Tag 32… Sie sind überall

Wieder unterwegs. Wir wollen heute so weit wie möglich an die Grenze zu Georgien herankommen, um morgen hoffentlich problemlos übersetzen zu können. Wir wählten eine kleinere Straße durch kleine Dörfer, entlang an Seen und Flüssen. (ca. 200 km). Der Verkehr ist morgens gering, so haben wir freie Fahrt. Es lacht ein blauer Himmel, keine Wolke ist zu sehen. Unsere Laune ist bestens und die Knochen machen auch noch mit.

Bei einer Pause an einem kleinen See machte sich 8er mit seinem 300er bewaffnet ins Schilf und kam breit grinsend wieder raus. Ich dachte nur, „da muß ich auch rein!“… „dieses Gesicht möchte ich auch!“. Die Ernüchterung kam auf dem Fuß … es waren Bartmeisen, die ihn so strahlen ließen. Ok, keine Bar, kein Stripclub … Bartmeisen! Ich denke unter Ornitologen schon ne Nummer, so ne Bartmeise. Putzig ist das Ding ja irgendwie.

Nach und nach ändert sich die Landschaft … Es wird hügeliger und am Horizont zeigen sich die ersten Berge des Kaukasus. Da kommt man um die Ecke und plötzlich wird es windig. Booha, sehr windig. Schräglage bei gerader Strecke. Teilweise benötigen wir richtig Kraft, um unsere Mopeds gegen den Wind zu stemmen. Zwischendurch immer wieder kräftige Böhen. Alles zusammen ein teuflischer Mix. Kombiniert mit den Windschatten der LKW’s heißt das volle Konzentration. Beim Überholen kommt man sich vor, wie unangeschnallt mit einer Cessna durch Turbulenzen zu kacheln.

Wir kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt an die Grenze. Der Konflikt zwischen Russland und Georgien spitzt sich wieder zu. Beide haben ihr Militär an den Grenzen zusammengezogen. Es geht wohl um Südossetien und Abchasien. Das macht sich auch für uns bemerkbar. Sie sind überall! Polizei, Polizeikontrollen und Kontrollposten des Militärs. Wir haben versucht, uns klein zu machen … fuhren dicht hinter den LKW’s, so daß sie uns erst spät sehen konnten und es gelang. Auch wenn es teilweise knapp war. Auf dem Weg trafen wir immer wieder Reisende, die Probleme an diesen Kontrollen hatten. Teilweise zahlten sie Geld, um weiterfahren zu können. Wir hoffen, morgen gut durchzukommen und auf einen guten Grenzübertritt.

Jetzt mal zum Wetter. Tag 32 auf der Straße. Noch keine Regenfahrt … bis jetzt. Temperaturen optimal! In Altai recht warm mit 28°C und in Usbekistan recht kalt mit 28°C … dazwischen auch alles optimale Werte für die Germans. Wie geht das?

Ist es Glück?… oder Zufall?… oder ist die Reise perfekt getimt?

Alles Quatsch … alles Blödsinn. 8er ist es!

Jeden Abend legt er einen Kreis aus Federn (nur die Blauen) auf den Boden und stellt sich mit einem Bein nackt rein. Er jodelt den Sonnengott an und bittet um gutes Wetter. Natürlich funktioniert das nicht ohne Zwiebel! (bis auf die dritte Haut gepellt).

8ers Gedankenwirrwar beim Fahren

Es ist die ultimative Freiheit, die Landschaft gleitet vorbei, man spürt ungeschützt den Wind und das Wetter, die Gedanken sind frei, da sitzt ein Kaiseradler am Wegesrand, wo werden wir wohl die Nacht verbringen? Das zu Hause, die Arbeit, alles so weit weg, vieles so klein und unbedeutend, ein bisschen Heimweh, Gedanken an Familie und die Guten, ja, fast alle sind gut, wir sind nur viel zu viele Menschen und ja, uns in Deutschland geht es wirklich mehr als gut, trotz all der Miesmacher und Schlechtredner….

Hmm … der 8er sollte mehr trinken.

Na dann, gute Nacht, Os8er