hat recht. Ein Hammer Essen für eine Armbanduhr. Eine Schreckminute gab es aber doch. Der Besitzer (klein, kräftig, unrasiert und im Unterhemd) stand mit der Uhr und einem Wassereimer da und meinte „I test it, I test it“. Nöö … äm, evtl. äm … vielleicht lieber nicht. Er grinste, als ob er ahnte, keine Breitling ergattert zu haben und ging. Aber Hey, Kernschrott ist die Uhr nun auch nicht. Hmm … komische Situation.

Am See muß man schwimmen … richtig. Und das taten wir auch. Das Wasser war herrlich und die Sonne knallte. Wir trafen auf zwei Hippies aus England. Nette Gespräche und sie hatten unseren Humor. Ein Bettgeh Bier noch und den Vorhang zu.

Nun zu unserer vitalen Verfassung. Uns geht es gut. 8er ist sein „Popeye“ Arm wieder los … die Wespengeschichte hat ein Ende. Kein Dünnpfiff bis jetzt (was mich wundert, bei dem, was wir alles essen). Knochen lassen sich schmerzlos bewegen.

Achtung *Männermodus an*

Denn ich … ich hatte nach einer Pause auf dem Pass ein typisches Männerding. Beim ungestümen Aufschwingen auf mein Roß ereilte mich ein tückischer Hodenquetscher. Einmal das Gekräuse nicht gerichtet und schon jodelte ich in die Berglandschaft. Und das bei der Kälte, wo ich eigentlich eine Wallnuß in meiner Buchse erwartet hätte. Nach 30 km dumpfen Tiefschlaggefühl war ich durch … und vorsichtiger. Männer kennen das!

*Männermodus aus*

Ach ja… ich hatte einen komischen Hut auf.

Gute Nacht, Os8er