Tag 36… Eine kleine Runde

Wir sind noch immer in unserem kleinen Hotel … können uns nicht trennen. Heute wollen wir ins ländliche Abseits der größeren Straßen. Schnell ist eine grobe Richtung gefunden … alles andere wird sich auf dem Weg ergeben.

Es beginnt mit kleinen, kurvigen Straßen. Ohne Gepäck macht das richtig Gaudi und wir ziehen die Gänge hoch. Die Straßen sind fast für uns allein … fast, den da waren ja noch die Hunde. Man, da kann man sich schon verjagen, wenn sie uns wie aus dem Nichts laut kläffend vom Moped holen wollen. Oft bleibt es bei Scheinangriffen, einige der Kläffer wollen aber mehr. Drei Kurven weiter stand da diese Kapelle. Eine kleine Kapelle. Hier verirrt sich kaum ein Mensch hin und so wirkt sie auch. Wir machen Halt und sehen uns um.

8er

Ich hatte heute ein sehr tiefgehendes Erlebnis im Bereich einer sehr einsamen Kapelle. Niemand war dort, lediglich ein Mönch, 4 Hunde, 6 Schweine und einige Rinder. Sofort kam wie immer einer der Hunde zu mir. Ich spielte mit ihm recht lange. Der recht karismatische Mönch kam auf mich zu und signalisierte mir, dass er mein Spiel mit dem Hund beobachtet hätte und mich nun gern segnen würde. Ich war recht überfordert mit der Situation. Nach seiner Berührung habe ich mich sehr gerührt gefühlt, nein es war mehr als das … schlecht zu beschreiben. Sogar ein Bild sollte ich mit ihm machen … Sehr ungewöhnlich.

Georgien hat so Einiges zu bieten. Unter anderem stellen sie tolle Weine her. An den Straßen stehen provisorische Buden mit Dutzenden 5-Liter-Kanistern Wein … in allen Farben. Wir fahren an Weinstöcken und Weingütern vorbei, teilweise sehr edele Bauten. 8er biegt ab und führt mich direkt auf ein Weingut. Das Ding sieht eher aus wie ein Schloss mit Tor und Türmen.

Als wir die Mopeds abstellen, öffnet sich auch schon ein Tor. Wir werden hinein gebeten. Es wirkte, als ob 8er das im Vorfeld iniziiert hat. Hmm … so beginnen eigentlich gute Heiratsanträge. Die Terrasse wirkt, als ob jemand viel Geld hat und nicht wusste, wohin damit. Ein kleiner Pool, Pavillions, ein riesen Weinregal und Yuppies mit Zigarren und schweren Armbanduhren. Hier speisen die besser Betugten … da passen wir mit unseren Kutten und den Mongolia-Straßenstaub-Jeans gut rein. Im Hintergrund duddelt eine Klavier-Klassik-Dauerschleife und die Typen in Polo Shirts schielen schon zu uns rüber. Das wirkt wie irgend ein Club hier. OK, mit Clubs kennen wir uns ja aus … also setzen und in die Goldene Karte geschaut. Das liest sich aber lecker… Na dann hauen wir mal rein! Der gepflegte Kellner steht schon zur Stelle. Ich nehme Rind in Walnußsauce, 8er setzt auf Bewährtes … Rind mit Kartoffeln.

Das alles sehr lecker war, müssen wir eigentlich nicht erwähnen. Wir fühlen uns pudelwohl und wollen gar nicht mehr weiter. 8er wollte noch in den Pool und ich hatte Mühe, ihn zu bremsen.

Bei der Rechnung kommt die große Überraschung. Unser teuerstes Essen dieser Reise… für Georgien sauteuer… für uns vergleichbar mit dem Griechen in Hildesheim … einfach preiswert.

Weiter geht es, dieses Mal auf weißen Straßen zu einer Ruine. Wer hier eine weiße Straße fahren möchte, muss auf alles gefasst sein. Die Spanne reicht von Asphalt bis Trampelpfad. Letztes Jahr in Bosnien führte uns eine Weiße durch ein ausgetrocknetes Flussbett. Kaum befahrbar. Aber diese war OK. Schotter und Asphalt wechselten sich ab. Nach 15 km standen wir mitten in der Ruine. Eine kleine Kapelle bildete den Mittelpunkt. Außer uns war da noch ein kleines Wohnmobil aus Nürnberg. Spontan wurden wir von einem älteren Paar eingeladen. 8er setzte sich dazu und führte Smalltalk, ich zog lieber mit meiner Kamera bewaffnet Richtung Kapelle.

Wir machten noch gut Strecke und kommen in der Nähe von Tiflis wieder auf die Hauptstraße. Die letzten Kilometer dann der tüpische Feierabendverkehr. Zurück lassen wir den Abend mit einem Bier ausklingen und machen Pläne für den nächsten Tag.

Gute Nacht, Os8er