Tag 42… Begegnungen

Heute verlassen wir das Schwarze Meer. Uns zieht es ins Landesinnere … einmal quer durch die Türkei. Unser heutiges Ziel ist Sivas. Tja … eigentlich. Ich sage es mal so, wir sind mal wieder weit darüber hinaus geschossen. Bremsen ist nicht so unser Ding, also landeten wir in Kayseri. Kayseri liegt kurz vor Kappadokien. 420 km haben wir heute gemacht … und jetzt haben wir kein Bock mehr. Wir sind müde und von Konzentration ist keine Rede mehr. Wir beschließen, das erste Hotel zu nehmen, was kommen würde. Und was kam?.. natürlich ein super edeles Ding, das Hotel „Ommer“. Mis t… das wird zu teuer sein.

Skeptisch checken wir die Lage. Umgerechnet 50 € die Nacht. Hmm … ne Menge Knete. Wir beraten uns: Müde, kein Bock mehr weiter zu suchen und hier werden einem die Koffer getragen auf der Pro Seite. 50 € für ne Nacht auf der Kontra. Als dann noch die Info „inklusive Frühstück, Pool und Spa“ und für 8er nen Fitnessstudio kam, war die Entscheidung gefallen… Wir fahren wieder!

Blödsinn … natürlich sind wir geblieben! Die letzten 70 km machen wir dann morgen.

Der Weg nach Kayseri war mal wieder ein Weg der Begegnungen. So trafen wir bei einer Pause auf einen humpelnden Biker. Es war schon ein kauziger Typ. Er kam aus der Türkei, sah aus wie von der Müllabfuhr und hatte einen Sack voller Äpfel und Nüsse dabei. Er zeigte uns Fotos von einer Bösen Fleischwunde, er hatte sich in Antalya aufs Mett gemacht. So humpelte er durch die Gegend, inzwischen geschützt mit Knieprotektoren, die er wohl irgend einem Kind unterwegs abgeluxt hatte.

Englisch sprach er nicht wirklich und wir sprachen auch nicht wirklich türkisch … doch die Verständigung klappte irgendwie … glaube ich.

Wir tranken Chai Tee und er beschenkte uns mit der Hälfte seiner Äpfel und Nüsse. Der humpelnde Protektor Mann hatte viel zu erzählen. Wir verstanden kein Wort und versuchten zu erahnen, was er meinte. Trotz alledem oder vielleicht gerade deswegen … ein absoluter Sympathieträger, der zu 8er eine ganze besondere Beziehung aufbaute. Dementsprechend herzlich sah auch die Verabschiedung zwischen den beiden aus. Wir fahren jetzt unter dem Schutz Allahs. Danke kleiner Müllmann.

8er

Ich hatte ein besonderes Erlebnis während des Kontaktes, einer dieser Momente, die mir so unsagbar viel geben, aber die man auch nicht in Worte fassen kann, weswegen ich es gar nicht erst versuche.

Unterwegs durch die Berge gab es so einiges zu entdecken. Hier gibt es große Haselnusswälder und die Ernte wird direkt an der Straße getrocknet.

Auch das Mittagessen war eines der besonderen Art. Es war nicht wirklich ein Restaurant, wo wir landeten. Es wirkte eher wie eine Schulkantine … nur etwas kleiner. Wir wurden behandelt wie Ehrengäste. Sie waren alle bemüht, uns zufrieden zu stellen. Die „Germans“ haben mal wieder für Aufsehen gesorgt. Es gab Köfte mit Reis und es war richtig lecker. Später, bei den Mopeds, wurde ich schüchtern von einer Gruppe Schülerinnen angesprochen. Natürlich ging es um Selfies, aber nicht mit den Motorrädern, nein, sie wollten Selfies mit mir. Ich sollte doch unbedingt die Kutte anziehen. Dann begann ein riesen Foto Zirkus. Von Schüchternheit keine Spur mehr. Sie zerrten mich rechts und links und positionierten mich dorthin, wo sie mich haben wollten. Später wurde noch das Motorrad mit eingebunden und die ca. 15, 16 Jährigen fanden gar kein Ende mehr. Das war schon skurril, vor allem, weil die „Kantinengäste“ sich das Spektakel von der Terrasse aus nicht entgehen lassen wollten. Die Situation war bezeichnend für die Freundlichkeit und Offenheit der Türken. Ob der Tankwart oder die Tante am Kiosk, der Hotelpage oder die Bedienung im Restaurant. Alle hielten Smalltalk und waren interessiert an uns und an unserer Reise. Wir hatten nicht einmal sowas wie Unfreundlichkeit erlebt.

Freiluftklo mit Waschbecken und Licht.

Nun sitzen wir hier im zehnten Stock des Edel Hotels, waren im Spa- und im Schwimmbad (8er auch noch in der Muckibude), haben uns ein gutes 400 g Steak einverleibt und sind glücklich, soweit gekommen zu sein. Die Mopeds laufen und wir sind auch noch relativ gut beisammen. Das ist nach fast 13.000 km nicht selbstverständlich.

Gute Nacht, Os8er