Tag 57… Ende einer Reise

Wir wußten es doch alle … der Tag wird kommen. Heute ist unser letzter Tag der Reise. Leider mit unterschiedlichen Transportmitteln … getrennt, aber denn noch zusammen. Wir nehmen die letzten Kilometer in Angriff, ich mit dem Motorrad und 8er mit dem Flugzeug. Aber die Richtung ist immer noch die gleiche. Und schon wieder musste ich zusehen, wie 8er mich überholte. In Sachen Geschwindigkeit ist er einfach unschlagbar.

650 km liegen noch vor mir und die erste Herausforderung ist Prag. Ich habe mich voll verfranzt und stand mitten in der Stadt im Stau. Es hat etwas gedauert, bis ich mich aus den Klauen dieser riesigen Stadt befreien konnte. Irgendwann die Grenze zu Deutschland. Unglaublich, die letzte Grenze unserer Reise! Der Rest ist PillePalle. Dresden – Hildesheim … lächerlich! Das Zeitgefühl ist irgendwann weg. Mit starrem Blick auf die Bahn und max. Speed fühlte ich mich wie im Zeittunnel.

Ich habe es trotzdem nicht geschafft, 8er vom Flughafen abzuholen … er war ein paar Stunden schneller. Mein erster Weg führte direkt zu 8er. Abschlußkaffee und die letzten Stunden reflektiert. Dann geht es weiter Richtung „Hause“. Nach so einer Reise ist es echt schön, zu Hause anzukommen. Die letzte Kurve und dann kann ich es sehen. Ich freue mich auf meine Frau, auf meine Tochter, Eltern, Club… ich freue mich auf mein Zuhause! Ich freue mich auf mein Bett … denn da muss 8er nicht unter die Matratze schauen, ob es da kreucht und fleucht.

Jetzt bleibt uns nur noch „Danke“ zu sagen. Danke an Euch, die mitgefiebert haben … die uns mit Ratschlägen zur Seite standen … die in der Not immer ein offenes Ohr hatten und die, die ein Stück weit unsere Reise begleitet haben. Einen ganz besonderes Danke an 8er, der mir auf 15.000 km treu zur Seite stand und immer da war, sogar die letzten Stunden standen wir in jeder Pause in Kontakt.

So … das war es. Es folgen zeitnah noch einige Fotos und vieleicht gibt es ja bald einen neuen Block. 8er ließ schon durchblicken … Nordkorea. Na dann.

8er

Es ist vorbei, mein Zeitgefühl sagt mir, dass wir Monate unterwegs waren. Es wird schwer, wieder in den Alltag zu finden. Die Familie und Freunde werden dabei helfen. Ich war überwältigt, wieviele Menschen aus fast 40 Ländern an unserer Reise „teilgenommen“ haben. Manche auf so intensive Weise, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Ich bin auch stolz auf das, was wir geschafft haben.

Es gibt nun kaum einen Menschen, den ich besser kenne als meinen Freund Oser! Mit Niemanden würde und werde ich lieber auf eine lange Motorradtour gehen als mit ihm.

Ein ganz besonderer Dank gilt meiner Frau und meiner Familie, ohne ihre Unterstützung und Toleranz wäre diese Reise nicht möglich gewesen. Unsere Frauen haben uns ziehen lassen und dadurch einen Männertraum wahr werden lassen.

Wir werden wieder unterwegs sein! Erste Überlegung für mögliche Ziele: Hokkaido, Nordkorea, Iran …

Gute Nacht, Os8er

Tag 56… Abschied

Letzte Foto von uns heute morgen.

Jetzt ist der Augenblick, wo wir beide so gehofft haben, dass dieser niemals kommen wird. Wir werden uns trennen. Nach intensiven Gesprächen in der Nacht siegte die Vernunftsentscheidung. ADAC hat alles in die Wege geleitet und 8er wird die letzten Kilometer mit dem Flugzeug machen. Ich packe meine Sachen und habe da mal einen mächtigen Kloß im Hals. Auch 8er geht es nicht wirklich gut. Bei der Verabschiedung stand uns beiden das Wasser in den Augen. Als Trost bleibt: 1.500 km sind ein Katzensprung. Wir werden uns recht schnell wieder sehen.

8er ist auf dem Weg nach Bukarest und startet morgen seinen Flieger nach München… von da aus nach Hannover. Ich starte morgens um 7:30 Uhr und versuche, Strecke zu machen. Wäre doch echt cool wenn ich 8er morgen vom Flughafen abholen könnte. Ich komme gut durch und schaffe 850 km bevor mich der Regen erwischt. Zwischendurch immer mal ein Telefonat mit 8er… gegenseitige Statusabfrage. Wenn alles glatt läuf,t dürfte ich morgen in Heimat Hafen einlaufen.

8er

Jetzt ist der Augenblick gekommen, von dem wir gehofft haben, dass er nie eintreten würde … Wir müssen uns trennen..

Zu sehen, wie mein Oser allein weiterfährt, tut mehr als weh. Nach 8 Wochen intersivstem Erleben und Zusammenleben ist es, als würde plötzlich ein Bein ausgerissen, das allein sein ist schwer zu ertragen, aber es ist wie es ist. Merkwürdig, an unserem letzten gemeinsamen Fahrtag haben wir sehr bewusst jeden Augenblick genossen, sind in kleine Dörfer gefahren und haben dort Kleinigkeiten wie die Starenschwärme beobachtet und haben über das nahe Ende der Reise seniert. Als wenn wir geahnt hätten, dass es näher war, als es uns lieb sein konnte.

Es ist schon komisch, wenn der Rückspiegel leer bleibt … wenn beim Überholvorgang kein Achter am Arsche klebt… und wenn keiner da ist, der Hunger hat. Nun liege ich hier in einem riesen Hotelzimmer ganz alleine und knüppel den Text in mein Smartphone. Ganz ehrlich … mit weniger Spaß als sonst. Und keiner da, der mal schnell auf Rechtschreibfehler überprüft. (außer natürlich meine Grammatikfee Kerstin 😉).

Aber Morgen ist für uns beide „Ankunftstag“… und dann machen wir mal einen Sekt auf!… Auf den Abschluss einer Reise, den uns vielleicht nicht jeder zugetraut hat.

Gute Nacht, Os8er

Tag 55… Schluß mit lustig

Auf zur Grenze. Ca. 50 km noch zur Brücke und wir sind in Rumänien, das Wetter ist gut, aber weiterhin schweinekalt. Der Grenzübertritt wie für Europa üblich … absolut problemlos und schnell. Hallo Rumänien! Wir fahren durch kleine Dörfer, schöne Landschaften und langsam wird es auch wärmer.

Und plötzlich ist das alte Problem wieder da. 8er’s Karre ging einfach aus. Zum Glück wollten wir gerade Pause machen und 8er rollte geräuschlos auf den Parkplatz. Sein erster Satz: „Das war jetzt anders!“. Wir tauschten die Batterien aus und weiter geht es … doch leider nicht weit genug. Nach 10 km ist endgültig Schluss. Stotternd schaffe 8er es gerade noch in die nächste Ortschaft … genau vor einem Hotel. Auch wenn die Lichtmaschine aufgegeben hätte, mit einer vollen Batterie müsste 8er einige Kilometer machen können. Doch aus die Maus … Batterie ist komplett leer, keine Reaktion.

Dieses Mal hilft uns der ADAC und der war schnell zur Stelle. 8er’s Maschine wurde in die nächste Werkstatt verfrachtet. Für uns war das Naheliegendste der Regler. Wir hatten noch Hoffnung, dass schnell ein Regler besorgt werden kann. Am Abend der Anruf, der alles veränderte. Lichtmaschine, Regler und Batterie platt. Eine Reperatur so schnell nicht möglich, Teile müssen bestellt werden und sie sprachen von einer Woche. Schade, so kurz vor der Haustür ist unsere gemeinsame Reise zu Ende. Morgen werde ich mich allein auf den Weg machen und 8er wird die letzten Kilometer wohl fliegen müssen. Bei der ganzen Trauer ist uns aber auch klar, was für ein enormes Glück wird hatten. 15000 km durch traumhafte Länder. Das Ganze recht problemlos und mit verdammt viel Spaß. Tolle Erlebnisse und eine Freundschaft, die dadurch noch viel tiefer geht als je gedacht.

Wir haben den Kopf nicht hängen lassen und waren mal wieder unterwegs, die Ortschaft zu erkunden. Auf der anderen Seite des Sees bemerkten wir, wie weit es zurück ist. Kurzerhand sprach 8er einen Fischer an, der uns bereitwillig per Boot zurück zum Hotel brachte. Ein klassischer 8er ebend. Der Abend war denn doch etwas bleiern … Trennung lag in der Luft und dazu hatten wir beide überhaupt keinen Bock. Wir finden beide nur schwer in den Schlaf … morgen wird es anders sein als in den letzten 55 Tagen.

Gute Nacht, Os8er.

Tag 54… Busludsha

Es ist früh, es ist kalt, es ist Europa! Vor drei Tagen noch an die 30° C und jetzt fahren wir bei 7° C durch die dickste Nebelsuppe. Wir waren aber vorbereitet. Lange U-Hose, dicke Handschuhe und die dicksten Socken, die wir finden konnten … und es half. Wirklich kalt war uns nicht.

8er

Wind und wie, eigentlich mehr Sturm, seit 2 Tagen sind wir im Herbst, Styroporkisten von LKW Ladeflächen fallen vor uns auf die Strasse, brechen in unzählige Stücke, die uns dann entgegen kommen. Es ist wie bei Starwars, wenn ein Klingonenjäger abgeschossen wurde und nun die Trümmer umherfliegen … Windböen alle paar Sekunden, man gewöhnt sich dran und hat sogar Spaß, muss man zeitgleich auch noch Schlaglöchern ausweichen und Kurven fahren, wie heute zum UFO, hat man Riesenspass.

Busludsha ist unser Ziel. Das riesige Monument ist eine Ruine und ein Highlight für jeden „Lost Places“ Fan. Auf über 1600m liegt das 1981 für die kommunistische „Sozialdemokratische Arbeiterpartei Bulgariens“ gebaute „UFO“ und ist seit 1991 sich selbst überlassen. Es wirkt wirklich nicht wie von dieser Welt und ist riesig. Leider haben sie das Ding komplett verrammelt und wir konnten nur von außen Fotos machen. Aber egal … nur das „hier sein“ ist schon der Hammer!

Mittagessen in einer lustigen Runde. Wir sahen einen kleinen Imbis am Straßenrand. Angehalten und Aufmerksamkeit bekommen. Plötzlich fanden wir uns in einer Truppe gut gelaunter Herren wieder. Sie waren alle schon mächtig angetrunken und amüsierten sich über die „German Rocker“, die mit Stulle und Milch zwischen ihnen saßen. Wir haben viel gelacht. Es wurde ACDC gespielt und es wurden Fotos gemacht. Es herrschte eine lockere Stimmung.

Weiter geht es Richtung Donau. Ein heftiger Wind weht uns um die Nase und es gab auch mal einen kurzen Schauer. Die Donau ist gleichzeitig die Grenze zu Rumänien … und da wollen wir hin. Leider wurden wegen des Sturms die Fährverbindungen eingestellt. Eine Brücke ist noch in weiter Ferne und wir entschlossen uns, auf der Bulgarischen Seite der Donau zu nächtigen. Das Hotel war mal wieder unterste Kante. 8er hatte ein Bett Marke „Hängematte“ und musste improvisierten, damit überhaupt was ging. Es quitschte bei jeder Bewegung. Mein Bett war Marke „Brett“. Ach ja … warmes Wasser?… Mangelware. Aber wir waren froh, überhaupt was gefunden zu haben.

Gute Nacht, Os8er

Tag 53… Bulgarien

Die Nacht in unserem Hotel war heftig und kurz. Es war mitten in der Nach,t als wir merkten, wir sind nicht allein! Nein, kein „ES“ im Schrank oder „Chucky“ unter dem Bett … Es sind Mücken! Erst haben wir versucht, sie zu ignorieren, doch sie ignorierten uns nicht. Mehrfach zapfen sie uns an … tankten voll auf. Die Biester gaben keine Ruhe. Gegen drei Uhr riss uns der Geduldsfaden. Bei voller Beleuchtung und mit Handtüchern bewaffnet geht es jetzt auf die Jagd! Eine Stunde später klebten die Mückenreste mit unserer DNA an der Decke und wir hatten endlich unsere Ruhe.

Am Morgen erst einmal eine Dusche … dachten wir. Auf kalt hatten wir so gar keinen Bock. Ok … „stinkig“ noch zum Frühstück und los. Jetzt geht’s erstmal weiter nach Canakkale auf die Fähre. Wir verlassen nach nun fast 8 Wochen Asien und betreten den europäischen Teil der Türkei. Eigentlich keine große Sache, doch kurz kommt das Gefühl auf, es geht Richtung Reiseende. Doch das war nur kurz … wir sind noch mitten drin! Angekommen in Europa führt eine kleine Straße entlang des Bosporus … und langsam Richtung Bulgarien.

An der Grenze fahren wir erneut an einem Kilometer langen LKW-Stau vorbei. Die Grenze war für uns problemlos … „machen Sie bitte mal die Koffer auf“ und der Grenzübertritt ist geschafft. Tschüss Türkei! … Hallo EU! Wir sind wieder da.

In Bulgarien begrüßt uns erst einmal ein alter Bunker und ein verlassenes Dorf. Was für ein erster Eindruck. Aber so soll es nicht bleiben. Landschaftlich, wie so oft auf unserer Reise, völlig anders als die Türkei. In Bulgarien sind noch Wälder, wo in der Türkei nur noch Steppe ist.

Viele Kilometer sind heute auf der Uhr gelandet und wir sind uns einig. Für heute reicht es. Wir suchen ein Hotel, endlich mal kein skurriles Hotel, sondern eine schöne kleine Bleibe, mitten in Jambol.

8er

Krankheiten, Unfälle, technische Probleme, Defekte, Motorschäden, Verhaftungen, Ausrauben, Willkür…
Für all das haben wir ca. 8-10 Tage Puffer eingeplant. Gebraucht haben wir bisher 1 Tag (Salmonellen mit Migräne in Chiva bei mir). Gesundheitlich nerven uns beide unsere Schmerzen in der rechten Schulter (ich weiß wenigstens woher es kommt, hatte einen Fahrradsturz vor der Reise, da muss wohl Jens Becker mit seinem Skalpell mal irgendwann ran!). Ansonsten bisher gar nichts … Nicht mal ein Ticket für’s Rasen

Die intensive Vorbereitung im Elan wird sicher zu unserer guten körperlichen Verfassung beigetragen haben.

Gute Nacht, Os8er

Tag 52… Das Treffen in Gaziemir

8er

Heute war ich zu Besuch beim Bürgermeister Arda und seiner Frau. Wir hatten ein sehr ergiebiges Arbeitstreffen, bei dem es um den Park der Sinne in Laatzen ging, den ich verwalte.

In Gaziemir soll auch ein Park der Sinne entstehen. Ein junges tolles Team hatte mich dort empfangen. In Gaziemir und Izmir regiert wie in vielen Großstädten der Türkei die CHP (Opposition zur AFP Erdorans)

Das vom Bürgermeister-Team organisierte Hotel ließ keine Wünsche offen. Mit Spa, Pool und Restaurant wurden uns alle Wünsche erfüllt. Nach 8er’s Termin starteten wir erneut durch. Bis wir Ismir hinter uns gelassen haben, dauerte etwas. Die Stadt ist riesig. Heute macht uns das erste Mal auf unserer Reise das Wetter Sorgen.

Und tatsächlich… Es wurde immer dunkler am Horizont. Als wir vor der schwarzen Wand standen, entschlossen wir uns vorsichtshalber für unsere Regenklamotten. Wir steuerten eine verlassene Tankstelle an und das war unser Glück. Keine 5 Minuten später schüttete es sich über uns aus. Da standen wir Gummimännchen im Trockenen und konnten uns nicht überwinden, in das Unwetter zu fahren. Blitze, Donner und Massen von Wasser. Wir spielten sogar mit dem Gedanken, an der Tanke unsere Schlafsäcke auszurollen. Doch da!… es passiert etwas am Himmel. Ein Wolkenloch kommt direkt auf uns zu. In 20 km wäre ein Hotel und wir nutzten die Chance. Und was soll ich sagen… bei nassen Straßen aber ohne Wasser von oben erreichten wir fast trocken unser Hotel.

Und da ist es wieder… unser „Skurillo Hotel“. Wir haben echt ein Talent, solche Hotels zu finden. Es ist riesig und erneut sind wir hier allein. Schön gelegen … direkt am Meer mit Pool und Balkon. Dann der zweite Blick. Es ist völlig abgerockt. Wasser im Pool ist Grün, alles rostet und braucht mehr als nur etwas Farbe. Aber es ist schön ruhig hier… bis auf undefinierbare Klopfgeräusche und den pfeiffenden Wind vom nahenden Sturm. Auf den langen Fluren gibt es kaum Licht und ich machte fast eine „drei Stufen Pirelle“ mit finalem Bauchklatscher. Unser Zimmer ist gaaanz hinten und es dauert etwas, bis wir da sind. Es ist hier wie auf dem Mond … keine Lebensform hier. Also hier gibt es „Gruse 2.0“. Ach ja … vor unserem Zimmer in der Ecke steht noch ein gebrauchtes Kinderbett … Perfekt!

Kleiner Spaziergang noch durch das Dorf Güzelyali. Hier ist nix los. Es ist ursprünglich und es gibt tolle Ecken zum Fotografieren. Bei Nacht hat es eine mystische Ausstrahlung. Am Strand liegen viele kleine Boote. Auf der anderen Seite tobt das Unwetter mit Dauerblitzen und hier können wir die Sterne sehen. Ein unglaublicher Anblick. Den Abend sitzen wir noch auf dem Balkon und schauen dem Naturphänomen zu. Langsam kommt das Grollen des Donners näher. Der skurrile Gesamtmix aus allem macht ein unbeschreibliches Gefühl. Eine Mischung aus Grusel und Faszination.

Gute Nacht, Os8er

Tag 51… Abschied Side und 515 km

Heute ist es soweit, heute geht es weiter und wir nehmen Abschied von Side und unseren Frauen, „All inclusive“, alles auf einmal wieder vorbei. Das „Zauberbändchen“ wird ab jetzt durch den originären Geldschein abgelöst und im Bett nebenan schläft wieder Testosteron.

Auch wenn es nur noch wenige Wochen bis nach Hause sind, Abschied ist immer doof. Die Moped sind gepackt, die Jacken angezogen und eine letzte Umarmung mit den Liebsten. Wehmütig lassen wir die Frauen noch 2 Tage für sich in Side zurück.

Die Straße hat uns wieder. Über 500 km geht’s Richtung Izmir. Der Weg ist gut und wir fahren durch eine wunderschöne Bergwelt. Durch unsere sportliche Fahrweise schaffen wir die Strecke in 7 Stunden.

Wie gestern schon erwähnt sind wir auf Einladung des Bürgermeisters von Gazimier/Izmir hier. Großzügig wurde uns ein Hotelzimmer mit allem drum und dran zur Verfügung gestellt. Abends gabs noch eine kleine Stadtführung und eine Vorbereitung auf das Arbeitsgespräch morgen mit Jasemin … einer super netten Mitarbeiterin aus dem Bürgermeisterbüro. Wir besichtigten den ältesten Fahrstuhl in Izmir (von 1907) und plauderten in einem Straßencafe unverkrampft über Hobbys, Familie und Deutschland. Alles in allem ein rundes Paket. Nach den 500 km trieben wir es den Abend nicht zu lange.

