Tag 20… Tschüß Kirgisistan und Danke!

Wieder früh raus. Heute Morgen steht noch ein Batterietausch an. Das alte Problem mit 8er’s Suzi. Ruckzuck ist die Sache gemacht und zack waren wir wieder unterwegs. Es geht genau so schön weiter wie es gestern endete. Berge, Seen und Kurven. Nach ca. 100 km ändert sich das… das Land wird flacher und der Verkehr nahm zu.

Die erste Grenze rüber zu Usbekistan war nix… nur für Fußgänger… mist! Also weitere 170km nach Osh… und die waren nicht ohne. Nebenbei ist heute in Kirgisistan Einschulung und Schulanfang. Überall stehen Kinder in ihren schwarzweißen Uniformen, herausgeputzt mit Bommeln im Haar oder schwarzem Anzug mit weißem Hemd. Viele winkten uns zu, wenn sie uns sahen … und wir zurück und wir mussten viel winken.

Aber nicht nur bei den Schulkindern erregten wir Aufmerksamkeit. Es hupten die Autos, grüßten uns oder machten “Daumen Hoch“…, unglaublich viele Menschen nahmen Notiz von uns.

14.00 Uhr, Staub und Hitze, stockender Verkehr und wir mitten drin. Um uns aus dieser Lage schnellstmöglich zu befreien, ging es wieder in dritter Reihe vorbei oder quer durch …nur das wollten alle. Dazwischen immer noch Fußgänger. Wir mussten höllisch aufpassen, es ging kreuz und quer. Was für ein Chaos! … und die Bullizei spielte auch noch mit. Gefühlt standen sie alle 10 km mit der Kelle und zogen sich die “Bad Boys“ raus. Wir hatten richtig Glück, dass sie uns nicht erwischt haben. Denn verkehrstechnisch waren wir “Bad Boys“.

Endlich … Osh! Doch auch da müssen wir erst durch, um an die Grenze zu kommen und das zur besten Zeit. Schweiß auf der Stirn … und nicht nur da. Drängeln, Hupen und nebenbei freundlich Zurückwinken, das stresst. Und plötzlich ist sie da… die Grenze. Und plötzlich ist sie platt … 8er’s Batterie!…Mist. Wir beschließen, vor der Grenze nochmal die Batterie zu tauschen.

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Gutes Öl nachgekippt!

Nicht nur die Bullizei will gut geschmiert werden…

oder….

Öl für den Grenzbereich.

Einen hab ich noch…

Willst du viel, spühl mit… Ach ne, das war was anderes.

Werbung aus.

An der Grenze ist die Hölle los. Ein Andrang sondergleichen, wie wir es noch nicht erlebt haben. 8er nutzte die Gelegenheit und sprach direkt einen Grenzer an. Wie der richtige Tonfall doch Tore öffnen kann. Schwups „the Germans“ standen vorne und bekamen eine “Sonderabfertigung“ mit Privatzöllner. Wow…schnell waren wir durch und auch die Usbekische Seite behandelte uns bevorzugt. Ein Späßchen hier, ein Lacher da. Besonders beeindruckt waren sie aber von unserer Reiseroute. “Mongolia to Germany?“… Crazy Guys. Aber, was soll ich sagen … 45min! … Hammer. Ein Sorry für all die Menschen, die wohl jetzt noch an der Grenze stehen.

Noch 30 km bis nach Andijan, da wollen wir unser Nachtlager aufschlagen. In Andijan sprechen wir den ersten an, der aussieht als kenne er sich aus und er führte uns auch gleich zu einem Hotel. Unterwegs hat er gleich mal für uns telefonisch und ein Zimmer gebucht. Vor dem Hotel gab es noch ein Selfi mit dem Guide und wir tauschten Nummern aus. Nach den letzten „Absteigen“ hatten wir jetzt ein richtiges Hotel! Erst mal in den Pool und danach über den Markt. Die Gerüche des Orients wehten uns um die Nase. So lassen wir uns das gefallen.

Gedanken eines 8er’s

Von wegen Kopf frei!

Was denkt man eigentlich, in all den vielen Stunden, in denen man auf dem Motorrad sitzt? Erst einmal ist da der Oser und die Strasse, wo fährt er, wann kommt das nächste Schlagloch, wie ist der Strassenbelag, greift der Hund am Straßenrand an, oder bleibt er liegen? Laufen die Pferde auf die Fahrbahn? Was macht der Gegenverkehr? Das alles geschieht mehr oder weniger automatisch … bis z.B. der Hund doch mal wieder angreift. Doch dann gibt es den “Landschaftsflash“, ein unbeschreibliches Glücksgefühl über das, was dort vorbeizieht und die Freude darüber, es mit Oser später teilen zu können. Bei geringem Verkehr, was z.B. in Kirgisistan fast immer der Fall war, kommen intensive Gedanken an Familie, Freunde und Momente hinzu, bis hin zu philosophischen Gedanken und Zukunftsplanungen. Durch das viele Fahradrinalin denkt man viel klarer und intensiver als sonst, Entscheidungen fallen leichter und die Gewichtung ist oft eine andere. Ist es besonders anstrengend, malträtiert die Rappelpiste stundenlang die Wirbelsäule, ist es nur der Wunsch nach Besserung des Untergrundes, der alles beherrscht. Ein Infragestellen des gesamten Unternehmens gab es bisher nicht. Die vielen grandiosen Momente überragen alles! Ob das der Oser auch so empfindet? Sag mal wie siehst Du das?

Gruß, 8er

Tja, wie sehe ich das. 8er hat schon recht. Den Kopf habe ich auch nie frei. Neben all den Gedanken, was das Fahren, die Strecke und das Ziel angeht, werden auch schwergewichtige Themen gewälzt. Zukunft, Arbeit, Liebe. Es ist eine Art der Meditation. Ich finde meine innere Ruhe, während die Landschaft an mir vorbeizieht. Ich bin froh, dass wir uns gegen ein Headset entschieden haben und uns somit enorm viel Freiraum schaffen. Dafür ist der Austausch mit 8er abends am Feuer, im Zelt oder auch mal bei einen Bier um so intensiver. Der Tag wird reflektiert, Situationen aufgegriffen. Und wenn ich nach einer langen Fahrt mal einen Knoten im Kopf habe, hilft mir das abendliche Gespräch mit 8er oft weiter.

Nebenbei.

Mit Handschuhen lässt sich mit dem Smartphone kein Foto machen. Ihr könnt aber die Nase nehmen. Nur Selfies kommen seltsam rüber.

Gute Nacht, Os8er