Tag 49…Heute Ruhetag

Nein… Ein wenig geht immer. Heute gehen wir es ruhiger an. Die Oser’s gehen schoppen, die Achter’s an den Strand. Jeder macht sein Ding. Gegen Nachmittag treffen wir uns, um in die Altstadt von Side zu fahren.

Besuch bei Ali.

Vor der Altstadt treffen wir noch auf Ali mit seinen Freunden. Nach herzlicher Begrüßung wurde gequatscht und Geschichten erzählt. Unsere Einladung musste die Bande leider ablehnen. Es ist noch Saison und sie hatten noch zu tun. Ali konnte auch aus seinem Laden nicht einfach so weg. So ziehen wir allein weiter.

Side Altstadt besteht gefühlt nur aus Restaurants, Läden und architektonische Überbleibsel aus der Frühzeit, die touristisch attraktiv restauriert und beleuchtet wurden. Am Hafen liegen wartend kleine Schiffe, die bereitwillig Touristen an der Küste entlang schippern. Zum Sonnenuntergang fing uns so ein Schiff mit einem unschlagbaren Preis ein. Für 5,00 € erlebten wir den Sonnenuntergang vom Wasser aus. Das hatte was. Eine Stunde ließen wir uns durchschaukeln, bis die Sonne untergegangen war.

In einem recht kleinen Lokal noch etwas essen und dann zurück ins Hotel. Bei Cocktails, Wein und Bier ließen wir den Abend ausklingen.

Special. Unschöne Dinge

Ja, so eine Reise ist kein reiner „gute Laune – Trip“. Da sind auch Bilder in unseren Köpfen gelandet, die wir kritisch sehen oder nicht einfach zu verarbeiten sind. Trotz allem sind sie wichtig für uns. Wir wollen die Menschen, die Mentalitäten, ihre Rituale, Religionen … einfach so viel wie möglich erfassen und verstehen. Vieles ist durch die „westliche Brille“ gesehen befremdlich. Legt man diese jedoch ab, kann man vieles nachvollziehen, wenn auch nicht unbedingt für gut heißen.

Vor gar nicht so langer Zeit in Deutschland gehörte die Hausschlachtung zu unserem Leben dazu. Da hatten die Hasen und Hühner noch keine Namen und jedes Kind wußte, wofür sie gehalten wurden. Schweine wurden mit den Essensresten gefüttert und später selbst zu welchen. Es war völlig normal für diese Zeit. In vielen Ländern unserer Reise ist das noch heute so. Der Blick auf die Tierwelt ist ein anderer als unser heutiger. Da wird auch mal nach Katzen und Hunden getreten… oder auf dem Dorfplatz geschlachtet.

Auch mit Müll gehen sie anders um. Alles wird einfach vor Ort fallen gelassen oder aus dem Autofenster entsorgt. Ist nicht schön und schwer zu ertragen. Leider wird es viel Zeit brauchen, bis ein Umdenken stattfindet. Doch es hat schon begonnen.

8er’s Gedanken.

Da ist der Jungbulle, der mit zerfleischten, blutenden Ohren und tiefen Wunden an den Genitalien, der langsam seiner Mutter auf der Strasse folgt. Er ist vermutlich von Wölfen oder wilden Hunden angefallen worden.

Umweltschutz:
Ein Thema für sich! Fazit vorweg: Viele Menschen versauen alles, wenige sind noch erträglich für ihr Umfeld! Überall sichtbar, der leidvolle Plastikmüll und oft auch die Gewässerverschmutzung. Veränderungen durch den Klimawandel, insbesondere der Wassermangel (extrem in der Region des Kaspischen Meeres) war schon dramatisch. Die gewaltigen Flächenbrände in Sibirien haben wir nur indirekt (Rauchwolken) gesehen.

Männer und Frauen… Hier gibt es deutliche Unterschiede, gerade in den islamisch geprägten Ländern, aber nicht nur dort… Frauen sind markant häufiger bei der Arbeit als Männer, die es sich gern unter Männern gemütlich machen.

Menschen… sind viel menschlicher und fast überall wirklich überwiegend gut! Die Freundlichkeit und uneigennützige Hilfsbereitschaft ist gerade dort, wo die Menschen wenig haben, oft unbeschreiblich. Es scheint einen direkten Zusammenhang zwischen materiellem Wohlstand und Egoismus zu geben. Oder andersrum, wer wenig hat, hilft gern, er hat auch die Zeit zu helfen, die denen natürlich fehlt, die ständig damit beschäftigt sind, ihre Reichtümer zu vermehren. Eins steht aber fest, wer viel hat, ist nicht zwangsläufig glücklicher. Zeit zu haben, ist das wahre Glück. Zeit im Elend ist damit nicht gemeint. Wer aber die Grundbedürfnisse befriedigen kann, sich mit wenigen Dingen, aber guten sozialen Kontakten zufrieden gibt, ist offensichtlich eher glücklich.

Es gibt aber auch innerhalb eines Landes deutliche Unterschiede! In Russland beispielsweise spürten wir in Sibirien im Altai diese melankolische Herzlichkeit von Mütterchen Russland. Im Westen nach Kalmueckien hingegen war es mehr eine gereizte, aggressive Grundstimmung, die sich insbesondere im Strassenverkehr gezeigt hatte.


Da ist aber auch der uralte, tiefgebeugte Mann in Buchara, dem völlig selbstverständlich von jungen Menschen geholfen wird, sein Ziel zu erreichen. Überhaupt ist der Respekt vor dem Alter fast in allen Ländern viel deutlicher spürbar, als bei uns in Deutschland.

Der Respekt gegenüber Tieren ist aber leider oft nicht vorhanden, mit Ausnahme der buddhistischen Regionen, in denen aber generell eine sehr große Würde und Erhabenheit spürbar ist. Hier hat man auch sofort immer ein sehr hohes Sicherheitsgefühl und kommt auch innerlich schnell zur Ruhe.

Gute Nacht, Os8er