Im Hotel noch ein zünftiges Abendessen und dann war auch Schluss für uns. Recht erschöpft holt uns die Nacht schnell ein. Morgen trifft sich 8er mit dem Bürgermeister, seiner Frau und einigen Mitarbeitern. Ich nutze die Zeit, um mal richtig auszuschlafen.

Gute Nacht, Os8er

Tag 50… Morgen geht es weiter

Unser letzter Tag im Touriland. Morgen geht es wieder in den Reisemodus! Wir werden wohl über 500 km abreißen und uns nach Gazimier/Izmir machen. Dort hat 8er noch ein Treffen mit dem Bürgermeister. Der hat uns schon ein Hotelzimmer gebucht und für den Folgetag zum Frühstück eingeladen.

Na dann… schauen wir doch mal in die Koffer nach relativ nutzbaren Klamotten… ich muss einkaufen. Die Klamotten haben auf der Reise echt gelitten. Chris nutzte die Gelegenheit, unseren Gewürzschrank aufzufüllen und schnupperte sich durch die Läden.

Jetzt geht es aber zum Strand runter. 8er und Kerstin sind schon da und lassen es sich gut gehen. Den letzten Tag werden wir uns das noch einmal geben und unsere „Zauberbändchen“ sollen noch einmal zeigen, was sie drauf haben. Mittagessen am Strand und das Abendessen im Hotel.

Und erneut wird es später als gedacht. Mit Cocktails, Bier und Weinschorle sind wir schnell im Diskutiermodus und die Zeit rennt. Die Os8er Crew verläßt etwas früher die Runde. Während Kerstin und Chris noch bis in die Nacht quatschen, sind wir schon am packen und bereiten die Karren für den morgigen Trip vor.

Gute Nacht, Os8er.

Tag 49…Heute Ruhetag

Nein… Ein wenig geht immer. Heute gehen wir es ruhiger an. Die Oser’s gehen schoppen, die Achter’s an den Strand. Jeder macht sein Ding. Gegen Nachmittag treffen wir uns, um in die Altstadt von Side zu fahren.

Besuch bei Ali.

Vor der Altstadt treffen wir noch auf Ali mit seinen Freunden. Nach herzlicher Begrüßung wurde gequatscht und Geschichten erzählt. Unsere Einladung musste die Bande leider ablehnen. Es ist noch Saison und sie hatten noch zu tun. Ali konnte auch aus seinem Laden nicht einfach so weg. So ziehen wir allein weiter.

Side Altstadt besteht gefühlt nur aus Restaurants, Läden und architektonische Überbleibsel aus der Frühzeit, die touristisch attraktiv restauriert und beleuchtet wurden. Am Hafen liegen wartend kleine Schiffe, die bereitwillig Touristen an der Küste entlang schippern. Zum Sonnenuntergang fing uns so ein Schiff mit einem unschlagbaren Preis ein. Für 5,00 € erlebten wir den Sonnenuntergang vom Wasser aus. Das hatte was. Eine Stunde ließen wir uns durchschaukeln, bis die Sonne untergegangen war.

In einem recht kleinen Lokal noch etwas essen und dann zurück ins Hotel. Bei Cocktails, Wein und Bier ließen wir den Abend ausklingen.

Special. Unschöne Dinge

Ja, so eine Reise ist kein reiner „gute Laune – Trip“. Da sind auch Bilder in unseren Köpfen gelandet, die wir kritisch sehen oder nicht einfach zu verarbeiten sind. Trotz allem sind sie wichtig für uns. Wir wollen die Menschen, die Mentalitäten, ihre Rituale, Religionen … einfach so viel wie möglich erfassen und verstehen. Vieles ist durch die „westliche Brille“ gesehen befremdlich. Legt man diese jedoch ab, kann man vieles nachvollziehen, wenn auch nicht unbedingt für gut heißen.

Vor gar nicht so langer Zeit in Deutschland gehörte die Hausschlachtung zu unserem Leben dazu. Da hatten die Hasen und Hühner noch keine Namen und jedes Kind wußte, wofür sie gehalten wurden. Schweine wurden mit den Essensresten gefüttert und später selbst zu welchen. Es war völlig normal für diese Zeit. In vielen Ländern unserer Reise ist das noch heute so. Der Blick auf die Tierwelt ist ein anderer als unser heutiger. Da wird auch mal nach Katzen und Hunden getreten… oder auf dem Dorfplatz geschlachtet.

Auch mit Müll gehen sie anders um. Alles wird einfach vor Ort fallen gelassen oder aus dem Autofenster entsorgt. Ist nicht schön und schwer zu ertragen. Leider wird es viel Zeit brauchen, bis ein Umdenken stattfindet. Doch es hat schon begonnen.

8er’s Gedanken.

Da ist der Jungbulle, der mit zerfleischten, blutenden Ohren und tiefen Wunden an den Genitalien, der langsam seiner Mutter auf der Strasse folgt. Er ist vermutlich von Wölfen oder wilden Hunden angefallen worden.

Umweltschutz:
Ein Thema für sich! Fazit vorweg: Viele Menschen versauen alles, wenige sind noch erträglich für ihr Umfeld! Überall sichtbar, der leidvolle Plastikmüll und oft auch die Gewässerverschmutzung. Veränderungen durch den Klimawandel, insbesondere der Wassermangel (extrem in der Region des Kaspischen Meeres) war schon dramatisch. Die gewaltigen Flächenbrände in Sibirien haben wir nur indirekt (Rauchwolken) gesehen.

Männer und Frauen… Hier gibt es deutliche Unterschiede, gerade in den islamisch geprägten Ländern, aber nicht nur dort… Frauen sind markant häufiger bei der Arbeit als Männer, die es sich gern unter Männern gemütlich machen.

Menschen… sind viel menschlicher und fast überall wirklich überwiegend gut! Die Freundlichkeit und uneigennützige Hilfsbereitschaft ist gerade dort, wo die Menschen wenig haben, oft unbeschreiblich. Es scheint einen direkten Zusammenhang zwischen materiellem Wohlstand und Egoismus zu geben. Oder andersrum, wer wenig hat, hilft gern, er hat auch die Zeit zu helfen, die denen natürlich fehlt, die ständig damit beschäftigt sind, ihre Reichtümer zu vermehren. Eins steht aber fest, wer viel hat, ist nicht zwangsläufig glücklicher. Zeit zu haben, ist das wahre Glück. Zeit im Elend ist damit nicht gemeint. Wer aber die Grundbedürfnisse befriedigen kann, sich mit wenigen Dingen, aber guten sozialen Kontakten zufrieden gibt, ist offensichtlich eher glücklich.

Es gibt aber auch innerhalb eines Landes deutliche Unterschiede! In Russland beispielsweise spürten wir in Sibirien im Altai diese melankolische Herzlichkeit von Mütterchen Russland. Im Westen nach Kalmueckien hingegen war es mehr eine gereizte, aggressive Grundstimmung, die sich insbesondere im Strassenverkehr gezeigt hatte.


Da ist aber auch der uralte, tiefgebeugte Mann in Buchara, dem völlig selbstverständlich von jungen Menschen geholfen wird, sein Ziel zu erreichen. Überhaupt ist der Respekt vor dem Alter fast in allen Ländern viel deutlicher spürbar, als bei uns in Deutschland.

Der Respekt gegenüber Tieren ist aber leider oft nicht vorhanden, mit Ausnahme der buddhistischen Regionen, in denen aber generell eine sehr große Würde und Erhabenheit spürbar ist. Hier hat man auch sofort immer ein sehr hohes Sicherheitsgefühl und kommt auch innerlich schnell zur Ruhe.

Gute Nacht, Os8er

Tag 48… Ausflug

Auf zur erneuten „Schlacht“ am Frühstücksbüffet … dieses Mal mit Unterstützung. Der Wechsel von einer Reise zu einem All Inclusive Urlaub ist schon eine Herausforderung. Dann noch von einem Zweier- zum Viererteam ist eine 180 Grad Wendung. Ich will nicht sagen, dass 8er und ich in den 7 Wochen nicht kommuniziert hätten, jedoch beschränkte sich die Kommunikation auf die motorradfreie Zeit und da kommunizierten wir hauptsächlich im „Reisemodus“.

Plötzlich ist alles anders. 8er wurde durch Chris ausgetauscht, ich durch Kerstin. Viele Menschen sind um uns herum und quatschen durcheinander. Die Prioritäten haben sich verschoben. Hier wird kommuniziert … und zwar viel. Es dauerte ein wenig, bis ich mich darauf eingestellt hatte und es passiert immer noch, daß ich in alte Verhaltensmuster zurück rutsche. Nur nachdenklich und still zu sein, ist in vielen Situationen nicht angebracht. 8er hatte durchaus ähnliche Probleme … konnte sich jedoch schneller auf die neue Situation einstellen. Oft reflektieren wir vergangene Situationen, grinsen uns an und haben unsere „Insider“.

Aber wir sind im „jetzt“ und da sind wir froh, unsere Frauen hier zu haben. Sie haben ein offenes Ohr für unsere Geschichten und bringen enorm viel Frische rein. Auch die körperlichen Kontakte sind wesentlich anders als mit 8er, der mit Glück beim Umdrehen im Schlaf mal an meiner Axel riechen durfte. Wir haben sie doch mehr vermisst als vorher gedacht und genießen die Zeit mit ihnen. Langsam werde ich auch wieder gesellschaftsfähig.

Danke an euch beide, dass ihr die Reise und uns so unterstützt habt! Ihr seid schon was Besonderes, das ist nicht selbstverständlich! Dafür lieben wir Euch beide.

Genug Gefühlsduselei. Heute wollen wir raus. Die Mädels haben ihre Helme mit und die wollen genutzt werden. Das Ziel … ein kleiner Stausee im Hinterland. Leicht bekleidet und dementsprechend gemütlich tuckern wir durch die Landschaft. Es ist schön, wieder unterwegs zu sein und dabei auch noch eine feste Umarmung von hinten zu bekommen. Den Stausee scheint hier keiner auf seiner Karte zu haben. Wir finden ein Cafe direkt am Wasser und sind dort allein. Zeit nur für uns und fernab des Trubels. Stille, Natur und unsere Frauen. Schön war es und endlich mal Zeit zu horchen, was so zu Hause abging.

Zurück gehen wir noch zum Strand runter. Es war schon etwas später und nicht mehr viel los. Langsam lernen wir den Zeitplan der anderen „Touris“ kennen und stellen uns darauf ein. Ein Gang ins Wasser, ab auf die Liegen, ein Bier. Ja, doch, so kann man es aushalten. Nach dem Abendessen noch ab durch das „Vergnügungsviertel“. Schoppingbuden ohne Ende. Alle buhlen um uns … wollen uns locken. Menschen vollbeladen mit Tüten und Taschen kommen uns entgegen. Dauer SSV… alle im Kaufrausch. Wir beobachten das Treiben und finden vieles zum Schmunzeln.

Insektenspecial

Insekten?… echt jetzt? Ja… echt.

Wenn es treue Begleiter auf unserer Reise gibt, dann sind es die Insekten. Es gibt eigentlich drei Kategorien auf unserer Reise. Die Begegnungen, wenn wir ruhen, die Begegnungen, wenn wir fahren und die Exoten.

Nach einer Fahrt können wir viele Begegnungen auf unseren Visieren und an den Verkleidungen betrachten. Es gleicht einem Schlachtfeld der Straße. Trotz Licht und Hupe krachen so einige Brummer bei uns ein. Interessanterweise interessierten sich bei der einen oder anderen Pause viele Wespen für diesen Eiweißmix. Teilweise belagerten Dutzende von ihnen das Motorrad und knabberten die Reste der Verunfallteten ab. Leider fanden sie es gar nicht lustig, wenn wir uns den Mopeds wieder nähern wollten. 8er hatte ja schon Erfahrungen in Form von körperlichem Schmerz mit den kleinen, aggressiven Biestern. Also blieb uns nichts anderes übrig, als mit Vollschutz wie Helm und Jacke aufs Gerät zu steigen und weg. Leichte Panik trat nur auf, als ich merkte, dass sich eine der Wespen auf meiner Seite des Visieres befand. Auf nen dicken Riechkolben hatte ich dann doch keinen Bock (also noch dicker als sonst meine ich).

Weiter geht es mit der Begegnung Marke „offenes Visier“, also Jethelm. Da gibt es die Betonköpfe und die Schleimer. Jeder Biker kennt sie. Schön sind die Schleimer, wenn sie am Brillenrand mit einem dumpfen „Blop“ zerschellen und dann geschmeidig Richtung Ohr fließen. Es bringt ein wenig Kühle in den Kopf. Die Betonköpfe hingegen verpassen dir einen Kinnhaken, so dass sich sogar ab und zu ein „Aua“ bei mir lößte. Auch auf der Wange hinterläßt so eine Libelle ihren schmerzhaften ökologischen Abdruck. Wenn man dann bei Ankunft den Helm abnimmt, fällt einem ab und zu sein Schwarzfahrer in den Schoß.

In unseren Unterkünften und vor allem im Freien sind die Genossen oft in der Überzahl. Dabei sind die Kakalaken noch die freundlicheren Genossen. Sie sind nicht aufdringlich, stören nicht wirklich und verschwinden, wenn man das Licht anmacht. So wie die Putzkolonne im Side-Hotel. „Angst“ hatten wir nur vor Bettwanzen. Haste die, haste ein Problem. Wenn ein Zimmer von denen befallen ist, riecht es dort süßlich und man sollte sich für die Flucht entscheiden. Spinnen, Ameisen und Ähnliches sind fast immer zu finden. Unangenehm wird es nur bei Nächten im Freien. Dort finden sie oft auch den Weg in den Schlafsack. 8er hatte die letzte Freiluft-Nacht so einige Gäste im Sack und fischte bis zum Morgen nach ihnen. Oder sie krabbeln im Dunkeln über unsere Gesichter. Morgens tauschen wir uns dann über den einen oder anderen Besuch aus.

Die Statistik sagt, daß jeder Mensch in seinem Leben ungewollt bis zu einem Kilo Insekten isst. Biker bestimmt mehr.

Verwundert hat uns auf der Reise, dass wir kaum Probleme mit Mücken hatten. Sie waren einfach kaum da. Dafür gab es aber massenweise stechende Fliegen. Die waren wirklich unangenehm.

Dann gibt es noch die interessanten Begegnungen. Gottesanbeterin, Stabheuschrecke oder für uns unbekannte Falter erregten unsere Aufmerksamkeit. Oft scheiterte der Versuch, sie in einem Bild zu fangen. So schnell sind wir dann auch nicht mehr.

Gute Nacht, Os8er

Tag 47… Schatzsuche

Am Morgen brummte noch ein wenig der Kopf. Gestern Abend schmeckten die Cocktails etwas zu gut. Aber der neue Tag ruft (und 8er, der Frühaufsteher). Während ich noch mit den „Demonen der Nacht“ kämpfte, hatte 8er schon seinen Strandspaziergang hinter sich.

Sonne satt und Temperaturen um die 30°C erwarten uns heute. Und wir? … Wir erwarten heute unsere Schätzchen. Der Flieger sollte so um 7:00 Uhr in Antalya landen. Dann noch das Gepäck und der Transfer… also rechne, rechne… zwischen 9.00 – 10:00 Uhr müssten sie eintrudeln. Nein! Der Flieger hat Verspätung! Also nix mit „rechnerechne“… Ankunft ungewiss.

Ok … Frühstück ist angesagt. Ja, riesen Büffet wie gestern und überschaubare Gäste. Erneut einmal bitte von allem! Auch wenn man von allem nur ein bißchen nimmt, braucht man 3 Teller. Mit vollem Bauch robben wir erstmal auf den heißen Stein… „Hamam“. „Hamam“ ist ein Dampfbad mit viel Wasser und einem großen heißen Stein zum Drauflegen in der Mitte. Ein wenig wie beim Chinamann die Warmhalteplatten. Die Wärme zieht von unten durch den Körper, bis man gar ist. Total entspannt erst nochmal einen Kaffee. Der Blick auf die Uhr … hmm, 10:00 Uhr und noch keiner da. Also nochmal in die Lobby. What’s App und Emails checken … warten … und checken. Und plötzlich waren sie da. Große Wiedersehensfreude nach langen 7 Wochen.

Erstmal runterkommen und Ruhe einkehren lassen. Es gibt viel zu erzählen und so verging auch der Nachmittag im Fluge. Nachdem etwas Ruhe eingekehrt ist, die Mädels die Zimmer bezogen haben, gehen wir zu dem Strand … oder das, was sie hier so nennen. Überdachte Liegeplätze bis fast ins Wasser. Dazwischen kleine Wege und vorne kann man sich mit dem „Zauberband“ verköstigen.

Also … Chillen, Wasser, ein Bier, Chillen, Wasser… usw. Kann man machen, muß man aber auch nicht. Stunde reicht. 8er, Kerstin und Chris haben sich einen guten Deal bei der Massage ausgehandelt und ich gehe zurück ins Hotel, muß noch den Block machen.

8er’s Anmerkung zu den Heidenau’s

Unsere HEIDENAU SCAUT sind wirklich unglaublich, nach den langen geradeaus Strecken kommt man trotzdem ums Eck, aber das Beste, sie halten unglaublich viel aus und sind wahre km Meister! Wir werden wohl nach ca. 17.000 km Tour zu Hause sein (wenn alles klappt) und vermutlich werden sie auch dann noch gesetzeskonformes Profil haben. Schaut mal, so sehen sie jetzt nach über 13.000 km aus:

Gute Nacht, Os8er

Tag 46… Side, wir kommen

Eine geile Sternennacht geht zu Ende… und wir sind trocken!.. also trocken in Form von nicht nass. Bei so einer Nacht ohne Zelt und direkt am See haben wir fest mit einem feuchten, wenn nicht sogar nassen Morgen gerechnet. Aber nein.. keine Spur von Tau, kein Regen. Das war mal ne Überraschung. Wir waren schon früh wach… (8er wie immer früher) und erlebten einen Klasse Sonnenaufgang. In aller Ruhe packten wir unsere Klamotten, dann geht es auf die Piste, die letzten 150km bis Side. Kleine Straßen wechseln sich mit autobahnänlichen Abschnitten ab. Überall nix los… die Straße ist unsere.

Frühstück. Ja.. Wir wollen Frühstücken. Also abgebogen in ein kleines Dorf am Rande unseres Weges. Wir finden den kleinen Dorfshop oder Cafe oder so in der Mitte des Dorfes. Vor dem Cafe sitzen, wie so oft in der Türkei, eine Gruppe von Männern. Sie trinken Tee beschäftigen sich mit Brettspielen. Wir stoppen direkt davor, parken unsere Bikes und sofort werden wir freundlich begrüßt. Die Männer waren alle schon etwas in die Jahre gekommen. Hauptsächlich leben sie hier in den Bergen von Viehzucht und Ackerbau und danach sahen sie auch aus. Schnell saßen wir mitten unter ihnen bei Tee und Kuchen. Sie hatten viele Fragen zu den Moppeds, uns und Deutschland. Nach einer Weile lößten wir uns von dem Club der alten Männer. Freundlich wurden wir mit „winkwinke“ und „Güle Güle“ (tschüß) verabschiedet.

