Tag 27… Am Ende der Straße

Erst einmal, uns geht es besser… sogar gut! Frisch und voller Kraft verlassen wir Chiwa. Wir wollen Richtung Westen … so lange wir Lust haben. Und wir hatten Lust. 520 km durch die Kysylkum Wüste. Nix außer Sand und trockenes Gestrüpp … und 8er im Rückspiegel.

Text 8er

Ne ne, da muss ich mal einhacken, die Wüste lebt, immer wieder zeigt es sich und während Oser sich um die Landschaft kümmert, bewaffne ich mich mit meiner großen Kamera, um z. B. Steppenadler, Wüstenspringmäuse, oder Thekalerchen zu erwischen. Es ist für mich eine unglaubliche Bereicherung der Reise und unser gemeinsames Interesse an der Fotografie verbindet uns in besonderer Weise…

Die weißen Wolken formen sich immer wieder neu und regen unsere Fantasie an. Kamele und Dromedare kreuzen die Fahrbahn … und das Licht wird immer besser. Wir machen Pausen und genießen die Stille. Hier könnte man „Schwiegermutter“ verschwinden lassen … die findet man nie wieder.

Es wird dunkel. Wir entdecken einen vergilbten Wegweiser, der links ab in die Wüste zeigt. Einer der schlechtesten „Feldwege“ meines Lebens führt uns Richtung eines kleinen Dorfes … mitten in der Kysylkum Wüste. Wie in einer Oase sind Bäume zu erkennen.

Angekommen, die Ernüchterung. Ein paar verfallene Häuser und ein Bahnhof, wo kaum noch was läuft. Aber das Dorf ist bewohnt. Als wir da so ratlos stehen, bekommen wir Besuch. Ein Bewohner radelt mit seinem Drahtesel durch ein paar Hühner in der Abendsonne langsam auf uns zu. 8er machte wortlos eine Geste, die zeigt, daß wir was für die Nacht suchen. Der Mann zeigt wortlos auf das Bahnhofsgebäude. Ich musste sofort an „Stephen King“ denken.

Der Bahnhof aus den 60ern war komplett leer, ein großer Raum. Dankend nehmen wir an und breiten in einer Ecke unsere Schlafsäcke aus. Schnell sprach sich unsere Ankunft im Dorf rum. Aus allen Ecken kommen sie, um uns zu begutachten. (Ich sage nur Stephen King). Hier, 120 km von der nächsten Ortschaft weg passiert nicht viel, da sorgt das Os8er Gespann auf ihren „Raumschiffen“ schon für Aufsehen.

Plötzlich schleppten einige Männer Betten, Madratzen und ne Menge anderen Kram in den Raum. Es wird auch eine Glühbirne besorgt, um Licht zu haben. Der erste Eindruck täuscht! … es ist nicht für uns, es ist für sie selbst. Einige Männer wollten nun auch hier schlafen. Wir stehen etwas ratlos vor dieser Situation und wissen nicht, was hier abgeht. 8er versucht irgendetwas heraus zu bekommen. Doch hier ist Englisch so gar nicht angesagt. Wir geben auf und schauen uns erst einmal die Mopeds an.

Mich hat es nämlich erwischt … bzw. meine Felge. Eine recht große Macke hat eines dieser Schlaglöcher hinterlassen. Felgenrand verbogen, als ob ich mit 100 km/h frontal einen hohen Bordstein genommen hätte. Immerhin hält das Rad noch die Luft. Sofort kommen die „Dorfprofis“ mit einem Motteck und wollen helfen. Ok, dachte ich, bau ich mal das Vorderrad aus und sehe mir mal an, was passiert. Mit gezielten Schlägen wird die Felge bearbeitet. Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber es bringt mich weiter. Wenn es um sowas geht, können Sie hier aus „Scheiße Gold machen“.

Je länger wir mit den Dörflern zu tun haben, desto entspannter sind wir. Sie sind klasse, helfen wo sie können, klettern auf unseren Strom’s rum, machen Fotos und fragen … Fragen, die wir nicht verstehen und freuen sich scheinbar um so mehr. (da gingen bestimmt einige Sprüche auf unsere Kosten) und als wir uns zur Nacht am Bahnhof fertig machten, kehrte auch Ruhe ein.

Gute Nacht, Os8er