Tag 44… Jetzt kommt ein Ballon

Okay … wir wussten, das Kappadokien für seine Ballonfahrten bekannt ist. Wir hatten auch die Hoffnung 4, 5 oder sogar 10 Heißluftballons zu sehen. Es ist mitten in der Woche und Nebensaison … nicht wirklich viel los hier. Viele Orte in den Bergen waren menschenlehr und an den „Hotspots“ sammelten sich nur wenige Touristen. Also kein Vergleich zur Hauptsaison. Wenn die Ballons steigen, dann zum Sonnenaufgang. Diese Info hatten wir. 8er, mein persönlicher Frühaufsteher scharrte schon gefühlt mitten in der Nacht mit den Hufen. „Wie spät haben wir es denn?“. „6:00 Uhr… wollen wir mal gucken?“.“ 8er… geh gucken, wenn was sein sollte, kannst ja rufen“. 30 Sekunden später. „Oser… du solltest jetzt aufstehen!“. Wir stiegen auf die Terrasse und was uns da erwartete, ließ uns die Kinnlade auf die Knie fallen.

Mindestens 100 von den Dingern schweben vor unserer Nase! Damit haben wir nicht gerechnet! Mit einem Kaffee saßen wir auf der Terrasse und bekamen beide kein Wort raus. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und es steigen immer mehr auf. Wenn man da so steht und in den Himmel schaut, wirkt die Szenerie sowas von unreal, dass es einige Zeit benötigt, diesen Moment wirklich zu begreifen.

So … begriffen, verdaut und bereit für neue Schandtaten! Wir fahren heute raus in die Berge. Spärlich bekleidet (es wird warm) machen wir die Gegend unsicher. Wir müssen vorsichtig sein, die Nebenstraßen haben ihren Namen nicht verdient. Sie sind sandig und so bekleidet möchten wir keine nähere Bekanntschaft mit Kappadokiens Fundament machen.

Und da sind wir… mittendrin. Die Türme werden hier „Feenkamine“ genannt. Die ganze Landschaft könnte einem Märchen entsprungen sein … oder einem Fantasy Film. In einige dieser Formationen sind in der Bronzezeit Höhlen hineingerieben worden. Später diente diese Gegend den frühen Christen als Zufluchtsort. Es gibt zahlreiche Felsenkapellen und viele unterirdische Städte, bis zu 19 Stockwerke tief wurde gegraben und die Größte hatte wohl 60.000 Einwohner. Unvorstellbar!

Hinter jeder Ecke tut sich eine neue Landschaft auf. Zwischendurch kleine Weinstöcke oder Obstgärten. 8er habe ich eigentlich nur kauend erlebt. Das hat schon einen paradiesischen Charakter hier. Du greifst einfach nach rechts oder links und hast die süßeste Früchte in der Hand.

Und dann trafen wir Yonus. Wir waren auf dem Weg, einen schönen Sonnenuntergangsspot zu suchen, da sprach uns Yonus an … auf Deutsch. Er könne uns die schönsten Orte Kappadokiens zeigen und wir würden es nicht bereuen. 10 € sollte uns das wert sein. Dankend lehnen wir ab und gehen weiter den Berg hoch. Keine Ahnung wie er das gemacht hat, aber oben angekommen steht Yonus erneut da und nimmt Anlauf für einen zweiten Versuch. Dieses mal schmiss er das schönste Tal Kappadokiens in den Ring und dazu noch die älteste Felsenkapelle … 400 nach Christi! .. und alles für 10 €. Ob er uns überzeugt hatte oder es ein Mitleidsding war… wie es auch sei, kurze Zeit später saßen wir in seinem Wagen Richtung dem schönsten Tal der Welt.

Angekommen erzählte Yonus viel über sich und die Geschichte seiner Heimat. Yonus lebte bis zu seinem 13 Lebensjahr in Deutschland. Das erklärte sein gutes Deutsch. Seit über 30 Jahren macht er nun den Fremdenführer in Kappadokien und hatte ein unglaubliches Fachwissen. Er war gut in dem, was er tat, hatte richtig Humor und war auch ansonsten ein netter Mensch. Und er hatte Recht. Wir haben es nicht bereut. Es war ein schönes Tal mit toller Aussicht und einer Kapelle, die Gänsehaut hervorruft.

400 nach Christi!…das ist schon ne Nummer. Und wie fast immer waren wir dort allein. Um uns die Akustik zu demonstrieren, sang der Yonus gleich mal die Kurzfassung des Korans … und nochmal Gänsehaut! Wir unterhielten uns noch eine Weile über Glaube und den Koran, die Türkei und Politik. Insgesamt konnte der Tag nicht besser enden. Danke Yonus! Schön, dich getroffen zu haben.

8er

Unterwegs… Es sind die vielen kleinen Dinge, die passieren, meist ohne, dass sie je Erwähnung finden: Da rutscht der Oser plötzlich in einer Kurve über beide Räder zur Seite und versucht fussend einen Sturz zu vermeiden. Bevor ich die Situation deuten kann, befinde ich mich nach einem Bruchteil einer Sekunde auf eben dem selben Ölfleck und mache bestimmt eine ähnliche Verrenkung …
oder eine dieser Schlagwinde, die dich wirklich hart treffen können. Man sieht den irren Schlenker beim Vordermann , da hat es einen schon selbst erwischt. So lange alles gut geht, ist es meist auch gleich wieder Geschichte.

Gute Nacht, Os8er