Der Weg nach Side führt durch traumhafte Landschaften. Ich hätte nicht gedacht das es kurz vor Side so eine einsame wilde Welt gibt. Hohe Berge, kleine Straßen, Kiefernwälder. 8er kannte sich hier aus und zeigte mir die schönsten Stellen. Wir kamen kaum voran… Fotostops waren an der Tagesordnung. Dann noch einige Pausen. .. wollen ja nicht schon morgens im Hotel ankommen.

Bevor wir zum Hotel fahren besuchen wir erst einmal einmal Ali. Ali ist ein guter Freund von 8er und er hat uns angeboten die Moppeds zu Warten. Alles nicht nötig Ali… die Dinger laufen wie die Wutz. Ali erzählte noch von einen MC Treffen in Antalya.. das müssen wir erst einmal schauen ob wir das noch rein bekommen. Nun aber zum Hotel und da sind wir! Angekommen im absoluten Tourismus. Man spricht hier deutsch… man zahlt hier in Euro. Im Hotel müssten wir dann doch auf das Zimmer warten. Wir gehen also erst einmal Essen. In voller Biker Montour stehen wir am Büffet und da werde ich zum ersten Mal angesprochen. „Tschuldigung… Sind sie Arbeiter?“ Wie bitte? „Ja… sie sehen aus wie von einer Ölplattform oder so.“ hmm.. hier fallen Männer mit schweren Stiefeln und Schirmmütze zwischen den Bikini Girls auf. Egal wo wir uns auf der Reise befinden… wir sind Außenseiter! Wilkommen in der All inclusive Touriwelt von Side.

Auch mit den Moppeds wurden wir öfter gefragt, wie lange man wohl bräuchte von Deutschland in die Türkei. Keine Ahnung… woher sollen wir das wissen! Die Gesichter der Leute könnt ihr euch vorstellen, als wir die Mongolei ins Spiel brachten. Mongolei?… wie jetzt?

Eine Gang über das Hotel-Areal und zum Strand läßt erahnen, auf was wir uns hier einlassen haben… und jetzt liegt es an uns uns darauf einlassen zu wollen.

All Inklusive. Das ist mal was. Uns erwartete ungewohnter Service und ungeahnte Vielfalt am Büffet. Wir waren etwas überfordert mit dem Angebot. In der Vergangenheit war die eingeschränkte Auswahl Standart.(wenn es eine Auswahl gab.) Also… einmal durch Büffet gefräst und danach an die Bar. Was so ein Bändchen am Handgelenk alles möglich macht! So voll war ich auf der ganzen Tour nicht. Nach den 4. oder 5. Drink und gute Gespräche mit 8er war dann auch Schluss… und langsam kam das andere Voll auch dazu. Zufrieden und voller Vorfreude auf unsere Frauen lassen wir uns ins Bett fallen.

Na dann gute Nacht, Os8er.

Tag 45… Auf dem Weg nach Side

Ja … Side ist unser Ziel. Wir werden, wenn alles gut geht, morgen dort ankommen. Am Sonntag beginnen dann 4 Tage absoluter Touriterror für uns. Da wir das unmöglich allein aushalten könnnen, kommen unsere Frauen zur Unterstützung dazu. Wir freuen uns riesig auf das Wiedersehen. Sieben Wochen sind eine lange Zeit … und eine so lange Trennung von den Liebsten hatten  wir noch nie vor dieser Reise. Wir freuen uns auf euch, Kerstin und Chris!

Aber noch ist es nicht soweit. Heute Morgen in der Früh konnten wir nochmals das Spektakel von gestern genießen. Wir waren natürlich vorbereitet auf das Ballongeschwader und genossen es in vollen Zügen. Nach dem sehr guten Frühstück mit den Lampions im Hintergrund verlassen wir das „Anatolia Cave“ und machen uns auf den Weg. Für jeden, der mal nach Kappadokien möchte, das „Anatolia Cave“ können wir wärmstens empfehlen.

Unterwegs in einem kleinen Dorf … Pause.

Nach der Unterkunft in Kappadokien wollen wir endlich mal wieder eine Nacht unter freiem Himmel. Bei der Suche nach einem geeigneten Ort stießen wir auf den See „Beysehir Gölü“. Er liegt auf dem Weg und macht auf der Karte einen guten Eindruck. Die 300 km sind wir geflogen und wir hatten noch genügend Zeit für die Suche nach einer geeigneten Ruheoase. Der See war riesig und kaum ein Mensch verirrte sich in diese Gegend. Türkises Wasser, die Ufer voller Fichten. Wir stellten die Mopeds ab und das Erste, was wir machten ist uns auszuziehen … ab ins Wasser. Alles andere hat Zeit. Es ist einfach geil nach 300 km in Stiefeln und dicker Jacke, sich in den See zu stürzen.

Später noch das obligatorische Lagerfeuer mit einen Pott Kaffee drauf. Ein Zelt?… Nö, das geht ohne. Morgen werden wir bestimmt nass vom Tau sein, aber die Sonne geht an der richtigen Stelle auf, die wird das schon richten. Wir liegen in den Schlafsäcken, schauen in die Sterne. Keiner sagt ein Ton und Wlan ist für uns unerreichbar, die Gedanken haben freien Lauf … Klasse. Kein Mond, kein Lärm, nur ab und zu hören wir die Fische springen. Dieser Luxus ist in unserer Welt selten geworden. Irgendwann war ich dann auch weg.

8er

Nachts aufwachen, was für irre Geräusche, die Milchstraße so hell, alles ohne Mond, ein Nachtreiher ruft, Zugrufe von 12 Vogelarten, Oser kommt zurück von der Sternhimmelfotografie…. Was für eine tolle trockene Nacht.

Freiheit! … Freiheit ist wenn man sich am Lagerfeuer die Zehnägel schneidet und es einem egal ist, wohin die „Halbmonde“ springen.

Gute Nacht, Os8er!

Tag 44… Jetzt kommt ein Ballon

Okay … wir wussten, das Kappadokien für seine Ballonfahrten bekannt ist. Wir hatten auch die Hoffnung 4, 5 oder sogar 10 Heißluftballons zu sehen. Es ist mitten in der Woche und Nebensaison … nicht wirklich viel los hier. Viele Orte in den Bergen waren menschenlehr und an den „Hotspots“ sammelten sich nur wenige Touristen. Also kein Vergleich zur Hauptsaison. Wenn die Ballons steigen, dann zum Sonnenaufgang. Diese Info hatten wir. 8er, mein persönlicher Frühaufsteher scharrte schon gefühlt mitten in der Nacht mit den Hufen. „Wie spät haben wir es denn?“. „6:00 Uhr… wollen wir mal gucken?“.“ 8er… geh gucken, wenn was sein sollte, kannst ja rufen“. 30 Sekunden später. „Oser… du solltest jetzt aufstehen!“. Wir stiegen auf die Terrasse und was uns da erwartete, ließ uns die Kinnlade auf die Knie fallen.

Mindestens 100 von den Dingern schweben vor unserer Nase! Damit haben wir nicht gerechnet! Mit einem Kaffee saßen wir auf der Terrasse und bekamen beide kein Wort raus. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und es steigen immer mehr auf. Wenn man da so steht und in den Himmel schaut, wirkt die Szenerie sowas von unreal, dass es einige Zeit benötigt, diesen Moment wirklich zu begreifen.

So … begriffen, verdaut und bereit für neue Schandtaten! Wir fahren heute raus in die Berge. Spärlich bekleidet (es wird warm) machen wir die Gegend unsicher. Wir müssen vorsichtig sein, die Nebenstraßen haben ihren Namen nicht verdient. Sie sind sandig und so bekleidet möchten wir keine nähere Bekanntschaft mit Kappadokiens Fundament machen.

Und da sind wir… mittendrin. Die Türme werden hier „Feenkamine“ genannt. Die ganze Landschaft könnte einem Märchen entsprungen sein … oder einem Fantasy Film. In einige dieser Formationen sind in der Bronzezeit Höhlen hineingerieben worden. Später diente diese Gegend den frühen Christen als Zufluchtsort. Es gibt zahlreiche Felsenkapellen und viele unterirdische Städte, bis zu 19 Stockwerke tief wurde gegraben und die Größte hatte wohl 60.000 Einwohner. Unvorstellbar!

Hinter jeder Ecke tut sich eine neue Landschaft auf. Zwischendurch kleine Weinstöcke oder Obstgärten. 8er habe ich eigentlich nur kauend erlebt. Das hat schon einen paradiesischen Charakter hier. Du greifst einfach nach rechts oder links und hast die süßeste Früchte in der Hand.

Und dann trafen wir Yonus. Wir waren auf dem Weg, einen schönen Sonnenuntergangsspot zu suchen, da sprach uns Yonus an … auf Deutsch. Er könne uns die schönsten Orte Kappadokiens zeigen und wir würden es nicht bereuen. 10 € sollte uns das wert sein. Dankend lehnen wir ab und gehen weiter den Berg hoch. Keine Ahnung wie er das gemacht hat, aber oben angekommen steht Yonus erneut da und nimmt Anlauf für einen zweiten Versuch. Dieses mal schmiss er das schönste Tal Kappadokiens in den Ring und dazu noch die älteste Felsenkapelle … 400 nach Christi! .. und alles für 10 €. Ob er uns überzeugt hatte oder es ein Mitleidsding war… wie es auch sei, kurze Zeit später saßen wir in seinem Wagen Richtung dem schönsten Tal der Welt.

Angekommen erzählte Yonus viel über sich und die Geschichte seiner Heimat. Yonus lebte bis zu seinem 13 Lebensjahr in Deutschland. Das erklärte sein gutes Deutsch. Seit über 30 Jahren macht er nun den Fremdenführer in Kappadokien und hatte ein unglaubliches Fachwissen. Er war gut in dem, was er tat, hatte richtig Humor und war auch ansonsten ein netter Mensch. Und er hatte Recht. Wir haben es nicht bereut. Es war ein schönes Tal mit toller Aussicht und einer Kapelle, die Gänsehaut hervorruft.

400 nach Christi!…das ist schon ne Nummer. Und wie fast immer waren wir dort allein. Um uns die Akustik zu demonstrieren, sang der Yonus gleich mal die Kurzfassung des Korans … und nochmal Gänsehaut! Wir unterhielten uns noch eine Weile über Glaube und den Koran, die Türkei und Politik. Insgesamt konnte der Tag nicht besser enden. Danke Yonus! Schön, dich getroffen zu haben.

8er

Unterwegs… Es sind die vielen kleinen Dinge, die passieren, meist ohne, dass sie je Erwähnung finden: Da rutscht der Oser plötzlich in einer Kurve über beide Räder zur Seite und versucht fussend einen Sturz zu vermeiden. Bevor ich die Situation deuten kann, befinde ich mich nach einem Bruchteil einer Sekunde auf eben dem selben Ölfleck und mache bestimmt eine ähnliche Verrenkung …
oder eine dieser Schlagwinde, die dich wirklich hart treffen können. Man sieht den irren Schlenker beim Vordermann , da hat es einen schon selbst erwischt. So lange alles gut geht, ist es meist auch gleich wieder Geschichte.

Gute Nacht, Os8er

Tag 43… Sprachlos

8er

Kappadokien, was sollen wir denn sagen, wenn wir selber sprachlos und tief beeindruckt sind?
Am Besten mal garnichts, schaut selbst….

Morgen wird der Block wieder textlastiger… versprochen!

Gute Nacht, Os8er

Tag 42… Begegnungen

Heute verlassen wir das Schwarze Meer. Uns zieht es ins Landesinnere … einmal quer durch die Türkei. Unser heutiges Ziel ist Sivas. Tja … eigentlich. Ich sage es mal so, wir sind mal wieder weit darüber hinaus geschossen. Bremsen ist nicht so unser Ding, also landeten wir in Kayseri. Kayseri liegt kurz vor Kappadokien. 420 km haben wir heute gemacht … und jetzt haben wir kein Bock mehr. Wir sind müde und von Konzentration ist keine Rede mehr. Wir beschließen, das erste Hotel zu nehmen, was kommen würde. Und was kam?.. natürlich ein super edeles Ding, das Hotel „Ommer“. Mis t… das wird zu teuer sein.

Skeptisch checken wir die Lage. Umgerechnet 50 € die Nacht. Hmm … ne Menge Knete. Wir beraten uns: Müde, kein Bock mehr weiter zu suchen und hier werden einem die Koffer getragen auf der Pro Seite. 50 € für ne Nacht auf der Kontra. Als dann noch die Info „inklusive Frühstück, Pool und Spa“ und für 8er nen Fitnessstudio kam, war die Entscheidung gefallen… Wir fahren wieder!

Blödsinn … natürlich sind wir geblieben! Die letzten 70 km machen wir dann morgen.

Der Weg nach Kayseri war mal wieder ein Weg der Begegnungen. So trafen wir bei einer Pause auf einen humpelnden Biker. Es war schon ein kauziger Typ. Er kam aus der Türkei, sah aus wie von der Müllabfuhr und hatte einen Sack voller Äpfel und Nüsse dabei. Er zeigte uns Fotos von einer Bösen Fleischwunde, er hatte sich in Antalya aufs Mett gemacht. So humpelte er durch die Gegend, inzwischen geschützt mit Knieprotektoren, die er wohl irgend einem Kind unterwegs abgeluxt hatte.

Englisch sprach er nicht wirklich und wir sprachen auch nicht wirklich türkisch … doch die Verständigung klappte irgendwie … glaube ich.

Wir tranken Chai Tee und er beschenkte uns mit der Hälfte seiner Äpfel und Nüsse. Der humpelnde Protektor Mann hatte viel zu erzählen. Wir verstanden kein Wort und versuchten zu erahnen, was er meinte. Trotz alledem oder vielleicht gerade deswegen … ein absoluter Sympathieträger, der zu 8er eine ganze besondere Beziehung aufbaute. Dementsprechend herzlich sah auch die Verabschiedung zwischen den beiden aus. Wir fahren jetzt unter dem Schutz Allahs. Danke kleiner Müllmann.

8er

Ich hatte ein besonderes Erlebnis während des Kontaktes, einer dieser Momente, die mir so unsagbar viel geben, aber die man auch nicht in Worte fassen kann, weswegen ich es gar nicht erst versuche.

Unterwegs durch die Berge gab es so einiges zu entdecken. Hier gibt es große Haselnusswälder und die Ernte wird direkt an der Straße getrocknet.

Auch das Mittagessen war eines der besonderen Art. Es war nicht wirklich ein Restaurant, wo wir landeten. Es wirkte eher wie eine Schulkantine … nur etwas kleiner. Wir wurden behandelt wie Ehrengäste. Sie waren alle bemüht, uns zufrieden zu stellen. Die „Germans“ haben mal wieder für Aufsehen gesorgt. Es gab Köfte mit Reis und es war richtig lecker. Später, bei den Mopeds, wurde ich schüchtern von einer Gruppe Schülerinnen angesprochen. Natürlich ging es um Selfies, aber nicht mit den Motorrädern, nein, sie wollten Selfies mit mir. Ich sollte doch unbedingt die Kutte anziehen. Dann begann ein riesen Foto Zirkus. Von Schüchternheit keine Spur mehr. Sie zerrten mich rechts und links und positionierten mich dorthin, wo sie mich haben wollten. Später wurde noch das Motorrad mit eingebunden und die ca. 15, 16 Jährigen fanden gar kein Ende mehr. Das war schon skurril, vor allem, weil die „Kantinengäste“ sich das Spektakel von der Terrasse aus nicht entgehen lassen wollten. Die Situation war bezeichnend für die Freundlichkeit und Offenheit der Türken. Ob der Tankwart oder die Tante am Kiosk, der Hotelpage oder die Bedienung im Restaurant. Alle hielten Smalltalk und waren interessiert an uns und an unserer Reise. Wir hatten nicht einmal sowas wie Unfreundlichkeit erlebt.

Freiluftklo mit Waschbecken und Licht.

Nun sitzen wir hier im zehnten Stock des Edel Hotels, waren im Spa- und im Schwimmbad (8er auch noch in der Muckibude), haben uns ein gutes 400 g Steak einverleibt und sind glücklich, soweit gekommen zu sein. Die Mopeds laufen und wir sind auch noch relativ gut beisammen. Das ist nach fast 13.000 km nicht selbstverständlich.

Gute Nacht, Os8er

Tag 41… Schwarz (Meer) Fahren

8er: „Das ist keine Glatze, das ist die Spiegelung der Sonne. “ Danke 8er.

Türkei am Schwarzen Meer. 400 km fahren wir durch mehr oder weniger bebautes Gebiet. Drei, vier, mehrstöckige Gebäude stehen links, rechts das Meer… teilweise blitzt ein Stück Strand durch die Bäume. Hinter den Häusern erhebt sich das „Pontische Gebirge“ .

In den Städten gibt es diverse Strandpromenaden, wie wir sie aus Südeuropa kennen und überall hören wir den Muezzin aus den Lautsprechern.
Viele kleine Fressbuden laden zum Verweilen ein. Leider gibt es fast nur Fastfood nach Weststandard. Wer Fisch oder was Vernünftiges möchte muss in die besseren Lokale. Sowas kennen wir aus unseren anderen Reiseländern nicht. Da konnten wir in der “schäbigsten“ Bude das beste Essen abgreifen.

8er

Meer rechts, Städte links … 400 km in Richtung Westen und immer an der Schwarzmeerküste entlang, das war heute unser Auftrag! Er war leicht zu erfüllen, gute Straßen, ab und zu ein Halt und Fotostop oder ein chilliges Plätzchen für eine Cola. ÜNJE, unser Etappenziel, gut gewählt, da wir von hier aus ins Inland Richtung Kappadokien weiter wollen. ÜNJE erwies sich spannender als gedacht, konnten wir doch hier recht gut den türkischen Alltag 2019 inhalieren.

Rand-Info für Besserwisser:
Pontos ist eine Region an der Südküste des Schwarzen Meeres. Aus Devrek im Pontischen Gebirge und inmitten ausgedehnter Nussbaumwälder gelegen, kommen die teuersten Spazierstöcke der Welt.

Das ist mal ne wahnsinnige Info… wa?

Tag 41 auf der Straße bedeutet 42 Tage 24 Stunden ohne Unterbrechung zu zweit. Kein Ausweichen, keine Auszeit, kein Furz , den der andere nicht hört … oder riecht. Es klappt erstaunlich gut! Wir verstehen es auch nicht. Im Vorfeld sind wir fest davon ausgegangen, das es mehrfach kacheln wird und haben uns Strategien zurecht gelegt. Diese waren aber kaum nötig. Nicht falsch verstehen … es gibt schon Situationen, wo wir uns gegenseitig auf den Keks gehen. Es gibt Eigenschaften bei mir, die 8er auf die Palme bringen (könnten), und umgekehrt genau so. Jedoch schaffen wir es, die Toleranz aufzubringen, die nötig ist … und “rückwärts zählen“ ist ja auch noch da. Nein, im Ernst. Wir hätten nie gedacht, dass es so rund läuft. Das Geheimnis des Erfolges könnte in unseren unterschiedlichen Wesen liegen. 8er ist komplett das Gegenteil von mir. Ich Bremse, er Gas. Ich Wasser, er Feuer. Ich schön, er… ihr wisst, was ich meine (-;

8er

Ja, stimmt, das Zauberwort ist Toleranz (wie so oft im Leben). Die Substanz muss stimmen und das tut sie. Es wird nie langweilig, unsere Gespräche bleiben selten oberflächlich. Das dauerhafte Zusammensein ist eine spannende Erfahrung! Ich würde jederzeit wieder mit meinem Oser losfahren. Inzwischen kenne ich auch all seine Emotionsstufen. Ist etwas total Ok, ist das bei Oser: „Na ja, hab ich mir etwas anders vorgestellt.“
Ist etwas richtig Klasse: „Ok, das geht.“ Oser’s höchster Euphorieausbruch: „Das gefällt mir!“

Unter dem Strich ergänzen wir uns perfekt … vor allem für diese Reise.

