Tag 21… Lagerkoller

Weiter… immer weiter Richtung Westen … Usbekistan Richtung Samarkand. Was in Kirgisistan die Kinder sind, sind hier die Männer. Wir sind da, wo es hupt. Alle hupen .. , die, die uns entgegen kommen oder die, die uns überholen und immer sehen wir „Daumen hoch“.

Die Krönung war ein Vogel auf einer 125er, der musste uns während der Fahrt filmen … überholte uns, bremste uns aus mit der Bitte um ein Selfi. Zugleich hielten dann noch zwei Autos und alle kamen mit ihren Smartphones. Wir fühlten uns wie „Tokio Hotel“ in ihren besten Zeiten vor einem Mädcheninternat. Nur unsere Groupies hatten tiefere Stimmen und mehr Körperbehaarung. Nett sind sie ja, aber geil ist anders. Da hatte es „Tokio Hotel“ besser getroffen.

So … Tanken in Usbekistan. Die großen Tanken haben hier nur Gas. Methan wird zum verhassten Wort, dort gibt es nur Autogas. Das große Gasvorkommen in Usbekistan führte dazu, daß fast alle Autos hier mit dem Zeug fahren. Benzin ist rar und wird an irgendwelchen Ecken verscherbelt und die muss man finden. Fragen hilft … viel Fragen hilft nicht immer viel. Oft bekommen wir unterschiedliche Antworten. Hinterher sind wir viel ratloser. Vor allem die Kilometer-Angaben sind mit Vorsicht zu genießen. 3 km in die Richtung sind nicht selten 10 km. Den Sprit haben wir trotzdem bekommen, aber wir mussten warten. Der dicke Tankward musste erst einmal mit dem Fahrrad eintrudeln. 91 Oktan müssen unsere Suzis jetzt verdauen und das ist hier der „Gute“. Ich denke, von 91 Oktan werden wir später noch träumen.

Das liebe Geld. In Usbekistan zahlen wir in Som. 1000 Som sind umgerechnet 10 Cent. Will mann 100 € in Som tauschen, sollte man ne Tüte mitnehmen. Ich habe mich schon gewundert, warum hier so viele Männer mit hässlichen kleinen Täschchen rumrennen … tja, zwei Bierchen kosten ein paar Scheine.

Geld tauschen ist auch kein Problem. In größeren Ortschaften werden wir auf der Straße angesprochen. Dollar… Som? Der Kurs ist meist besser als auf der Bank. Sie nehmen keine alt aussehenden Dollarscheine … nur Frischwahre.

Text 8er

Es beginnt mit einem Kratzen und einem ekligen metallischem Schaben aus dem Bereich der Gabel. Ab und zu kombiniert mit einem spürbaren Wiederstand. Ich signalisiere Oser anzuhalten. Nach einem Frustessen machen wir uns an die Fehlersuche. Überall wird gewackelt und geruckelt. Das Vorderrad hat Spiel, zu viel Spiel. Die üble Diagnose … RADLAGERSCHADEN. Vor Ort ist nichts machbar. Mit 70 km/h eiern wir ins Tal, 40 km noch bis Angren. Meine Gedanken und Gefühle überschlagen sich: Ist das möglicherweise das Aus? Nein, Uwe wird eins schicken, wir werden nur einige Tage warten müssen … Was ist, wenn das Lager frisst und nun das Vorderrad blockiert? Gerade heute, wo ich keine Protektorenhose anhabe. Oser fährt ja hinterher, es wird schon gut gehen. Endlich erreichen wir den Ort, finden auch recht schnell eine Art Hotel. Auf dem Hinterhof baut Oser das Rad aus und wir haben freie Sicht auf das Lager. Die ganze Misere ist sichtbar. Das Lager hat bereits begonnen, sich selbst zu fressen. Teile des Kugelkäfigs und 2 Kugeln sind bereits verdaut. Das ganze „SCHÜTTGUT“ (Insider für Ekkehard) liegt vor uns.

Mit unbeschreiblicher Hilfsbereitschaft geht’s per Taxi samt Rad und Hotel-Bruder zur ersten Werkstatt. Wie bei der 2ten wird abgewunken. Dann kommen wir auf einen öligen Hinterhof. Zwei ebenfalls ölige Schrauber lassen sofort alles stehen und liegen, kümmern sich um mein Rad. Mein Hinweis, zum Abziehen des Lagers das Rad doch besser warm zu machen, wird lächeld ignoriert. Vier harte Schläge … aus, raus ist es. Sogleich werde ich in ein uriges Teileverkaufsgeschäft geleitet. Hier zeige ich das Schüttgutlager vor. Der „Fachmann“ steckt den Finger in die Wellenöffnung, holt eine alte Packkiste und zeigt einen Finger. Nein bitte gleich 2, man weiß ja nie,… Gut, ein 2tes hat er auch noch. Umgerechnet 6,- € sind fällig. Hoffentlich passt das, er hat doch gar nicht gemessen! Zurück in der Werkstatt wird nicht lange gefackelt, 4 harte Hammerschläge und es sitzt. 45 Minuten später ist alles erledigt. Oser staunt nicht schlecht.

Da muss ich nochmal was zum Hotel schreiben. Wir fanden es nach etwas Suchen recht schnell. Es steht mitten in einem „Problem Viertel“ und als wir halten, werden wir von ca. einem Dutzend Kinder belagert. Frech waren sie, aber auch unglaublich neugierig. Sie quatschen uns die ganze Zeit voll … Saßen bei der Reperatur neben uns und boten ihre Süßigkeiten an. Zu Anfang nervte, sie ein wenig, zum Schluss vermissten wir sie ein wenig.

Viele Moldawier sind im Hotel. Sie gehören alle mehr oder weniger zu den Betreibern … der Familie, und das war unser Glück! Sie waren alle sehr hilfsbereit. Ohne sie wäre die Radlager-Geschichte nicht so reibungslos verlaufen. Der Dank geht an uch, „Elba Mexmonxonasi“!

Heute wieder schön ein 50% Bad genossen. Zwergenjochen 8er hatte immerhin ein 75% Bad gehabt.

Gute Nacht, Os8er