Tag 48… Ausflug

Auf zur erneuten „Schlacht“ am Frühstücksbüffet … dieses Mal mit Unterstützung. Der Wechsel von einer Reise zu einem All Inclusive Urlaub ist schon eine Herausforderung. Dann noch von einem Zweier- zum Viererteam ist eine 180 Grad Wendung. Ich will nicht sagen, dass 8er und ich in den 7 Wochen nicht kommuniziert hätten, jedoch beschränkte sich die Kommunikation auf die motorradfreie Zeit und da kommunizierten wir hauptsächlich im „Reisemodus“.

Plötzlich ist alles anders. 8er wurde durch Chris ausgetauscht, ich durch Kerstin. Viele Menschen sind um uns herum und quatschen durcheinander. Die Prioritäten haben sich verschoben. Hier wird kommuniziert … und zwar viel. Es dauerte ein wenig, bis ich mich darauf eingestellt hatte und es passiert immer noch, daß ich in alte Verhaltensmuster zurück rutsche. Nur nachdenklich und still zu sein, ist in vielen Situationen nicht angebracht. 8er hatte durchaus ähnliche Probleme … konnte sich jedoch schneller auf die neue Situation einstellen. Oft reflektieren wir vergangene Situationen, grinsen uns an und haben unsere „Insider“.

Aber wir sind im „jetzt“ und da sind wir froh, unsere Frauen hier zu haben. Sie haben ein offenes Ohr für unsere Geschichten und bringen enorm viel Frische rein. Auch die körperlichen Kontakte sind wesentlich anders als mit 8er, der mit Glück beim Umdrehen im Schlaf mal an meiner Axel riechen durfte. Wir haben sie doch mehr vermisst als vorher gedacht und genießen die Zeit mit ihnen. Langsam werde ich auch wieder gesellschaftsfähig.

Danke an euch beide, dass ihr die Reise und uns so unterstützt habt! Ihr seid schon was Besonderes, das ist nicht selbstverständlich! Dafür lieben wir Euch beide.

Genug Gefühlsduselei. Heute wollen wir raus. Die Mädels haben ihre Helme mit und die wollen genutzt werden. Das Ziel … ein kleiner Stausee im Hinterland. Leicht bekleidet und dementsprechend gemütlich tuckern wir durch die Landschaft. Es ist schön, wieder unterwegs zu sein und dabei auch noch eine feste Umarmung von hinten zu bekommen. Den Stausee scheint hier keiner auf seiner Karte zu haben. Wir finden ein Cafe direkt am Wasser und sind dort allein. Zeit nur für uns und fernab des Trubels. Stille, Natur und unsere Frauen. Schön war es und endlich mal Zeit zu horchen, was so zu Hause abging.

Zurück gehen wir noch zum Strand runter. Es war schon etwas später und nicht mehr viel los. Langsam lernen wir den Zeitplan der anderen „Touris“ kennen und stellen uns darauf ein. Ein Gang ins Wasser, ab auf die Liegen, ein Bier. Ja, doch, so kann man es aushalten. Nach dem Abendessen noch ab durch das „Vergnügungsviertel“. Schoppingbuden ohne Ende. Alle buhlen um uns … wollen uns locken. Menschen vollbeladen mit Tüten und Taschen kommen uns entgegen. Dauer SSV… alle im Kaufrausch. Wir beobachten das Treiben und finden vieles zum Schmunzeln.

Insektenspecial

Insekten?… echt jetzt? Ja… echt.

Wenn es treue Begleiter auf unserer Reise gibt, dann sind es die Insekten. Es gibt eigentlich drei Kategorien auf unserer Reise. Die Begegnungen, wenn wir ruhen, die Begegnungen, wenn wir fahren und die Exoten.

Nach einer Fahrt können wir viele Begegnungen auf unseren Visieren und an den Verkleidungen betrachten. Es gleicht einem Schlachtfeld der Straße. Trotz Licht und Hupe krachen so einige Brummer bei uns ein. Interessanterweise interessierten sich bei der einen oder anderen Pause viele Wespen für diesen Eiweißmix. Teilweise belagerten Dutzende von ihnen das Motorrad und knabberten die Reste der Verunfallteten ab. Leider fanden sie es gar nicht lustig, wenn wir uns den Mopeds wieder nähern wollten. 8er hatte ja schon Erfahrungen in Form von körperlichem Schmerz mit den kleinen, aggressiven Biestern. Also blieb uns nichts anderes übrig, als mit Vollschutz wie Helm und Jacke aufs Gerät zu steigen und weg. Leichte Panik trat nur auf, als ich merkte, dass sich eine der Wespen auf meiner Seite des Visieres befand. Auf nen dicken Riechkolben hatte ich dann doch keinen Bock (also noch dicker als sonst meine ich).

Weiter geht es mit der Begegnung Marke „offenes Visier“, also Jethelm. Da gibt es die Betonköpfe und die Schleimer. Jeder Biker kennt sie. Schön sind die Schleimer, wenn sie am Brillenrand mit einem dumpfen „Blop“ zerschellen und dann geschmeidig Richtung Ohr fließen. Es bringt ein wenig Kühle in den Kopf. Die Betonköpfe hingegen verpassen dir einen Kinnhaken, so dass sich sogar ab und zu ein „Aua“ bei mir lößte. Auch auf der Wange hinterläßt so eine Libelle ihren schmerzhaften ökologischen Abdruck. Wenn man dann bei Ankunft den Helm abnimmt, fällt einem ab und zu sein Schwarzfahrer in den Schoß.

In unseren Unterkünften und vor allem im Freien sind die Genossen oft in der Überzahl. Dabei sind die Kakalaken noch die freundlicheren Genossen. Sie sind nicht aufdringlich, stören nicht wirklich und verschwinden, wenn man das Licht anmacht. So wie die Putzkolonne im Side-Hotel. „Angst“ hatten wir nur vor Bettwanzen. Haste die, haste ein Problem. Wenn ein Zimmer von denen befallen ist, riecht es dort süßlich und man sollte sich für die Flucht entscheiden. Spinnen, Ameisen und Ähnliches sind fast immer zu finden. Unangenehm wird es nur bei Nächten im Freien. Dort finden sie oft auch den Weg in den Schlafsack. 8er hatte die letzte Freiluft-Nacht so einige Gäste im Sack und fischte bis zum Morgen nach ihnen. Oder sie krabbeln im Dunkeln über unsere Gesichter. Morgens tauschen wir uns dann über den einen oder anderen Besuch aus.

Die Statistik sagt, daß jeder Mensch in seinem Leben ungewollt bis zu einem Kilo Insekten isst. Biker bestimmt mehr.

Verwundert hat uns auf der Reise, dass wir kaum Probleme mit Mücken hatten. Sie waren einfach kaum da. Dafür gab es aber massenweise stechende Fliegen. Die waren wirklich unangenehm.

Dann gibt es noch die interessanten Begegnungen. Gottesanbeterin, Stabheuschrecke oder für uns unbekannte Falter erregten unsere Aufmerksamkeit. Oft scheiterte der Versuch, sie in einem Bild zu fangen. So schnell sind wir dann auch nicht mehr.

Gute Nacht, Os8er