Gute Nacht, Os8er

Tag 40… Auf ins Eis…Ost-Anatolien

Auf geht es … 20 km noch bis zur Grenze, dann sind wir in der Türkei … in Ostanatolien. Unsere Wetter-App riet uns zu warmen Klamotten und in die schlüpften wir auch. Zum ersten Mal auf der Reise kam meine lange Unterhose zum Zuge. 8er präparierte sich die Socken mit Toilettenpapier, weil er keinen Bock hatte, seine dicken Strümpfe zu suchen. Eingepackt wie für eine Polar Expedition machen wir uns auf den Weg. Noch sind es 6°C plus … das wird sich ändern.

Der Grenzübergang war einer der leichteren. Es war nix los und somit auch schnell gemacht. Ruckzuck waren wir durch und dann ging es nur noch hoch. Zickzack immer höher. Die Passstraße führte uns ins Eis. Es wurde kalt … richtig kalt. Recht schnell fluchte ich über meine Handschuhe. Sie hielten nicht, was sie versprachen. 8er’s Fäustlinge waren zwar wärmer, aber sein Motorrad zu bedienen, war eine Herausforderung.

Ostanatolien hört sich schon irgendwie kalt an, finde ich. Der Wind pfeifft uns ins Gesicht. Endlich auf dem Peak … kleiner Fotostop, dann aber schleunigst wieder runter ins Tal. Wir kennen beide das Motorradfahren im Winter… haben schon etliche Kilometer im Schnee gemacht. 8er allein schon mit seinen Weihnachts -Ausfahrten. Doch das hier ist anders.

8er

Trotz der Kälte wurde mir zumindest zeitweise extrem heiß! Ein Alter und ein junger Bartgeier  ließen sich beobachten. Mit seiner Spannweite bis zu 2,9 m und bis zu 7 kg Gewicht, gehört er zu den imposantesten Seglern überhaupt. Ein traumhaftes Erlebnis.

Zum Glück geht es bei Bergen in der Regel auch abwärts. Es wurde zunehmend wärmer und schöner. Wir fuhren durch den „Black Forest“ (der hieß nicht nur so, es sah hier auch so aus), durch einen Canyon am Fluss entlang und staunten nicht schlecht über die grandiose Landschaft.

Endlich Pause in Ardahan … Aufwärmen! Wir suchen uns ein Café und werden dort auf Deutsch begrüßt. Es gibt hier viele Menschen, die eng verbunden sind mit Deutschland. Durch Verwandtschaft oder weil sie selbst mal in Deutschland gelebt haben. Dieses mal kam der Herr aus Berlin und hat für uns gleich mal die Bestellung übersetzt. Netter Kontakt!

Mein erster Türkischer Kaffee

Die Straßen sind gut und wir machen Strecke … Zirkeln uns durch die Kurven. Wenn das so weitergeht, sind wir heute Abend am Schwarzen Meer. Und es ging so weiter! Am schwarzen Meer haben wir recht schnell ein günstiges Hotel gefunden. Dieses Mal scheint es ein ganz normales Hotel zu sein … tut auch mal gut. Schnell noch an den Strand und noch den Sonnenuntergang mitnehmen. Hallo… Wir sind in der Türkei!

Gute Nacht, Os8er

Tag 39… Abwettern im Dampf

Ja, die dicken Wolken sind da. Das Schöne ist, ein Blick in die App und schon weiß man, wann sie kommen. Kann es so eine App nicht auch für Schwiegermütter geben? Wie auch immer, dicke Wolken, heißes Bad. Heute nutzten wir die heiße Quelle gleich mehrmals. Aus unserm Zimmer im zweiten Stock konnten wir quasi nackt in den Keller… ist ja kein anderer da. Aufgewärmt zurück ins Bett, TV und Smartphone. Der Blick auf die Burg weckt noch einmal die Lebensgeister. Wir wollen nochmal raus. 8er juckt es und möchte ein Sportstudio finden … er bekommt zwei Stunden Vorsprung, bevor wir uns treffen … ich bleibe noch liegen.

8er

Auf der Suche nach einem Fitnessstudio (keines gefunden) lasse ich mich durch die Stadt treiben, füttere einige der stark abgemagerten Strassenhunde, sodass ich zeitweise 5 von ihnen im Schlepptau habe. Dann steht dort dieser ältere Herr an einer Häuserecke. Ein kleines Brettchen, auf dem sorgsam einige russische Orden und Ehrenzeichen angebracht sind, hält er in der Hand. Mein Interesse ist geweckt und ich entdecke die gleiche Ehrenmedalie, die gestern der alte Kriegsveteran so würdig trug. Dem Verkäufer schien ein Verkauf nicht wirklich wichtig zu sein, vielmehr erzählte er mit Händen und Füßen sowie ein paar Brocken English und Deutsch alte Kriegsgeschichten. Ein besonderer Moment für mich, natürlich habe ich die Medaille erworben, er gab sie mir gerne, die geringe Summe schien völlig nebensächlich zu sein, er hat sie mir gern überlassen und ich habe ihm versichert, dass es mir viel bedeutet, sie von ihm bekommen zu haben.

Wir treffen uns in der Stadt (bei uns wäre das eher eine Dorfmitte). Nun auf zur Burg. Schön aufgemacht ist die Rabati Burg, wenn auch etwas zu touristisch. Sauber, renoviert mit Kitschläden und Edelrestaurants, trotzdem sehenswert. Die dramatisch dunklen Wolken machen die Fotos zu etwas Besonderem. Blau ist doch langweilig … aus Fotografensicht jedenfalls. Lange hält es uns jedoch nicht in der Burg.

Wir schauen lieber noch einmal ins „alte Viertel“. Dort läßt sich die Geschichte der Stadt besser ergründen. Auch zum Fotografieren findet sich hier mehr Ansprechendes als in der Touriburg. Nach bergauf und bergab landen wir erneut in unserem kleinen Restaurant. Wir stehen in der Tür, 8er mit Handtuch und für sein Fitnessstudio vorbereitet, ich mit einer Regen Jacke in xxxxl, die sonst über meine komplette Montur getragen wird „Einmal wie gestern bitte!“ Schmunzelnd über die „skurrilen Germans“ wird die Bestellung entgegen genommen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das die junge Dame aus dem Schmunzeln gar nicht mehr rauskam. Nach dem gestrigen Lob über das Essen und an die Köchin brachte sie heute ihr Gekochtes persönlich an den Tisch. Sie zeigte sich geschmeichelt von unseren Lobgesängen und ein Foto war auch noch drin.

Tochter Mama

Wieder satt, wieder zufrieden. So kann es weiter gehen. Zurück im Hotel noch mal in den Keller. Wir nehmen unser Abschiedsbad … heizen uns für morgen noch mal auf. Morgen soll es kalt werden … na dann. Nachts steige ich noch einmal aufs Dach. Mit Stativ und 35mm f2.0 bewaffnet geht es noch einmal der Burg an den Kragen.

Gute Nacht, Os8er

Tag 38… Das Dorf der Hunde

Das war eine Nacht. Hundekalt (kein Gas) und hundelaut. Die ganze Nacht unterhielten sich die geschätzten 12 Kläffer durchs ganze Dorf … und das ohne Pause. Eingemummelt im Bett mit kalter Nase liegen wir da mit dem Wissen, diesen Ort gleich verlassen zu müssen. Was soll’s, raus aus den Federn und rein in die kalten Klamotten. Der Schock ist schnell überwunden und ein neues Abenteuer wartet schon auf uns. Wir reiten heute in das „Borjomi Nature Reserve“. Nach dem Frühstück stehen zwei Pferde bei uns auf dem Hof. 8er nimmt „Black Beauty“, ich das „Prinz Charming“ weiße Edelroß. Eine kleine Einweisung noch (rechts, links, Bremse, Gas) und los geht es. Es ist ein komisches Gefühl, sein Gefährt nicht 100 % kontrollieren zu können. 90 % Befehlsumsetzung, 10 % machen sie, was sie wollen. Da steht man auch schon mal im Busch und findet den Rückwärtsgang nicht.

8er wollte es etwas schneller haben. Er ritt neben mir und trieb sein Pferd mit „Hotcha, Hotcha“ an. Natürlich interessierten die Befehle sein Pferd reichlich wenig, wobei meins hingegen die Befehle gern annahm. „Hotcha Hotcha“… Danke 8er!

Der Ritt in den Nationalpark war schon eine coole Sache. Ursprünglicher kann ein Wald nicht sein. Kleine Bäche, alte Bäume und überall Moose und Flechten . Und das aus der Perspektive hoch oben zu Roß … Perfekt.

Wir haben immer einen Blick auf das Wetter und morgen wird ein Scheißtag. Überall im Land soll es regnen, nachts teilweise schneien. Wir beratschlagen unsere nächsten Schritte und beschließen, ein etwas besseres Hotel zum Abwettern zu suchen. Wenigstens mit Heizung und TV. Der Weg führt uns direkt an die türkische Grenze nach Achalziche. Das Hotel passte mal wieder wie die Faust aufs Auge.

Es ist schräg und recht neu, der Weg dorthin wurde noch nicht einmal gebaut. Bei der Ankunft trafen wir auf eine recht überforderte ältere Dame. Sie wirkte hektisch und verstand kein Wort. Nach langem hin und her und Rücksprachen mit dem Besitzer durften wir tatsächlich einchecken.

Highlight des Hotels war im Keller ein Schwimmbad, was aus einer heißen Schwefelquelle gespeist wurde. Aus 1400 Metern holen sie das Wasser. Am Hotel gibt es noch einen eigenen Strand am Fluss und nicht weit, gegenüber dem Hotel liegt die Burg Rabati. Hier lässt sich wirklich gut abwettern.

Abends noch einen Gang in die Stadt. Wir brauchen Geld und haben Hunger. Unterwegs treffen wir auf einen alte2.q Weltkriegs-Veteran, der nicht ohne stolz seinen Orden trug. Darauf angesprochen erzählte er mit großen Gesten und wirkte glücklich darüber, dass sich jemand für seine Geschichte interessiert … und dann noch die „Germans“. Es ist unbezahlbar, sich mit noch lebenden Zeitzeugen unterhalten zu können. Sie sind nicht mehr lange unter uns.

Später im Restaurant Mimino ließen wir uns traditionelle georgische Küche servieren. Das Essen war eine Wucht. Das Beste der ganzen Reise, da waren wir uns einig. Dazu gabs noch Schnaps und Bier… einfach perfekt für die Nachtruhe. Thema beim Essen war immer noch unser Veteran. Das beschäftigte uns noch lange und bleibt wohl auch für die Zukunft hängen.

Gute Nacht, Os8er

Tag 37… Der einsamste Ort

Wir nehmen Abschied. Ende im Gelände. Unser 3-tägiger „Urlaub“ während unserer Reise ist zu Ende. Das kleine „Skurillo Hotel“ lassen wir hinter uns. 8er holte sich noch von „Oma“ einen Abschiedskuss und ohne uns umzudrehen, fahren wir mit einer Träne im Auge fort. Schluss jetzt mit dem Gesülze … Es geht endlich weiter!

Georgien ist klein. Es ist in etwa so groß wie Bayern, aber viel dünner besiedelt. Wir schlagen einige Haken und ziehen Kreise durch das Land, sonst wären wir ruckzuck durch. Aber als Transitland ist Georgien viel zu schade.

Wir steuern, wie schon so oft in diesem Land, ein Kloster an. Eines der besonderen Art mit dem Namen „კაცხის სვეტი“ . (Die Schriftzeichen sind echt cool hier). OK, für uns heißt es „Kazchi-Säule“. Es ist wohl der einsamste Platz in Georgien. Hoch auf dem Felsen ein Kloster. Über eine Leiter könnte man hoch … dürfen aber nicht. Ein toller Ort, um Ruhe zu finden … denke ich.

8er

Immer wieder hören wir von unseren Motorrad fahrenden Reisefreunden, dass sie ständig angehalten werden und auch eifrig den Ordnungshütern Scheinchen zustecken müssen, um weiterfahren zu können. OK, wir haben unsere Motorräder heute von allen Seiten genauestens betrachtet und mussten zu unserer großen Verwunderung feststellen, dass sie nicht unsichtbar waren, was uns dann wirklich nicht erklären lässt, warum wir bisher nicht ein einziges Mal angehalten wurden, geschweige denn zahlen mussten. So bleibt uns nichts anderes übrig, als das ersparte Geld für georgisches Bier auszugeben.

Dieses Mal haben wir praktisch über „Booking“ die nächste Unterkunft gebucht. Suchen mussten wir trotzdem. In einem sehr ländlich geprägten Dorf kamen wir unter. Es ist ganz nett hier. Neben einer Art Resthof bekommen wir ein eigenes kleines Haus. Der Vermieter teilte uns jedoch mit, daß leider das Gas abgestellt wurde. OK … sind ja Rocker… duschen wir kalt (-; Abends wurde nebenan noch ein Schwein geschlachtet. Da kommen Erinnerungen auf. Wir Älteren vom Land haben sowas in unserer Kindheit noch erleben „dürfen“. Jedenfalls haben wir früh gelernt, das Fleisch nicht am Baum wächst … nicht wie Spaghetti.

Hier ist es wie bei uns vor 60 Jahren. Obst, Gemüse, Fleisch … alles aus eigener Hand … der eigenen. Wir mögen diese Ursprünglichkeit. Und die Schweine haben hier ein tolles Leben, bis zum Schluss eben.

8er

Eine grüne Diva … unser Feierabendbier wird durch die Anwesenheit einer prächtigen Gottesanbeterin gekrönt. Sie putzt ihre mit einer Art Messern besetzten Fangarme. Das sie die Männchen oft während der Paarung einfach frisst, macht sie nicht gerade sympathisch. Ihre Bewegungen sind aber schon recht beeindruckend, wie eine Diva eben.

Na dann gute Nacht, Os8er

Tag 36… Eine kleine Runde

Wir sind noch immer in unserem kleinen Hotel … können uns nicht trennen. Heute wollen wir ins ländliche Abseits der größeren Straßen. Schnell ist eine grobe Richtung gefunden … alles andere wird sich auf dem Weg ergeben.

Es beginnt mit kleinen, kurvigen Straßen. Ohne Gepäck macht das richtig Gaudi und wir ziehen die Gänge hoch. Die Straßen sind fast für uns allein … fast, den da waren ja noch die Hunde. Man, da kann man sich schon verjagen, wenn sie uns wie aus dem Nichts laut kläffend vom Moped holen wollen. Oft bleibt es bei Scheinangriffen, einige der Kläffer wollen aber mehr. Drei Kurven weiter stand da diese Kapelle. Eine kleine Kapelle. Hier verirrt sich kaum ein Mensch hin und so wirkt sie auch. Wir machen Halt und sehen uns um.

8er

Ich hatte heute ein sehr tiefgehendes Erlebnis im Bereich einer sehr einsamen Kapelle. Niemand war dort, lediglich ein Mönch, 4 Hunde, 6 Schweine und einige Rinder. Sofort kam wie immer einer der Hunde zu mir. Ich spielte mit ihm recht lange. Der recht karismatische Mönch kam auf mich zu und signalisierte mir, dass er mein Spiel mit dem Hund beobachtet hätte und mich nun gern segnen würde. Ich war recht überfordert mit der Situation. Nach seiner Berührung habe ich mich sehr gerührt gefühlt, nein es war mehr als das … schlecht zu beschreiben. Sogar ein Bild sollte ich mit ihm machen … Sehr ungewöhnlich.

Georgien hat so Einiges zu bieten. Unter anderem stellen sie tolle Weine her. An den Straßen stehen provisorische Buden mit Dutzenden 5-Liter-Kanistern Wein … in allen Farben. Wir fahren an Weinstöcken und Weingütern vorbei, teilweise sehr edele Bauten. 8er biegt ab und führt mich direkt auf ein Weingut. Das Ding sieht eher aus wie ein Schloss mit Tor und Türmen.

Als wir die Mopeds abstellen, öffnet sich auch schon ein Tor. Wir werden hinein gebeten. Es wirkte, als ob 8er das im Vorfeld iniziiert hat. Hmm … so beginnen eigentlich gute Heiratsanträge. Die Terrasse wirkt, als ob jemand viel Geld hat und nicht wusste, wohin damit. Ein kleiner Pool, Pavillions, ein riesen Weinregal und Yuppies mit Zigarren und schweren Armbanduhren. Hier speisen die besser Betugten … da passen wir mit unseren Kutten und den Mongolia-Straßenstaub-Jeans gut rein. Im Hintergrund duddelt eine Klavier-Klassik-Dauerschleife und die Typen in Polo Shirts schielen schon zu uns rüber. Das wirkt wie irgend ein Club hier. OK, mit Clubs kennen wir uns ja aus … also setzen und in die Goldene Karte geschaut. Das liest sich aber lecker… Na dann hauen wir mal rein! Der gepflegte Kellner steht schon zur Stelle. Ich nehme Rind in Walnußsauce, 8er setzt auf Bewährtes … Rind mit Kartoffeln.

Das alles sehr lecker war, müssen wir eigentlich nicht erwähnen. Wir fühlen uns pudelwohl und wollen gar nicht mehr weiter. 8er wollte noch in den Pool und ich hatte Mühe, ihn zu bremsen.

Bei der Rechnung kommt die große Überraschung. Unser teuerstes Essen dieser Reise… für Georgien sauteuer… für uns vergleichbar mit dem Griechen in Hildesheim … einfach preiswert.

Weiter geht es, dieses Mal auf weißen Straßen zu einer Ruine. Wer hier eine weiße Straße fahren möchte, muss auf alles gefasst sein. Die Spanne reicht von Asphalt bis Trampelpfad. Letztes Jahr in Bosnien führte uns eine Weiße durch ein ausgetrocknetes Flussbett. Kaum befahrbar. Aber diese war OK. Schotter und Asphalt wechselten sich ab. Nach 15 km standen wir mitten in der Ruine. Eine kleine Kapelle bildete den Mittelpunkt. Außer uns war da noch ein kleines Wohnmobil aus Nürnberg. Spontan wurden wir von einem älteren Paar eingeladen. 8er setzte sich dazu und führte Smalltalk, ich zog lieber mit meiner Kamera bewaffnet Richtung Kapelle.

Wir machten noch gut Strecke und kommen in der Nähe von Tiflis wieder auf die Hauptstraße. Die letzten Kilometer dann der tüpische Feierabendverkehr. Zurück lassen wir den Abend mit einem Bier ausklingen und machen Pläne für den nächsten Tag.

Gute Nacht, Os8er

Tag 35… Zu Besuch in Tiflis

Wir bleiben im „Skurrilo-Hotel“ und rödeln unsere Bikes ab. Das Hotel liegt uns und die Menschen hier sind einfach Klasse. Wir werden bekocht und ein einfaches Frühstück ist immer drin. Sogar Bier stellen sie für uns kalt.

