Tag 39… Abwettern im Dampf

Ja, die dicken Wolken sind da. Das Schöne ist, ein Blick in die App und schon weiß man, wann sie kommen. Kann es so eine App nicht auch für Schwiegermütter geben? Wie auch immer, dicke Wolken, heißes Bad. Heute nutzten wir die heiße Quelle gleich mehrmals. Aus unserm Zimmer im zweiten Stock konnten wir quasi nackt in den Keller… ist ja kein anderer da. Aufgewärmt zurück ins Bett, TV und Smartphone. Der Blick auf die Burg weckt noch einmal die Lebensgeister. Wir wollen nochmal raus. 8er juckt es und möchte ein Sportstudio finden … er bekommt zwei Stunden Vorsprung, bevor wir uns treffen … ich bleibe noch liegen.

8er

Auf der Suche nach einem Fitnessstudio (keines gefunden) lasse ich mich durch die Stadt treiben, füttere einige der stark abgemagerten Strassenhunde, sodass ich zeitweise 5 von ihnen im Schlepptau habe. Dann steht dort dieser ältere Herr an einer Häuserecke. Ein kleines Brettchen, auf dem sorgsam einige russische Orden und Ehrenzeichen angebracht sind, hält er in der Hand. Mein Interesse ist geweckt und ich entdecke die gleiche Ehrenmedalie, die gestern der alte Kriegsveteran so würdig trug. Dem Verkäufer schien ein Verkauf nicht wirklich wichtig zu sein, vielmehr erzählte er mit Händen und Füßen sowie ein paar Brocken English und Deutsch alte Kriegsgeschichten. Ein besonderer Moment für mich, natürlich habe ich die Medaille erworben, er gab sie mir gerne, die geringe Summe schien völlig nebensächlich zu sein, er hat sie mir gern überlassen und ich habe ihm versichert, dass es mir viel bedeutet, sie von ihm bekommen zu haben.

Wir treffen uns in der Stadt (bei uns wäre das eher eine Dorfmitte). Nun auf zur Burg. Schön aufgemacht ist die Rabati Burg, wenn auch etwas zu touristisch. Sauber, renoviert mit Kitschläden und Edelrestaurants, trotzdem sehenswert. Die dramatisch dunklen Wolken machen die Fotos zu etwas Besonderem. Blau ist doch langweilig … aus Fotografensicht jedenfalls. Lange hält es uns jedoch nicht in der Burg.

Wir schauen lieber noch einmal ins „alte Viertel“. Dort läßt sich die Geschichte der Stadt besser ergründen. Auch zum Fotografieren findet sich hier mehr Ansprechendes als in der Touriburg. Nach bergauf und bergab landen wir erneut in unserem kleinen Restaurant. Wir stehen in der Tür, 8er mit Handtuch und für sein Fitnessstudio vorbereitet, ich mit einer Regen Jacke in xxxxl, die sonst über meine komplette Montur getragen wird „Einmal wie gestern bitte!“ Schmunzelnd über die „skurrilen Germans“ wird die Bestellung entgegen genommen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das die junge Dame aus dem Schmunzeln gar nicht mehr rauskam. Nach dem gestrigen Lob über das Essen und an die Köchin brachte sie heute ihr Gekochtes persönlich an den Tisch. Sie zeigte sich geschmeichelt von unseren Lobgesängen und ein Foto war auch noch drin.

Tochter Mama

Wieder satt, wieder zufrieden. So kann es weiter gehen. Zurück im Hotel noch mal in den Keller. Wir nehmen unser Abschiedsbad … heizen uns für morgen noch mal auf. Morgen soll es kalt werden … na dann. Nachts steige ich noch einmal aufs Dach. Mit Stativ und 35mm f2.0 bewaffnet geht es noch einmal der Burg an den Kragen.

Gute Nacht, Os8er