Leicht wie eine Feder stürzen wir uns in den Stadtverkehr von Georgiens Hauptstadt Tiflis. Der Verkehr… und vor allem die Verkehrsführung ist gewöhnungsbedürftig. Wie in einer Sanduhr strömen die Autos auf das „Nadelöhr“ zu und zwängen sich von gefühlt 10 Spuren in 2 … und das recht wuselig, aber routiniert. Wir müssen höllisch aufpassen und fühlen uns ein wenig wie Tischtennisbälle in einer Wanne voller planschender Kinder.

Die Altstadt Tiflis ist bekannt für ihren Flair. Bis dort hin sind es keine 40 km und wir kommen lebend an. Zentral stellen wir die Mopeds ab und machen uns zu Fuß auf den Weg. Leider entspricht das Wetter nicht ganz unserer morgendlichen Einschätzung und so werfen wir nach und nach unsere Klamotten ab. Es ist warm, so warm, das uns unsere Kevlar Jeans am Arsche kleben. Aber das soll uns jetzt nicht stören … Tiflis wartet.

Die Altstadt mit ihren verwinkelten Ecken und unrestaurierten Häusern zieht uns gleich in ihren Bann. Überall gibt es was zu entdecken, überall möchte man den Kopf reinstecken.

Wir beschließen ein Blick von oben auf Tiflis zu werfen und nehmen die Cable Train auf den Berg. Oben angekommen, finden wir einen geschlossenen Freizeitpark und einen riesigen Turm, der aussieht wie noch aus Sovietzeiten.

Der Blick auf Tiflis gibt uns ein Gefühl für die Geschichte dieser Stadt. Sie befand sich zeitweise in Russischer Hand und auch die Perser waren mal an der Macht. Überall gibt es Zeugnisse dieser Zeiten. Auch ohne Fachwissen sieht man den Gebäuden ihre Bauepoche an.

Wir machen uns auf den Weg zurück zum Hotel. Es ist ein tolles Gefühl, zurück in sein „Reich“ zu kommen und nicht (wie den Großteil der Reise) abends eine Bleibe suchen zu müssen. Irgendwie ist uns unser Skurillo Home auch schon ans Herz gewachsen. Kaum angekommen, kommt auch schon der Regen. Wettergott 8er hatte ihn angekündigt und der Zweifler Oser musste zurückrudern und seinen „Wetter Fee Fähigkeiten“ gebührend Respekt zollen. Zum Glück habe ich nicht gewettert.

Abends auf unserer Privat Terrasse gab es noch Bier und Kartoffeln … Läuft!

Gute Nacht, Os8er

Tag 34… Im Bett mit 8er

Wir werden wach und schauen durch das Fenster auf diese Szenerie. Die Sonne kommt über die Berge. Das ersetzt doch ein wenig die fehlende Frau im Doppelbett. Wenn ich mich auf die andere Seite drehe, schaue ich dem 8er ins Gesicht … nicht sehr feminin der Typ … hmm … ich drehe mich lieber wieder zurück und genieße den Sonnenaufgang. Unsere Familien und Freunde fehlen uns schon ein wenig. Doch sobald wir aus den Betten sind, schalten wir in den „Abenteuer-Modus“ und die Gedanken kreisen wieder um Routen, Technik und Wetter.

Frühstück um 9.00 Uhr. Normalerweise sind wir da schon zwei Stunden unterwegs. Heute aber… Frühstück um 9.00 Uhr. Unser Körper will ab 7.00 Uhr nicht mehr ruhen. 8er hält es nicht mehr aus und geht eine Runde mit seinem 300er. Oser wälzt sich noch mal und klettert mit einem Kaffee bewaffnet auf den Balkon. Minuten starre ich auf den Berg und schaue der Sonne beim Steigen zu. Frühstück!

Dusche und Klo mit Komunikationsmöglichkeit.

Zum Frühstück gab es Omlett. Natürlich hätten wir was anderes bestellen können, bekommen hätten wir Omlett! Keine Auswahl … Es gibt, was da ist. Satt wurden wir allemal. So läuft es eigentlich immer, auf unserer Reise gab es immer große Speisekarten. Beim Bestellen zeigte die Bedienung auf ein Gericht und sagte „Wir haben das!“… „Nein, nur das!“. Ok, ich nehme heute mal die Nummer eins.

So … die Mopeds warten schon und scharren mit den Hufen. Aufgesattelt und los… juhu … die Straße hat uns wieder! Aber nicht lange. Weit sind wir nicht gekommen, da gondelte es über unseren Köpfen. Kurzer Blick zu 8er … ja, wir Gondeln mit! Und schon sitzen wir in der Seilbahn auf dem Weg Richtung 3000 Meter. Die Seilbahn war nagelneu und recht leer (waren überhaupt andere Gäste da?). Wir fragten uns nach kurzer Zeit, ob wir Versuchskaninchen für einen Testbetrieb geworden sind. Nach 20 min. sind wir oben. Und dort erwartete uns die grandiose Bergkulisse Georgiens. Ein weiter Blick über die Berge, Gänsegeier kreisten über uns (vielleicht hätten wir mal unsere geschenkte Seife nutzen sollen) und die Wolken spielten ihr Spiel. Eine schöne Abwechselung zum tagelangen Mopedfahren.

Kaum auf der Straße zurück und schon wieder in die Bremse gegriffen. Durch dieses Land könnte man sein Mopped auch schieben. Hier ist die Dichte an lohnenswerten Stops echt enorm. Ein Kloster jagd das nächste und zwischendurch noch die grandiose Landschaft oder ne geile Fressbude am Straßenrand. Egal was, es ist ein Genuss.

Ein Höhepunkt der anderen Art fanden wir fast unbemerkt versteckt hinter einem Zaun an der Straße. Fast rasen wir dran vorbei, doch ein geschultes Auge schlägt bei so einem Anblick Alarm. Ein Traum für Autoliebhaber und „Lost Places“ Fans. Der Besitzer war jedoch ein Fuchs und wusste, was er da hatte. Bevor wir da rein konnten, mussten wir ein paar Taler locker machen. Gerne doch, er konnte es auch gut gebrauchen. Sein Zustand war nicht besser als der seiner Autos.

Ein toller Tag mit tollen Ereignissen und viel Futter für unsere Kameras. Zum Ende des Tages fanden wir noch ein … ich nenne es mal ein Hotel der anderen Art. Auf dem Hof bekamen wir ein großes Zimmer im Anbau … und das für einen Spottpreis. Alles sieht so aus, als wenn es renoviert wird, aber schon über Jahre. Essen? Natürlich, das kann man hier auch! Hmm … so, so. Wir werden in einen spärlich möblierten Glaskasten mit schiefen, viel zu niedrigen Tisch gesetzt und eine etwas füllige nette Dame drückte 8er ein Telefon in die Hand. Ein recht schlechter Telefon-Dolmetscher versuchte sein Bestes. Zum Glück hat er Bier verstanden. Gekocht wurde dann gegenüber in der Küche. Schaschlik mit Kartoffeln … aber das können sie! Es war ne Wucht! Ob es an den etwas anderen Gewürzen liegt?

8er

Leider kam es vor, das schlechte Nachrichten von zu Hause unsere Reiselust trübten. Ein plötzlicher Schicksalsschlag macht deutlich, wie zerbrechlich alles ist und wie dankbar man für alles sein sollte, was man erleben darf.

Gute Nacht, Os8er

Tag 33… Georgien

Schöne Begrüßung am Morgen. Unsere wilden Hunde vor dem Hotel haben uns gut bewacht. Gestern Abend trieben sich die Halunken schon bei uns rum. Da konnten wir sie noch nicht einschätzen. Teilweise gab es unter ihnen wilde Beißerein. Inzwischen sind wir Freunde.

Auf geht es. Ca. 150 km bis zur Russisch-Georgischen Grenze. Dieses mal wählen wir die schnellste Route. Die Straße ist unspektakulär, meist zweispurig und voller Kontrollposten. Meist sind es Streifenwagen am Rand, stehend mit einem grimmig schauenden Bullezisten davor. Alle konnten wir passieren, doch dann geht es nicht mehr weiter. Stop für alle. Das Militär hat die Straße dicht gemacht. Mit ihren Kalaschnikows stehen sie da und fordern uns zur Passkontrolle auf. Wir müssen uns an einer Reihe anstellen. In der Schlange stehen eine ganze Bussladung junger Frauen und Männer. Alle in Jogging Outfits oder leichter Kleidung. Es geht nur langsam voran. Ein umgerüsteter Container dient als Kontrollzentrum … alles gut bewacht. Endlich, wir sind dran. Waffen? … Nö. “Bitte gehen sie hier durch“. Ein Metalldetektor … und plötzlich feuerte er sein Feuerwerk ab. Wir mit unseren schweren Kutten und dem ganzen Gedöns wie Letherman und Kette bringen das Ding an seine Grenzen. Großes Gelächter von den hinteren Rängen. Plötzlich steht vor uns so ein Militärzwerg mit seinem Zauberstab. Er wirkte etwas überfordert und schob seinen Stab in und unter die Kutten. Das Ding machte eigentlich die ganze Zeit nur Lärm. Er tastete uns dann mit seinen Kinderhänden ab (so gut es ging) und wir durften zur nächsten Station … Passport. Der Passport-Mensch schaute sich genau die Stempel im Pass an. Dann fragte er mich nach “kofd“ (oder so) . Ich zuckte nur mit den Schultern. Er “kofd…KOFD“. Keine Ahnung, was er will, also ich “Germany … Motobiker!“. War wohl richtig, er schaute nur genervt in die Luft und schob mir meinen Pass zurück … läuft!

Weiter geht es. Wir treffen auf der Tanke Miri, er ist Russe und schon 98 Tage mit seiner KTM unterwegs. In der Mongolei war er auch schon und wir kommen ins Gespräch. Wir zeigten uns Bilder von der Reise und auch privat. Er: „Hier bin ich in meiner Berufskleidung“ . Cool … er war ein orthodoxer Pfaffe. Kurz danach, er: „und hier bin ich in meiner privaten Kleidung!“ … komplett in Militäruniform. Hmm … hier läuft einiges anders. Aber Klasse drauf, der Kerl.

Grenze! Schon 10 km vor der Grenze beginnen die LKW’s sich zu stapeln. Unglaublich lange Schlange, wie lange die wohl für den Grenzübertritt brauchen? Wir zügig dran vorbei … wie immer. Der Grenzübergang ging erstaunlich schnell und ist nicht der Rede wert. In Georgien besorgen wir noch schnell Geld und ja … eine Haftpflicht konnte auch wieder abgeschlossen werden.

Und da waren sie wieder … Kurven! Wie haben wir sie vermisst. Und die Berge sind auch wieder da … hohe Berge! Mit einer tollen Kulisse werden wir von Georgien begrüßt. Nach den ersten Kurven steht vor uns das „Mzcheta Mtianeti“, eine der bekanntesten Klosteranlagen. Gleich der erste Hammer. Im nahe gelegenen Dorf finden wir eine Bleibe. Dort ist auch gleich ne Dorf Party. Alles richtig gemacht.

Gute Nacht, Os8er!

Tag 32… Sie sind überall

Wieder unterwegs. Wir wollen heute so weit wie möglich an die Grenze zu Georgien herankommen, um morgen hoffentlich problemlos übersetzen zu können. Wir wählten eine kleinere Straße durch kleine Dörfer, entlang an Seen und Flüssen. (ca. 200 km). Der Verkehr ist morgens gering, so haben wir freie Fahrt. Es lacht ein blauer Himmel, keine Wolke ist zu sehen. Unsere Laune ist bestens und die Knochen machen auch noch mit.

Bei einer Pause an einem kleinen See machte sich 8er mit seinem 300er bewaffnet ins Schilf und kam breit grinsend wieder raus. Ich dachte nur, „da muß ich auch rein!“… „dieses Gesicht möchte ich auch!“. Die Ernüchterung kam auf dem Fuß … es waren Bartmeisen, die ihn so strahlen ließen. Ok, keine Bar, kein Stripclub … Bartmeisen! Ich denke unter Ornitologen schon ne Nummer, so ne Bartmeise. Putzig ist das Ding ja irgendwie.

Nach und nach ändert sich die Landschaft … Es wird hügeliger und am Horizont zeigen sich die ersten Berge des Kaukasus. Da kommt man um die Ecke und plötzlich wird es windig. Booha, sehr windig. Schräglage bei gerader Strecke. Teilweise benötigen wir richtig Kraft, um unsere Mopeds gegen den Wind zu stemmen. Zwischendurch immer wieder kräftige Böhen. Alles zusammen ein teuflischer Mix. Kombiniert mit den Windschatten der LKW’s heißt das volle Konzentration. Beim Überholen kommt man sich vor, wie unangeschnallt mit einer Cessna durch Turbulenzen zu kacheln.

Wir kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt an die Grenze. Der Konflikt zwischen Russland und Georgien spitzt sich wieder zu. Beide haben ihr Militär an den Grenzen zusammengezogen. Es geht wohl um Südossetien und Abchasien. Das macht sich auch für uns bemerkbar. Sie sind überall! Polizei, Polizeikontrollen und Kontrollposten des Militärs. Wir haben versucht, uns klein zu machen … fuhren dicht hinter den LKW’s, so daß sie uns erst spät sehen konnten und es gelang. Auch wenn es teilweise knapp war. Auf dem Weg trafen wir immer wieder Reisende, die Probleme an diesen Kontrollen hatten. Teilweise zahlten sie Geld, um weiterfahren zu können. Wir hoffen, morgen gut durchzukommen und auf einen guten Grenzübertritt.

Jetzt mal zum Wetter. Tag 32 auf der Straße. Noch keine Regenfahrt … bis jetzt. Temperaturen optimal! In Altai recht warm mit 28°C und in Usbekistan recht kalt mit 28°C … dazwischen auch alles optimale Werte für die Germans. Wie geht das?

Ist es Glück?… oder Zufall?… oder ist die Reise perfekt getimt?

Alles Quatsch … alles Blödsinn. 8er ist es!

Jeden Abend legt er einen Kreis aus Federn (nur die Blauen) auf den Boden und stellt sich mit einem Bein nackt rein. Er jodelt den Sonnengott an und bittet um gutes Wetter. Natürlich funktioniert das nicht ohne Zwiebel! (bis auf die dritte Haut gepellt).

8ers Gedankenwirrwar beim Fahren

Es ist die ultimative Freiheit, die Landschaft gleitet vorbei, man spürt ungeschützt den Wind und das Wetter, die Gedanken sind frei, da sitzt ein Kaiseradler am Wegesrand, wo werden wir wohl die Nacht verbringen? Das zu Hause, die Arbeit, alles so weit weg, vieles so klein und unbedeutend, ein bisschen Heimweh, Gedanken an Familie und die Guten, ja, fast alle sind gut, wir sind nur viel zu viele Menschen und ja, uns in Deutschland geht es wirklich mehr als gut, trotz all der Miesmacher und Schlechtredner….

Hmm … der 8er sollte mehr trinken.

Na dann, gute Nacht, Os8er

Tag 31… Kalmückien

Der Tag beginnt. Wir machen das Zelt auf und schauen direkt in die Morgensonne. Geht es schöner? Garantiert nein! Es war eine gute Nacht. Jetzt erst einmal das Feuer wiederbeleben und einen Kaffee. Wir lassen es ruhig angehen, das Zelt soll in der Sonne noch trocknen. Noch einmal (wie schon so oft) werden die Klamotten neu organisiert. Inzwischen nähern wir uns dem perfekten Packsystem. Ich merke, ich bräuchte mal wieder ein frisches T-Shirt.

Auf geht es Richtung Kalmückien, Richtung Elista. Erst einmal geht es weiter durch das Wolgadelta, über eine abenteuerliche Pontonbrücke und guten Straßen, vorbei an kleinen Seen und Ausläufern der Wolga. Nach Astrachan ändert sich das Bild schlagartig … Steppe? … Ja, Steppe und das über hunderte Kilometer. Damit haben wir hier nicht gerechnet.

Wir kommen gut voran. Die Bullizei ist natürlich auch wieder da … ABER, sie lassen uns ziehen. Die möglichen 120 km/h lassen uns schnell in Elista ankommen. Dort ist es mal wieder ein Krampf, eine Unterkunft zu finden. Die im Navi angezeigten Hotels sind oft zu oder nicht da, wo sie sein sollten. Einige Hotels sind ausgebucht, doch eins nimmt uns endlich auf.

Ich kann es ihnen nicht übel nehmen, wenn sie uns nicht wollen. Da stehen wir in der Lobby, den Straßenstaub der letzten Tage in den Klamotten, in einer Duftwolke aus Benzin und Schweiß und noch in unseren Kutten. Da ist der Spruch „Leider ausgebucht!“ schnell über die Lippen gebracht. Aber jetzt erst einmal Duschen. Was für eine Wohltat, nach zwei Tagen da draußen. Später machen wir uns auf zum Tempel.

Text 8er

Zurück in der Mongolei … zumindest fühlt es sich so an. Mongolische Gesichter, mongolische Freundlichkeit und der Buddhismus. Kein Wunder, die Kalmücken kommen ursprünglich von dort, bilden hier eine kleine buddhistische Enklave mitten in Russland. Mich fasziniert der Buddhismus, ich fühle mich sofort wohl und habe auch hier im Tempel meine Magic Moments. Oser nimmt es da etwas „gefühlsneutraler“, beide finden wir unsere Motive, in jedem Fall ein ganz besonderer Ort!

Auf dem Rückweg noch kurz über den Markt. Märkte sind auf der ganzen Welt etwas Besonderes. Der Markt ist die Seele einer Ortschaft. Über das Angebot lassen sich viele Schlüsse ziehen. 8er kauft noch frisches Obst ein. Zum Abendbrot gibt es heute sowas wie deftige Pfannkuchen. Also, bei uns läuft es soweit.

Kleine Anekdote von heute morgen zum Schluß.

8er: Was für ein Tag haben wir heute?

Oser: Donnerstag.

8er: Donnerstag?

Oser: Keine Ahnung aber es fühlt sich so an.

Wir sind wieder im Reisemodus angekommen! … Ach ja … es war Freitag.

Gute Nacht, Os8er

Tag 30… Und wieder ein Grenztag

Wir fahren zu viel und trinken zu wenig. Wir wollen entschleunigen. Einfacher gesagt als getan. Kasachstan hat uns mit seinen Straßen erneut „überrumpelt“. Wir rappeln uns Richtung Westen und beschließen, die Grenze zu Russland doch heute schon zu nehmen. Geplant war ursprünglich noch eine Nacht zu bleiben, da wo es schön ist. Aber wir haben keinen passenden Ort gefunden.

Insgesamt zeigte sich Kasachstan durchwachsen. Die Menschen hier sind offen und freundlich. Der Kontakt mit ihnen unkompliziert. Das werden wir aus Kasachstan mitnehmen. Die Straßen hingegen lassen keinen schweifenden Blick zu. An den Straßenrändern häufen sich teilweise Berge von PET-Flaschen. Dazwischen immer ein paar Altreifen und sonstiger Müll. Schade, das bleibt irgendwie auch hängen.

Der Grenzübertritt verlief ohne besondere Vorkommnisse. Es ging mal wieder schnell für uns. Gleich hinter der Grenze macht sich schnell das Wolgadelta bemerkbar. Es reicht ein Blick zu 8er, denn wir wissen, das heute die Natur ruft. Recht schnell biegen wir ab und haben auch gleich Glück. Ein Plätzchen am See, allein mit Pferden, die im Wasser stehen. Seeadler kreisen und Graureiher versuchen ihr Glück. Wir fühlen uns wie bei Heinz Sielmann im Film. Im Gras liegend, verfliegen die Stunden. Kühe schauen mal vorbei und die Wasserschildkröten haben was zu gucken. Das riecht nach einer ruhigen Nacht.

Ein Feuer läßt die richtige Stimmung aufkommen. Pott Wasser druff und kurze Zeit später ist der Kaffee fertig. Bei Sonnenuntergang noch einmal die Kamera raus und einen Gang am See gemacht.

8er mit seiner 300er auf Vogeljagd und ich, überfordert mit meiner Objektivauswahl, auf alles drumrum. Ich würde ja auch gern so’n Seeadler oder Reiter vor die Linse bekommen, doch wenn der lange Lulatsch durch die Büsche kracht, ist alles schon auf und davon. Da ist 8er einfach geschickter. Zum Glück läuft Landschaft nicht weg.

Gute Nacht, Os8er

SW-Motech Special.

10.000 km sind es jetzt und wir haben das Zubehör von SW-Motech im Einsatz erleben dürfen. Wie vor der Reise angekündigt, nun unser Statement.

Koffer oder Softbag’s … da gibt es für mich einen klaren Sieger … Koffer! 8er ist da ganz anderer Ansicht. Für ihn heißt der klare Sieger Softbag’s! Bei dieser Frage werden wir uns in diesem Leben nicht einig werden. 8er’s großen Argumente für die Softbag’s sind der weiche Kontakt bei Kollisionen und Berührungen, erheblich leichter als Koffer, dehnbarer und ein Beinschutz beim Umfallen. Eine einfache Handhabung kommt noch oben drauf. Ein Nachteil ist die nicht vorhandene Diebstahlsicherung.

Die Koffer hingegen sind abschließbar und am Moped „angeschlossen“. Sie können als Tisch, Hocker verwendet werden. Umfallschutz ist auch hier gegeben. Beide Systeme sind staub- und wasserdicht. Die Schlösser bei den Koffern könnten jedoch besser sein (sind hakelig) und einen weichen Kontakt gibt es nicht … bloß nicht hängen bleiben!

Ich konnte bei dem Koffersystem für die Dl650 noch 15cm an Breite reduzieren und bin jetzt unter einem Meter. Dazu braucht man jedoch Flex- und Schweißkenntnisse.

Der Tankrucksack mit seinem Quick Lock ist super. Er kann schnell an- und abgebaut werden, es passt der Helm rein und ich kann mein Handy drin laden. Auch die Seitentaschen sind groß genug. Was auch cool ist … es ist ein Riemen dabei, so kann ich ihn als Umhängetasche nutzen. Bei uns im Tankrucksack befindet sich alles Wichtige, darum nehmen wir ihn immer mit.

Alles, was den Schutz des Mopeds angeht (Motorschutz, Sturzbügel, Handprotektoren), hat uns den Arsch gerettet. Was der Motorschutz einstecken musste, ist enorm. Auch unsere „Stürze“ wurden komplett abgefangen. Ohne diesen Schutz wäre unsere Reise sicher schon vorbei.

Meine Lieblinge sind die Drybags. Ich habe hinten den 250er mit Iso und Schlafsack drauf und brauche keine Zurrgurte. Mit den Gurten am Sack kann ich den am Moped anclippen. Einfacher geht es nicht. 8er sein 600er hat das gleiche System und man kann weitere Drybag’s noch „Huckepack“ nehmen. Da hat SW-Motech sich Gedanken gemacht. Die 80er haben wir an den Sturzbügel für Regenkombi und Werkzeug befestigt. Alles in allem sind wir von der Qualität überzeugt.

Das soll es erst einmal mit „Reklame“ gewesen sein. Nein, im Ernst … die machen schon geiles Zeug.

Gruß, Os8er

Tag 29… Trocken bis zum Regen

Die Nacht war eine von den Schlächteren. 8er hatte die Idealmaße, für mich war das Bett zu klein und ich hatte das Gefühl, es fällt seitlich ab … leider nicht zur Wand hin. Egal, Nacht ist rum und wir schauen nach vorn … nach Atyrau.

Wir haben gar nicht damit gerechnet, aber die Straße ist gut. 130 km/h … kein Problem. Die LKW’s ließen sich gut überholen, es geht flott voran. Nur die recht dichte Bullizei-Präsenz machte uns Sorgen. In zwei Situationen dachten wir, jetzt geht’s uns an den Kragen … aber nein, einmal brachen sie die Verfolgung ab und das andere mal krallten sie sich jemanden vor uns.

Ach ja, die LKW’s. Die sind hier schon weiter. Sie fahren autonom! Beim Überholen können wir über die großen Spiegel einen Blick in die Kabine werfen. Und die Fahrer tun alles, nur nicht fahren. Entweder haben sie ihr Handy am Wickel oder pulen sich an den Füßen rum. Mittagessen hinter dem Steuer ist auch sehr beliebt. Ihre anderen Tätigkeiten darf ich erst ab 24.00 Uhr senden. Unglaublich!

8er … Das Wasser ist weg!

Es ist schon recht dramatisch, wie sehr auch in den Randgebieten des Kaspischen Meeres die Seen und Seitenarme austrocknen. Die negativen Veränderungen sind auch hier deutlich! Hoffentlich droht dem Kaspischen Meer nicht das gleiche Schicksal wie dem Aralsee.

Am Nachmittag erwischte uns eine kräftige Böhe und drückte uns fast von der Straße…

Es zieht ein Gewitter auf und das 20 km vor unserem Ziel. Mist, wir beschließen abzuwettern. Links ab auf den Parkplatz. Wir schauen zu den Häusern, die dort stehen, evtl. kommen wir da unter.

Und ob! Die eine Hütte entpuppte sich als Restaurant (oder so etwas ähnliches). Klasse … abwettern mit Fisch und Burger. Nach einer Stunde wagen wir es und kommen trocken in der Unterkunft an. Es ist wie so oft ein – 5 Sterne Hotel. Der „Hoteldrachen“ begrüßte uns mit den Worten: „Es gibt nur kaltes Wasser und Frühstück gibt es auch nicht“. Bestens, genau das haben wir gesucht. Wir nehmen es.

Wir sind in Atyrau. Mitten durch Atyrau fließt der Ural und der trennt geografisch gesehen Asien von Europa. Heute am Ural haben wir schon mal nach Europa geschaut. Morgen setzen wir dann über.

Gute Nacht, Os8er!

Tag 28… Zurück in Kasachstan

Ja … zu fünft haben wir im Bahnhof genächtigt. Warum nun die Anderen da waren? Keine Ahnung … vielleicht, um uns Frühstück zu machen, das haben sie nämlich gemacht. Wir packten in aller Ruhe zusammen. Der Ersatzsprit wird in die Tanks gefüllt und los geht es. 60 km noch bis zur Grenze … 60 km Kackstraße. Es zieht sich. Wir versuchen, eine Ideallinie zwischen den Schlaglöchern zu finden. Doch bald nimmt die Dichte so zu, das wir nur mit Schrittgeschwindigkeit vorwärts kommen. Je näher wir der Grenze kommen, desto gewagter der Fahrstiel der „Mitbewerber“. Da werden Überholmanöver durch die Schlaglöcher gestartet, um noch einen Platz vor der Grenze gut zu machen. Wir sind gechillt … fahren unseren „Stiefel“.

Mist… schon wieder umgewöhnen!

Bald ist die Grenze erreicht. Eine lange Schlange hat sich schon gebildet. Frech fahren wir an ihr vorbei und werden auch gleich bevorzugt behandelt. An diesen Service kann man sich gewöhnen. Die Grenzer sind locker und lotzen uns durch das Prozedere. Erneut müssen wir so einige Formulare ausfüllen und diverse Fragen beantworten. Fast wie immer werfen Sie einen Blick in die Koffer, zeigen sich aber nicht wirklich interessiert. Schnell sind wir in Kasachstan und das auf einer nagelneuen Straße.

Bejneu … die erste größere Ortschaft hinter der Grenze. Sie ist keine Schönheit … nein, sie ist sogar häßlich. Wir suchen was zum Essen und finden eine Pizzeria. Die Bestellung gestaltete sich schwierig. Die junge Bedienung zeigte sich sehr bemüht, war jedoch mit den „Germans“ sichtlich überfordert. Am Ende hatten wir die doppelte Menge an Pizzen und ließen uns den Überschuss einpacken. Nun brüten wir über der Karte. Fahren wir weiter, müssen wir mindestens 220 km bis zur nächsten größeren Ortschaft machen. Wir entscheiden uns in Bejneu zu bleiben. Endlich duschen und ein paar Klamotten waschen, das könnte uns nach vorne bringen. Morgen gehen wir es an. Morgen wollen wir versuchen, Atyrau zu erreichen (430 km).

8er

Ornithologisch wars toll an der kleinen Bahnstation … Steppenweihen, Steppenkiebitze und viele Kleinvögel, z. B. Taigazilpzalpe und Feldrohrsänger …

Gute Nacht, Os8er

Tag 27… Am Ende der Straße

Erst einmal, uns geht es besser… sogar gut! Frisch und voller Kraft verlassen wir Chiwa. Wir wollen Richtung Westen … so lange wir Lust haben. Und wir hatten Lust. 520 km durch die Kysylkum Wüste. Nix außer Sand und trockenes Gestrüpp … und 8er im Rückspiegel.

Text 8er

Ne ne, da muss ich mal einhacken, die Wüste lebt, immer wieder zeigt es sich und während Oser sich um die Landschaft kümmert, bewaffne ich mich mit meiner großen Kamera, um z. B. Steppenadler, Wüstenspringmäuse, oder Thekalerchen zu erwischen. Es ist für mich eine unglaubliche Bereicherung der Reise und unser gemeinsames Interesse an der Fotografie verbindet uns in besonderer Weise…

Die weißen Wolken formen sich immer wieder neu und regen unsere Fantasie an. Kamele und Dromedare kreuzen die Fahrbahn … und das Licht wird immer besser. Wir machen Pausen und genießen die Stille. Hier könnte man „Schwiegermutter“ verschwinden lassen … die findet man nie wieder.

Es wird dunkel. Wir entdecken einen vergilbten Wegweiser, der links ab in die Wüste zeigt. Einer der schlechtesten „Feldwege“ meines Lebens führt uns Richtung eines kleinen Dorfes … mitten in der Kysylkum Wüste. Wie in einer Oase sind Bäume zu erkennen.

Angekommen, die Ernüchterung. Ein paar verfallene Häuser und ein Bahnhof, wo kaum noch was läuft. Aber das Dorf ist bewohnt. Als wir da so ratlos stehen, bekommen wir Besuch. Ein Bewohner radelt mit seinem Drahtesel durch ein paar Hühner in der Abendsonne langsam auf uns zu. 8er machte wortlos eine Geste, die zeigt, daß wir was für die Nacht suchen. Der Mann zeigt wortlos auf das Bahnhofsgebäude. Ich musste sofort an „Stephen King“ denken.

Der Bahnhof aus den 60ern war komplett leer, ein großer Raum. Dankend nehmen wir an und breiten in einer Ecke unsere Schlafsäcke aus. Schnell sprach sich unsere Ankunft im Dorf rum. Aus allen Ecken kommen sie, um uns zu begutachten. (Ich sage nur Stephen King). Hier, 120 km von der nächsten Ortschaft weg passiert nicht viel, da sorgt das Os8er Gespann auf ihren „Raumschiffen“ schon für Aufsehen.

Plötzlich schleppten einige Männer Betten, Madratzen und ne Menge anderen Kram in den Raum. Es wird auch eine Glühbirne besorgt, um Licht zu haben. Der erste Eindruck täuscht! … es ist nicht für uns, es ist für sie selbst. Einige Männer wollten nun auch hier schlafen. Wir stehen etwas ratlos vor dieser Situation und wissen nicht, was hier abgeht. 8er versucht irgendetwas heraus zu bekommen. Doch hier ist Englisch so gar nicht angesagt. Wir geben auf und schauen uns erst einmal die Mopeds an.

Mich hat es nämlich erwischt … bzw. meine Felge. Eine recht große Macke hat eines dieser Schlaglöcher hinterlassen. Felgenrand verbogen, als ob ich mit 100 km/h frontal einen hohen Bordstein genommen hätte. Immerhin hält das Rad noch die Luft. Sofort kommen die „Dorfprofis“ mit einem Motteck und wollen helfen. Ok, dachte ich, bau ich mal das Vorderrad aus und sehe mir mal an, was passiert. Mit gezielten Schlägen wird die Felge bearbeitet. Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber es bringt mich weiter. Wenn es um sowas geht, können Sie hier aus „Scheiße Gold machen“.

Je länger wir mit den Dörflern zu tun haben, desto entspannter sind wir. Sie sind klasse, helfen wo sie können, klettern auf unseren Strom’s rum, machen Fotos und fragen … Fragen, die wir nicht verstehen und freuen sich scheinbar um so mehr. (da gingen bestimmt einige Sprüche auf unsere Kosten) und als wir uns zur Nacht am Bahnhof fertig machten, kehrte auch Ruhe ein.

Gute Nacht, Os8er

Tag 26… Durch ist nicht gleich durch

Wir dachten, wir wären über den Berg … Pustekuchen! 8er hatte ne scheiß Nacht (in wahrsten Sinne) und mich ereilte es am Morgen. Trotzdem wagten wir einen Gang über den Markt. Den Markt kennen wir schon flüchtig.

Bei der Anreise nach Chiwa lotzte uns mein Navi über diesen Markt. Schnell steckten wir in den Gassen fest. Es gab kein Zurück, Wenden nicht möglich. Ca. 400 Meter drängelten wir uns durch Menschenmassen und hatten Angst, mit den Koffern das Gemüse abzuräumen. Erstaunlich gelassen nehmen die Menschen das Ereignis hin … machen Platz. Für uns war das purer Streß.

Die Schweißperlen auf der Stirn wandelte sich zu kleinen Bächen. Kann sich jemand vorstellen wie lang 400 Meter seien können? Laaang! Wir haben es geschafft und mussten erst einmal laut lachen … was für ein Wahnsinn!

Aber jetzt sind wir zu Fuß wieder zurück. Ein Markt, wie man sich für so einen Ort vorstellt. Es gibt hier alles. Von Obst über Fisch, Klamotten bis mp3 Player … und das auf einer Fläche eines Fußballfeldes. Wir brauchen Bananen! Das hat Oma schon gesagt, Bananen helfen, wenn man ausläuft. Aber auf einem Markt, wo die Dinger in Stauden verkauft werden, zwei Bananen zu kaufen, ist nicht leicht. Aber wir haben sie und zwei Äpfel noch dazu! … Geht doch.

Zurück im Hostel werden wir erst einmal umsorgt. Hostel Mama macht uns Reis und versorgt uns mit heimischen Medis. Alle sind hier bemüht und wir werden bemuttert. Am Abend mit Bananen und Reis intus fühlen wir uns fast wie neu. Nochmals geht es in die Altstadt. Wir treffen uns mit einer Truppe aus dem Algäu. Sie sind mit Moppeds Richtung Mongolei unterwegs. Bei Bier und Cola hatten wir eine gute Zeit. Morgen stürzen wir uns wieder ins Abenteuer. Grob visieren wir die nächste Grenze an.

Ach ja, 8er hat jetzt einen neuen Hut!

Gute Nacht, Os8er

Tag 25… 500 km Wüste

Morgens um 6.00 Uhr brummen schon unsere Motoren. Es ist noch etwas frisch und die Sonne geht gerade auf. Schnell sind wir aus der Stadt und leider lassen die Straßen nichts Gutes erhoffen.

Schlaglochpiste … damit kennen wir uns ja aus. Mit 60 km/h bahnen wir uns unseren Weg durch den Flicken-Asphalt. Jede Unachtsamkeit wird sofort mit einem kräftigen Schlag ins Federwerk bestraft. Ahh… Eine Tanke, die wirklich Sprit hat. Nochmal voll bitte, wer weiß wann es den begehrten Saft das nächste mal wieder gibt.

Überraschung! … Wir sind auf so etwas wie ne Autobahn getroffen. Unverhofft können wir Stoff geben … und das tun wir. Mit teilweise 140 km/h kacheln wir über eine leere Bahn durch die Kysylkum Wüste. Wir kommen gut voran und machen richtig Zeit gut. Die rasante Fahrt gibt es aber nicht für umsonst. Plötzlich blinkt die Reserve … Mist, eine Tanke muss her! Zwar haben wir unter unserem Gepäck noch Ersatzsprit im Kanister, aber das Abrödeln möchten wir uns ersparen.

Erste Tanke … erste Entäuschung … zu. Die zweite … nur Gas. Als es richtig eng wurde, erscheint das Schild „Benzin“. Puhh, letzter Drücker. 22 Liter getankt… bei einem 22 Liter Tank. Jedoch gibt es nur 80 Oktan. Aber die Stroms schlucken auch das … sind nur etwas kraftloser und lassen sich untertourig nicht bewegen. Weiter geht es. Wir erreichen Chiwa gegen frühen Nachmittag.

Hostelsuche. Wir fragen, halten an und suchen. Plötzlich ist wieder das Batterieproblem da … also anschieben. Doch mit der 80er Plürre will die Strom nicht so wirklich anspringen. Anschiebehilfe kommt von einer deutschen Reisegruppe. Die Karre läuft … jedoch hat sich der hilfsbereite Siggy (76) dabei überschlagen. Bis der Rettungswagen eintrifft, leistete 8er erste Hilfe. Der Kreislauf sackte immer wieder ab. Später trafen wir ihn in Chiwa wieder. Zum Glück geht es ihm, bis auf eine Schulterprellung, wieder gut und er scherzte auch wieder. Wir werden in Kontakt bleiben.

Chiwa … die letzte Kultur-Stadt unserer Usbekistan Etappe. Die 2500 Jahre alte Oasenstadt ist noch so wie zur Hochzeit der Seidenstraße. Erstaunlich wenig los für so eine einzigartige Kulisse. Viele kleine Händler buhlen um die recht überschaubaren Touristen. Leider bieten diese jedoch eher Tourikram an. Buchara war da mit seinem Kunsthandwerk ansprechender. Zu sehen gibt es aber eine Menge. An jeder Ecke funkeln die tüpisch türkisfabenden Kacheln. Wir fanden immer wieder neue Perspektiven in verwinkelten Ecken. Architektonisch gesehen das Highlight unserer Reise.

Und dann trafen wir auf Uwe und Rosa aus Deutschland. Die beiden sind mit ihren BMW’s unsere zukünftige Strecke schon gefahren. Wir tauschten wichtige Infos aus und verbrachten eine gute Zeit bei Bier und einem guten Happen. Eins steht fest… einfacher wird es nicht für uns. Eine gute Weiterreise wünschen wir!

Text 8er

Hunde … Hunde gibt es hier und was für welche. Als Motorrad Fahrer lebt man gefährlich, das weiß jeder. Doch hier ist die Gefahr viel größer. Mich hat es heute fast erwischt, während das doggengrosse weiße Monster Oser noch nicht recht wahrnimmt, setzt er bei mir sofort zum Sprint an … und er schafft es, erreicht mein Bein, das Zubeissen konnte ich gerade noch durch Zurückziehen verhindern. Noch vor dem Adrenalinabbau steht ein recht kleiner Vierbeiner mitten auf der Fahrbahn. Ein entgegenkommender LKW hupt, wodurch er mir direkt vor das Vorderrad läuft … wieder Glück gehabt, konnte den begonnenen Stresshormonabbau in Ruhe fortsetzen.

Irgendwie scheinen sie 8er’s „Strom“ anziehender zu finden … einfach zum Reinbeißen … oder den letzten beißen die Hunde.

Gute Nacht, Os8er

Tag 24… Ruhe vor dem Sturm

Auszeit … So nennen wir diesen Tag. Wir gammeln im Hotel … regenerieren uns. 8er kämpft noch immer gegen das „Böse“ in seinem Körper und scheint gegen Nachmittag die Oberhand zu gewinnen. Ich hatte da mehr Glück und war schon am Morgen durch.

Bevor es knapp wird, haben wir nochmal Geld besorgt. Wir haben zwar noch Armbanduhren, aber in so Touristischen Orten singt die Chance auf so einen Deal. Die V-Stroms sind gechekt, Kette noch mal gepflegt. Morgen wollen wir die 500 km nach Chiwa abreiten. Das wird der Ritt durch die Kysylkum Wüste. Eins macht uns jedoch Sorgen, Spritmangel an den Tankstellen. Rechnerisch müsste es mit der Reserve hinten drauf klappen … rechnerisch. Jedoch könnten starker Gegenwind oder Umwege, Baustellen das Rechnerische aus der Bahn werfen. Wir werden es angehen und ihr werdet es erfahren.

Auch Wasser muß in ausreichender Menge mit dabei sein. Ein Defekt auf dieser Strecke, eine längere Zwangspause … Wir sollten auf alles vorbereitet sein.

Versicherung … ja, ein leidiges Thema. Es sollte so sein, das hinter jeden Grenze in den „Stan-Ländern“ eine Haftpflicht abgeschlossen werden muß und auch kann. Tja … wir fahren seit Kirgisistan ohne. Nicht das wir nicht wollten … oh doch, nur in Kirgisistan hieß es „sowas haben wir hier nicht und wenn ihr eine Versicherung finden würdet, würden die nicht zahlen“. In Usbekistan haben wir die Suche auch aufgeben müssen. Das macht das Leben spannend. Bis jetzt gab es auch nur ein paar Beinahunfälle im Stadtverkehr… harmlos.

So … nochmal rein ins Getümmel! Nachdem es uns wieder besser geht, besuchen wir nochmals die Basare Buchara’s. Das Wetter… angenehme 28°C. Und da war es … 8er ist hin und weg! Er wirkte wie ein kleines Kind, was sich die Nase an der Schaufensterscheibe platt drückt und träumt. Nur sein Traum hatte er schnell in der Hand … und es ist ein Traum. In einer alten Schmiede entdeckte er sein Messer. Ein Messer direkt aus der Esse entsprungen … und gemacht für einen Biker, geschmiedet aus einer Motorradkette. Nach zähen Verhandlungen war es seins. Ein Einzelstück ohne gleichen.

Mit ein wenig Wehmut verlassen wir morgen in den frühen Morgenstunden Buchara. Ja … der Tourismus hat auch Buchara erreicht, doch kein Vergleich zu den Touristenzielen in Europa. Es ist tatsächlich noch ein Geheimtipp. Und wenn es nach uns geht, sollte es noch lange so bleiben. Es tut der Stadt gut.

Gute Nacht, Os8er

Tag 23… Auf Eis gelegt

7.00 Uhr morgens. Fast wie immer, ist 8er schon auf den Beinen. Dieses Mal sogar recht schnell auf diesen. Da ist es! Eigentlich haben wir in der Mongolei damit gerechnet oder in Kirgisistan. Nein, 8er holte sich den Dünnpfiff in Samarkand! Hier, wo alles so sauber und geordnet wirkt. Es wird das Eis gewesen sein … Marke Salmo ;-). Es ist wie es ist … noch ein Toilettengang zum Abschied und den Stier bei den Hörnern gepackt. Es sind ja „nur 260 km“ bis Buchara. Mishka, aus dem Hostel verabschiede uns und es geht los.

Die 260 km zogen sich und 8er wirkte echt verkrampft auf seinem Moped. Auf der Bahn hörte ich immer wieder in mich rein, habe ich doch auch das Eis gegessen … aber nix. 8er hingegen nutzte jede Pause. Angekommen in Buchara müssen wir erst einmal „unsere Wunden lecken“. Es ist noch recht früh (14.00 Uhr) und wir haben noch Zeit, um durch die Stadt zu ziehen.

8er fühlt sich bereit … mir geht es gut und wir stiefeln los. Buchara wirkt bei weitem nicht so überlaufen wie Samarkand. Die kleinen Gassen mit den verschiedenen Künstlern, Krämern und Händlern wirken wie aus einer anderen Zeit. Dazwischen immer wieder historische Bauten wie z.B. das Kalon-Minarett oder der Madrasa Chahor Minor. Soweit so gut und jetzt grummelt es auch bei mir … Mist.

Langsam sollten wir den Rückweg einschlagen, sonst wird es bei uns durchschlagen. Doch Backen zusammen und durch. Na super… da ist der Barbier, auf den wir gewartet haben … gerade jetzt. Das muß jetzt sein! Kurz in uns gehorcht, abgecheckt und schwuptiwup sitzen wir auf dem Babier-Trohn und lassen uns verwöhnen. Während oben die Messer gewetzt werden, halten wir unten dicht. Routiniert wirbelt Herr Barbier seine Klinge durch unser Gesicht. Hinterher wird dieses noch kräftig durchgeknetet … fertig! 8er bekommt eine Kopf Runderneuerung (Haare auch). Eine tolle Erfahrung. Nicht unbedingt das Rasieren an sich, sondern vielmehr die Atmosphäre.

Jetzt aber los … ins Hotel. Wir wackeln mit zusammengekniffenen Backen im Stechschritt die Allee hoch und erreichen auf den letzten „Drücker“ das rettende Klo. Willkommen in Buchara.

Als wenn das nicht reichen würde erwischte 8er noch die Migräne. Medizinisch sind wir gut ausgerüstet und gerade für solche Beschwerden. Zum Glück haben wir kein Zeitdruck und hatten im Vorfeld schon beschlossen, zwei Nächte hier zu bleiben. Die brauchen wir auch… Zeit, um uns auszukurieren.

Gute Nacht, Os8er

Tag 22… Samarkand

Samerkand! Zwei Jahre ist es jetzt her, wo 8er mir diese Stadt vor den Latz geknallt hat. Und jetzt stehen wir hier! Es war ein langer Weg und damit meine ich nicht die 7200 km von Ulaanbaatar bis Samarkand . Ich meine die Vorbereitungen, die Planung, Visa, Carnet de Passage, Versicherung, Motorräder… ich könnte noch weiter machen, aber ihr wisst, was ich meine. Wir sind es angegangen und stehen auf dem Registan-Platz in Samerkant … ein tolles Gefühl!

Was sofort auffällt sind die anderen Touris. Es ist ganz ungewohnt, zwei von vielen zu sein. Die letzten Wochen waren wir alles andere als zwei von vielen. Es ist aber auch ganz schön, anonym in der Masse abzutauchen. Nachdem wir ein erstes Auge auf die Stadt geworfen hatten, zogen wir uns bis zur Dunkelheit zurück, denn am Abend wird alles beleuchtet sein. Und das war eine gute Entscheidung. Am Abend kommt das ganze nochmal richtig gut.

Den Abend zogen wir unsere Kreise. Immer auf der Suche nach Fotomotiven und neuen Perspektiven. Statt Abendbrot gab es eine Riesenportion Eis. 3000 Som kostete der Apparat … immerhin 30 Cent.

Morgen geht es nach Buchara. Dort wollen wir zwei Nächte buchen und unsere Batterien (nicht die vom Motorrad) volltanken. Evtl. steht auch ein Besuch beim Barbier an … schauen wir mal.

Der Weg von Angren bis Samerkand war nicht aufregend. Obwohl wir uns (wie vor jedem neuen Land) vorgenommen hatten, an die Geschwindigkeitsvorgaben zu halten, gelang es auch dieses Mal nicht. Mit 130 km/h kamen wir gut voran. Werden wir mal angehalten, setzt 8er seine Superkräfte ein. Er überrumpelt die Bullizei mit Überfreundlichkeit, Charmbomben und Witz. Als Geheimwaffe haben wir noch unsere Sticker mit der Reiseroute … dann eröffne ich eine zweite Front und es klappt! Recht schnell wünschen sie eine gute Weiterreise und sind froh, uns los zu sein. Den Grund des Anhaltens haben sie in dem ganzen Wirrwarr aus dem Blick verloren.

Mist … wie sehe ich denn aus?! Ich kann das Motorrafahren mit Sonnenbrille aus esthetischen Gründen nicht empfehlen!

Gute Nacht, Os8er

Tag 21… Lagerkoller

Weiter… immer weiter Richtung Westen … Usbekistan Richtung Samarkand. Was in Kirgisistan die Kinder sind, sind hier die Männer. Wir sind da, wo es hupt. Alle hupen .. , die, die uns entgegen kommen oder die, die uns überholen und immer sehen wir „Daumen hoch“.

Die Krönung war ein Vogel auf einer 125er, der musste uns während der Fahrt filmen … überholte uns, bremste uns aus mit der Bitte um ein Selfi. Zugleich hielten dann noch zwei Autos und alle kamen mit ihren Smartphones. Wir fühlten uns wie „Tokio Hotel“ in ihren besten Zeiten vor einem Mädcheninternat. Nur unsere Groupies hatten tiefere Stimmen und mehr Körperbehaarung. Nett sind sie ja, aber geil ist anders. Da hatte es „Tokio Hotel“ besser getroffen.

So … Tanken in Usbekistan. Die großen Tanken haben hier nur Gas. Methan wird zum verhassten Wort, dort gibt es nur Autogas. Das große Gasvorkommen in Usbekistan führte dazu, daß fast alle Autos hier mit dem Zeug fahren. Benzin ist rar und wird an irgendwelchen Ecken verscherbelt und die muss man finden. Fragen hilft … viel Fragen hilft nicht immer viel. Oft bekommen wir unterschiedliche Antworten. Hinterher sind wir viel ratloser. Vor allem die Kilometer-Angaben sind mit Vorsicht zu genießen. 3 km in die Richtung sind nicht selten 10 km. Den Sprit haben wir trotzdem bekommen, aber wir mussten warten. Der dicke Tankward musste erst einmal mit dem Fahrrad eintrudeln. 91 Oktan müssen unsere Suzis jetzt verdauen und das ist hier der „Gute“. Ich denke, von 91 Oktan werden wir später noch träumen.

Das liebe Geld. In Usbekistan zahlen wir in Som. 1000 Som sind umgerechnet 10 Cent. Will mann 100 € in Som tauschen, sollte man ne Tüte mitnehmen. Ich habe mich schon gewundert, warum hier so viele Männer mit hässlichen kleinen Täschchen rumrennen … tja, zwei Bierchen kosten ein paar Scheine.

Geld tauschen ist auch kein Problem. In größeren Ortschaften werden wir auf der Straße angesprochen. Dollar… Som? Der Kurs ist meist besser als auf der Bank. Sie nehmen keine alt aussehenden Dollarscheine … nur Frischwahre.

Text 8er

Es beginnt mit einem Kratzen und einem ekligen metallischem Schaben aus dem Bereich der Gabel. Ab und zu kombiniert mit einem spürbaren Wiederstand. Ich signalisiere Oser anzuhalten. Nach einem Frustessen machen wir uns an die Fehlersuche. Überall wird gewackelt und geruckelt. Das Vorderrad hat Spiel, zu viel Spiel. Die üble Diagnose … RADLAGERSCHADEN. Vor Ort ist nichts machbar. Mit 70 km/h eiern wir ins Tal, 40 km noch bis Angren. Meine Gedanken und Gefühle überschlagen sich: Ist das möglicherweise das Aus? Nein, Uwe wird eins schicken, wir werden nur einige Tage warten müssen … Was ist, wenn das Lager frisst und nun das Vorderrad blockiert? Gerade heute, wo ich keine Protektorenhose anhabe. Oser fährt ja hinterher, es wird schon gut gehen. Endlich erreichen wir den Ort, finden auch recht schnell eine Art Hotel. Auf dem Hinterhof baut Oser das Rad aus und wir haben freie Sicht auf das Lager. Die ganze Misere ist sichtbar. Das Lager hat bereits begonnen, sich selbst zu fressen. Teile des Kugelkäfigs und 2 Kugeln sind bereits verdaut. Das ganze „SCHÜTTGUT“ (Insider für Ekkehard) liegt vor uns.

Mit unbeschreiblicher Hilfsbereitschaft geht’s per Taxi samt Rad und Hotel-Bruder zur ersten Werkstatt. Wie bei der 2ten wird abgewunken. Dann kommen wir auf einen öligen Hinterhof. Zwei ebenfalls ölige Schrauber lassen sofort alles stehen und liegen, kümmern sich um mein Rad. Mein Hinweis, zum Abziehen des Lagers das Rad doch besser warm zu machen, wird lächeld ignoriert. Vier harte Schläge … aus, raus ist es. Sogleich werde ich in ein uriges Teileverkaufsgeschäft geleitet. Hier zeige ich das Schüttgutlager vor. Der „Fachmann“ steckt den Finger in die Wellenöffnung, holt eine alte Packkiste und zeigt einen Finger. Nein bitte gleich 2, man weiß ja nie,… Gut, ein 2tes hat er auch noch. Umgerechnet 6,- € sind fällig. Hoffentlich passt das, er hat doch gar nicht gemessen! Zurück in der Werkstatt wird nicht lange gefackelt, 4 harte Hammerschläge und es sitzt. 45 Minuten später ist alles erledigt. Oser staunt nicht schlecht.

Da muss ich nochmal was zum Hotel schreiben. Wir fanden es nach etwas Suchen recht schnell. Es steht mitten in einem „Problem Viertel“ und als wir halten, werden wir von ca. einem Dutzend Kinder belagert. Frech waren sie, aber auch unglaublich neugierig. Sie quatschen uns die ganze Zeit voll … Saßen bei der Reperatur neben uns und boten ihre Süßigkeiten an. Zu Anfang nervte, sie ein wenig, zum Schluss vermissten wir sie ein wenig.

Viele Moldawier sind im Hotel. Sie gehören alle mehr oder weniger zu den Betreibern … der Familie, und das war unser Glück! Sie waren alle sehr hilfsbereit. Ohne sie wäre die Radlager-Geschichte nicht so reibungslos verlaufen. Der Dank geht an uch, „Elba Mexmonxonasi“!

Heute wieder schön ein 50% Bad genossen. Zwergenjochen 8er hatte immerhin ein 75% Bad gehabt.

Gute Nacht, Os8er

Tag 20… Tschüß Kirgisistan und Danke!

Wieder früh raus. Heute Morgen steht noch ein Batterietausch an. Das alte Problem mit 8er’s Suzi. Ruckzuck ist die Sache gemacht und zack waren wir wieder unterwegs. Es geht genau so schön weiter wie es gestern endete. Berge, Seen und Kurven. Nach ca. 100 km ändert sich das… das Land wird flacher und der Verkehr nahm zu.

Die erste Grenze rüber zu Usbekistan war nix… nur für Fußgänger… mist! Also weitere 170km nach Osh… und die waren nicht ohne. Nebenbei ist heute in Kirgisistan Einschulung und Schulanfang. Überall stehen Kinder in ihren schwarzweißen Uniformen, herausgeputzt mit Bommeln im Haar oder schwarzem Anzug mit weißem Hemd. Viele winkten uns zu, wenn sie uns sahen … und wir zurück und wir mussten viel winken.

Aber nicht nur bei den Schulkindern erregten wir Aufmerksamkeit. Es hupten die Autos, grüßten uns oder machten “Daumen Hoch“…, unglaublich viele Menschen nahmen Notiz von uns.

14.00 Uhr, Staub und Hitze, stockender Verkehr und wir mitten drin. Um uns aus dieser Lage schnellstmöglich zu befreien, ging es wieder in dritter Reihe vorbei oder quer durch …nur das wollten alle. Dazwischen immer noch Fußgänger. Wir mussten höllisch aufpassen, es ging kreuz und quer. Was für ein Chaos! … und die Bullizei spielte auch noch mit. Gefühlt standen sie alle 10 km mit der Kelle und zogen sich die “Bad Boys“ raus. Wir hatten richtig Glück, dass sie uns nicht erwischt haben. Denn verkehrstechnisch waren wir “Bad Boys“.

Endlich … Osh! Doch auch da müssen wir erst durch, um an die Grenze zu kommen und das zur besten Zeit. Schweiß auf der Stirn … und nicht nur da. Drängeln, Hupen und nebenbei freundlich Zurückwinken, das stresst. Und plötzlich ist sie da… die Grenze. Und plötzlich ist sie platt … 8er’s Batterie!…Mist. Wir beschließen, vor der Grenze nochmal die Batterie zu tauschen.

WERBUNG

Gutes Öl nachgekippt!

Nicht nur die Bullizei will gut geschmiert werden…

oder….

Öl für den Grenzbereich.

Einen hab ich noch…

Willst du viel, spühl mit… Ach ne, das war was anderes.

Werbung aus.

An der Grenze ist die Hölle los. Ein Andrang sondergleichen, wie wir es noch nicht erlebt haben. 8er nutzte die Gelegenheit und sprach direkt einen Grenzer an. Wie der richtige Tonfall doch Tore öffnen kann. Schwups „the Germans“ standen vorne und bekamen eine “Sonderabfertigung“ mit Privatzöllner. Wow…schnell waren wir durch und auch die Usbekische Seite behandelte uns bevorzugt. Ein Späßchen hier, ein Lacher da. Besonders beeindruckt waren sie aber von unserer Reiseroute. “Mongolia to Germany?“… Crazy Guys. Aber, was soll ich sagen … 45min! … Hammer. Ein Sorry für all die Menschen, die wohl jetzt noch an der Grenze stehen.

Noch 30 km bis nach Andijan, da wollen wir unser Nachtlager aufschlagen. In Andijan sprechen wir den ersten an, der aussieht als kenne er sich aus und er führte uns auch gleich zu einem Hotel. Unterwegs hat er gleich mal für uns telefonisch und ein Zimmer gebucht. Vor dem Hotel gab es noch ein Selfi mit dem Guide und wir tauschten Nummern aus. Nach den letzten „Absteigen“ hatten wir jetzt ein richtiges Hotel! Erst mal in den Pool und danach über den Markt. Die Gerüche des Orients wehten uns um die Nase. So lassen wir uns das gefallen.

Gedanken eines 8er’s

Von wegen Kopf frei!

Was denkt man eigentlich, in all den vielen Stunden, in denen man auf dem Motorrad sitzt? Erst einmal ist da der Oser und die Strasse, wo fährt er, wann kommt das nächste Schlagloch, wie ist der Strassenbelag, greift der Hund am Straßenrand an, oder bleibt er liegen? Laufen die Pferde auf die Fahrbahn? Was macht der Gegenverkehr? Das alles geschieht mehr oder weniger automatisch … bis z.B. der Hund doch mal wieder angreift. Doch dann gibt es den “Landschaftsflash“, ein unbeschreibliches Glücksgefühl über das, was dort vorbeizieht und die Freude darüber, es mit Oser später teilen zu können. Bei geringem Verkehr, was z.B. in Kirgisistan fast immer der Fall war, kommen intensive Gedanken an Familie, Freunde und Momente hinzu, bis hin zu philosophischen Gedanken und Zukunftsplanungen. Durch das viele Fahradrinalin denkt man viel klarer und intensiver als sonst, Entscheidungen fallen leichter und die Gewichtung ist oft eine andere. Ist es besonders anstrengend, malträtiert die Rappelpiste stundenlang die Wirbelsäule, ist es nur der Wunsch nach Besserung des Untergrundes, der alles beherrscht. Ein Infragestellen des gesamten Unternehmens gab es bisher nicht. Die vielen grandiosen Momente überragen alles! Ob das der Oser auch so empfindet? Sag mal wie siehst Du das?

Gruß, 8er

Tja, wie sehe ich das. 8er hat schon recht. Den Kopf habe ich auch nie frei. Neben all den Gedanken, was das Fahren, die Strecke und das Ziel angeht, werden auch schwergewichtige Themen gewälzt. Zukunft, Arbeit, Liebe. Es ist eine Art der Meditation. Ich finde meine innere Ruhe, während die Landschaft an mir vorbeizieht. Ich bin froh, dass wir uns gegen ein Headset entschieden haben und uns somit enorm viel Freiraum schaffen. Dafür ist der Austausch mit 8er abends am Feuer, im Zelt oder auch mal bei einen Bier um so intensiver. Der Tag wird reflektiert, Situationen aufgegriffen. Und wenn ich nach einer langen Fahrt mal einen Knoten im Kopf habe, hilft mir das abendliche Gespräch mit 8er oft weiter.

Nebenbei.

Mit Handschuhen lässt sich mit dem Smartphone kein Foto machen. Ihr könnt aber die Nase nehmen. Nur Selfies kommen seltsam rüber.

Gute Nacht, Os8er

Tag 19… Ohne Worte

Die Sportschau ist beendet, Kara Barta schläft noch und wir quälen uns aus den Betten … denn diese waren tatsächlich so übel, wie sie aussahen. Wir mussten unsere Felle in die Madratzenkuhle legen, damit es einigermaßen erträglich wurde. Aber die Nacht ist geschafft. Wir reiten los Richtung Süden. Morgens um 7.30 Uhr ist die Stadt noch leer und wir kommen gut raus. Ab jetzt sind wir auf dem Pamier-Highway unterwegs und der führt uns gleich mal auf über 3000 m.

Scheiße, ist das kalt hier, aber der Ausblick läßt uns grinsen. Endlich kommt die Sonne durch. Es sind nur ein paar Strahlen, aber das macht den Unterschied zwischen erträglich kalt und scheiße kalt. Wir machen Fotostops und bewegen uns im Kurvenmodus Richtung Tal. Bemerkenswert, wie schnell mit sinkender Höhe die Temperaturen steigen. Dann liegt er vor uns, der Too Ashuu Nationalpark. Ich möchte nicht Mega oder Giga dafür benutzen … ist eher der Wortschatz der Teenies, aber das wäre schon treffend.

Eine Hochebene flankiert von 4000ern mit vereinzelten Jurten und kleinen Jurten-Dörfern. Dazwischen Herden von Schafen und Pferden … und eine Straße, die sogar eine Fireblade glücklich machen würde.

Nach 250 km feinste Kost, einem Frühstück von der Marke „Bombe“ kommen wir an den Toktogul See … und der setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Ein türkis blauer See mitten in den gelben Bergen.

Ja, hier soll unsere nächste Nacht werden. Vorher machten wir nochmals Halt an einem Melonenstand. “Eine kleine Melone bitte“… haben wir gelacht. Die Dinger hier sind riesig! Wir nahmen den kleinsten Riesen und versuchten das Ding hinten unter die Gummis zu schnallen. Nach etwas Gerumpel gelang dieses auch … ich fuhr hinterher und überlegte ehrlich: Fangen?… oder Kicken? Geschlachtet haben wir sie dann an einem lauschigen Plätzchen. Die Hälfte bekamen wir rein. Wir fühlten uns wie gestopfte Gänse, die andere Hälfte schnallten wir hinten drauf. Lecker sind die Dinger ja. Mit Wassermelonenbauch geht es weiter … irgendwie ist mir kodderig.

Mit der Suche nach einer Bleibe haben wir fast, wie immer, so unser Problem. Touristen sind in Kirgisistan immer noch rar gesäht. Sie sind auf uns nicht eingestellt, aber langsam tut sich was. Nach einigem Fragen bei den Einheimischen wurden die “Germans“ fündig. Ohne WLAN, dafür aber mit Badewanne … für 8er. Für mich eher ein Sitzbad, wenn da nicht das Temperaturproblem wäre.

Das Wasser wurde einfach nicht warm. Kurzerhand klaute 8er einen Wasserkocher aus der Küche und dem Bad, wie aus Omas Zeiten, stand nichts mehr im Wege. Der eine lag jeweils in der Wanne und der andere machte den Warm-Wasser-Kellner.

Erneut haben wir Geldprobleme. An der Tanke geht oft nur Bares. Die Unterkunft konnte 8er zum Glück in Dollar bezahlen. Puh, Glück gehabt. So, jetzt essen. Hier am See gibt es reichlich Fisch. An der Straße hängen die kleinen Stände ihren Räucherfisch zum Verkauf raus und auf Fisch haben wir Bock. Wir steuern so ein Freiluft Restaurant an und 8er macht es schon wieder! Er machte alles klar. Eine Uhr für Essen und Tee … und der Chef schlägt ein. Es wurde aufgetischt … Fisch ohne Ende, 8er kommt aus dem Schwärmen nicht mehr raus „best Fish ever“… und er hat recht. Ein Hammer Essen für eine Armbanduhr. Eine Schreckminute gab es aber doch. Der Besitzer (klein, kräftig, unrasiert und im Unterhemd) stand mit der Uhr und einem Wassereimer da und meinte „I test it, I test it“. Nöö … äm, evtl. äm … vielleicht lieber nicht. Er grinste, als ob er ahnte, keine Breitling ergattert zu haben und ging. Aber Hey, Kernschrott ist die Uhr nun auch nicht. Hmm … komische Situation.

Am See muß man schwimmen … richtig. Und das taten wir auch. Das Wasser war herrlich und die Sonne knallte. Wir trafen auf zwei Hippies aus England. Nette Gespräche und sie hatten unseren Humor. Ein Bettgeh Bier noch und den Vorhang zu.

Nun zu unserer vitalen Verfassung. Uns geht es gut. 8er ist sein „Popeye“ Arm wieder los … die Wespengeschichte hat ein Ende. Kein Dünnpfiff bis jetzt (was mich wundert, bei dem, was wir alles essen). Knochen lassen sich schmerzlos bewegen.

Achtung *Männermodus an*

Denn ich … ich hatte nach einer Pause auf dem Pass ein typisches Männerding. Beim ungestümen Aufschwingen auf mein Roß ereilte mich ein tückischer Hodenquetscher. Einmal das Gekräuse nicht gerichtet und schon jodelte ich in die Berglandschaft. Und das bei der Kälte, wo ich eigentlich eine Wallnuß in meiner Buchse erwartet hätte. Nach 30 km dumpfen Tiefschlaggefühl war ich durch … und vorsichtiger. Männer kennen das!

*Männermodus aus*

Ach ja… ich hatte einen komischen Hut auf.

Gute Nacht, Os8er

Tag 18… Sportplatz Kara-Balta

Die Nacht in den Bergen war kalt und dunkel. Kein Mond, aber ein Hammer Sternenhimmel. Nirgendwo ein „Fremdlicht“, was unser Auge ablenken konnte.

Es geht weiter! Heute wollen wir Strecke machen. Die letzten Tage haben sich nicht merklich auf unseren Kilometerstand ausgewirkt. Jetzt geben wir Kette. Nach ca. 350 km reicht es. 8er’s Kriegsverletzung am Unterarm (Wespe) ist zu einem stattlichen Popeye-Arm angeschwollen und die letzten Kilometer um Bischkek waren Baustelle und Verkehr… eine Tortour. Uns blieb nichts anderes übrig, als mit den Koffern hinten dran Zickzack durch den Verkehr und dran vorbei zu zirkeln. OK, wir hätten auch schön in der Reihe warten können, aber nöö. Auf der Suche nach einem Hotel schienen wir so ratlos ausgesehen zu haben, das ein Autofahrer hielt und uns zu einem … ja, wie nenn ich das jetzt, ein Sportlerheim aus Sovietzeiten lotzte.

Bevor unsere Hirne irgendwelche Impulse aussenden konnten, waren wir schon überrumpelt. Der (vermutliche) Manager {im schicken Trainingsanzug) und noch andere wichtig aussehende Personen drängten uns förmlich, zu bleiben. Es war ne Menge los an dieser Sportstätte von gestern, denn in einer Stunde beginnt das Spiel des FC Kara Balta gegen den FC Arga. Eine wohl richtig große Nummer hier, sogar das TV war anwesend.

Die kleine Bühne füllte sich zunehmend, darunter gefühlt die komplette Polizeistaffel von Kara Balta. Den „Germans“ wurde ein Zimmer mir drei Hochbetten zugewiesen. Echt eine runtergekommene Bude im Jugendherbergsstyle mit gestrichenem Holzfußboden und Durchhängebetten, aber die Gesamtsituation war so schräg, daß wir uns diesen Moment geben mussten. Nachdem wir unser übliches Chaos im Zimmer hergerichtet hatten, erkundeten wir die Gegend.

Natürlich schauten wir uns das Spiel an und mussten hinterher so einige Hände schütteln inkl. der örtlichen Polizei und den Spielern des Gewinnerteams. Ach ja… Kara Balta gewann 2:1 und es gab Party auf den Rängen. Mit dem Duschen mussten wir dann noch warten, bis die Mannschaften durch waren.

Danach war Schluss mit dem Trubel. Alle gingen und wir waren allein im riesigen Sovietbunker. Und auch wenn die Betten durchhingen, wir hingen nicht durch und hatten heute echt viel Spaß.

Gute Nacht, Os8er

Tag 17… Essen nach der Uhr

Nach zwei Nächten und super Tagen in Karakol (danke an Monkey Tent Hostel) verabschiedeten wir uns von unseren neuen Freund(in)en und führen unsere Reise fort. Direkt am Ufer des Yssykköl ließ es sich 8er nicht nehmen, noch einmal in den Yssyköl reinzuspringen, um erneut zu merken „Scheiße, ist das kalt!“.

Leider ist in meinem Koffer der Apfelsaft ausgelaufen und somit hatte ich am See mächtig Besuch. Eine Horde Wespen versuchten krampfhaft, meinen Koffer zu öffnen. Schutzkleidung an, Helm auf war der Plan. Bei 8er hatte eine Wespe die gleiche Idee und schlüpfte schon mal in seine Jacke. Und zack trafen zwei Alphatiere auf einander… 1:0 für die Wespe. 8er nahm es mit Humor.

Einen Abstecher auf den Barskoon Pass sollte es werden … Ein Fehler… oder auch nicht. Keine 80 km weit sind wir gekommen, da beschlossen wir „hier bleiben wir“. Wir fuhren den Pass noch auf fast 3500 m. Eigentlich brauche ich ja nicht mehr erwähnen, wie schön Kirgisistan ist … aber noch einmal. Booha, was für eine Landschaft!

Wir fanden eine Jurte … und das um 12.00 Uhr mittags. Es gibt hier keinen Strom, kein Internet und Wasser aus dem Fluss … herrlich! Der… nennen wir ihn mal Jurtenkönig, machte uns die Jurte richtig schmackhaft. Guck … toll drinnen … toll draußen … toll alles, 6,00 €!Der Neukönig sieht so aus, als habe er gestern noch Ziegen gehütet, aber anpreisen kann er.

Eigentlich sind wir Pleite, aber die 6,00 € haben wir noch zusammen gekratzt. Visa war nicht. Also … schnell abgesattelt, Schlafplatz hergerichtet und Kamera geschnappt. Erst mal ein ausgiebiger Gang durch die Natur. Na, soll ich noch mal schwärmen?…Reicht ne.

Als wir wieder zurück kamen, räumte der König hektisch bei uns in der Jurte rum. Er hätte noch Gäste zum Essen … die wollen in der Jurte „NUR ESSEN“. Er hatte all unsere Sachen in eine Ecke (haha, in einer Jurte) geschoben, um Platz für die neuen Gäste zu haben. Wir machten ihm deutlich, das wir die Jurte für eine Nacht bezahlt haben. Nach einigem hin und her konnte alles geregelt werden. Die blieben draußen und wir hatten wieder unser Reich für uns. Dieser kleine schrullige König ist wohl noch neu im Business.

Heute ist der große Tag. Es stand einfach so da… vor uns, abgefüllt in verschiedene PET Flaschen. Wir haben schon viel davon gehört. Das Weiße Gold Kirgisistans … gegorene Stutenmilch! Die Kirgisen stehen voll auf das Zeug und was die trinken, trinken wir Biker doch erst recht! Fazit: Geht gar nicht! Für den europäischen Gaumen nicht gemacht. Würgereiz auslösend! Es schmeckt, wie drei Monate im Kühlschrank vergessene Kuhmilch mit der Note im Abgang „wie Pferd riechen“ .. .und wenig Kohlensäure. Leider mussten „die Biker“ das Experiment abbrechen und übergaben den Rest wieder der Natur… denn da gehört es hin.

Tja … Wir sind pleite, habe ich erwähnt. Wir haben Hunger, hab ich noch nicht erwähnt. Essen gibt es hier… der König betreibt auch mit seiner Familie eine kleine Garküche. Hinter einer Hütte wird das halbe Schaf auf einem Felsen zerhackt und im Bach gewaschen. Über offenem Feuer werden die Kostbarkeiten zubereitet, lecker!.., aber, wir haben kein Geld. Dollar wollte er nicht … meine Armbanduhr schon! Guter Deal! Wir hatten uns im Vorfeld bei Ebay günstig ein Konvolut Armbanduhren ersteigert. Eigentlich um die „Korrupte“ Polizei zufrieden zu stellen. Nun gibt es zwei ordentliche Portionen und eine Kanne Tee dafür. Das Leben kann so einfach sein.

Gegen Abend kommt noch einmal Schwung in die Bude. Ein Gruppe von lustigen Damen und Herren, die schon den einen oder anderen Wodka intus hatten, schnappten sich 8er und machten ihn willenlos. Er musste alles Essen und sie zwangen ihn zum Alkoholgenuss. Als 8er dann noch vor Ort verheiratet werden sollte, ging er stiften. Nochmal Glück gehabt.

Heute beim Wandern. Ich höre hinter mir Geräusche … und … will in meinen Rückspiegel schauen!… Mannomann … Wir fahren zu viel und trinken zu wenig.

Gute Nacht, Os8er

Tag 16… Der eigentlich freie Tag

Heute ist Ausschlafen angesagt. Wir haben die Unterkunft für zwei Nächte gebucht, lassen es gemütlich angehen. Noch haben wir für heute auch kein Ziel und wissen auch nicht, ob wir heute eins wollen.

Wie fast jeden Tag gibt es erst einmal Streicheleinheiten für die Krads. Kette schmieren, Ölstand kontrollieren und Schrauben nachziehen … zwischendurch immer wieder einen Kaffee und Hängematte.

Gegen Mittag kribbelt es dann aber doch. Wollen wir noch mal? Klar wollen wir! Ohne Gepäck und leicht wie eine Feder schmeißen wir die Mopeds an und fahren einfach mal los.

Die Erste Stichstraße in das Thienschan Gebirge war unsere und der Weg führte uns direkt an einen Wildwasserfluss entlang in die Berge Kirgisistans. Am Ende der Straße, wie bestellt ein kleiner Laden.

Wunderbar… Essen naschen! … das passt.

Was uns aufgefallen ist, hier gibt es Kinder… viele Kinder! Sie spielen am Straßenrand und winken uns beim Vorbeifahren zu oder helfen ihren Eltern. Motorräder sind auch in Kirgisistan sehr selten.

Was uns auch aufgefallen ist, der Respekt vor den Alten ist hier noch voll angesagt. Sie genießen hohes Ansehen. Da könnten wir uns noch etwas abschauen.

Auf dem Rückweg entdecken wir die zweite Stichstraße und fahren natürlich rein. Die Landschaft ist hier schon überwältigend. Berge, Seen, Flüsse. Es spricht uns voll an.

Irgendwie hat Kirgisistan etwas von der Schweiz, nur dass man hier nicht auf andere Touristen trifft und die Straßen schlechter sind. Ich denke auch mal, dass der typische Schweizer Tourist niemals in so eine Straße wie hier hineinfahren würde, außer vielleicht mit einem Landrover oder Trecker.

Leider hat es 8er auf dieser Tour wieder mal die Batterie leer gesaugt. Heute sind wir mal den Kabelbaum nachgegangen, um eventuelle durchgescheuerte Kabel zu finden. 8er hat einen stillen Verbraucher. Ohne Multimeter kommen wir dem auch nicht auf die Spur. Da hilft nur weiter alle zwei Tage Batteriewechsel.

Ach ja, 2 Tage, nachdem 8er’s Handschuh wieder gefunden wurde, ist meine Socke wieder da! Ja … Sie ist einfach zurück in meinen Koffer. Ist mir ein Rätsel, wie sie das gemacht hat?!

In Katakol zurück machten wir noch kurz Halt an einem Park oder Denkmal … Hmm, Denkmalpark. Hier waren viele Köpfe und alles erinnerte an die Sowiet-Zeiten. Hat was!

Gute Nacht, Os8er

Tag 15… Eine schnelle Nummer

Heute aus unserem „innen hui, außen pfui“ Hotel ausgescheckt und wieder mal Richtung Grenze. Und ja … die Straße war wieder grottich. Kurz vor der Grenze läuft uns ein Grenzer direkt vor die Flinte. Er machte uns klar, daß ohne ihn nichts gehe und bat uns um Mitnahme. No Problem! Er schwang sich auf meinen Turm aus Gepäck und trohnte gefühlt einen Meter über mir. So eierten wir auf unbefestigter Straße Richtung Grenze, nicht ohne ohh’s und ahh’s von den hinteren Rängen (He … Er saß auf der Kante meines Reservekanisters). Leider wollte er keine Fotos machen lassen, nur 8er hat heimlich eins geschossen … aber darauf kann man leider nichts erkennen … waren schon zu weit weg.

Angekommen winkte er von seinem Trohn noch gönnerisch seinen Kollegen zu und bedankte sich bei uns. 8.10 Uhr und nix los hier. Die Uniformierten saßen auf Bänken und hatten wohl nicht wirklich Lust auf die Germans. „Passport“, „Pistol?“, „Mariuhaanaa?“… No?.. Good-bye.

Unglaublich! … die erste Schranke geht hoch … Hallo Kirgisien! Und nochmal … „Passport“. 8er verwickelt den ersten Grenzer gleich in ein Gespräch und zeigte ihm unsere Route. In der „Schwitzbude“ saß dann ein Fußballfreak, der uns Germans gleich mit „Borussia Dortmund … gut! “ begrüßte und als er meinen Pass aufschlug, waren wir fast durch. „Thomas Müller“ rief er und lachte. 20 min für die gesamte Grenze … Rekord!

Os8er sind in Kirgisistan … und das Land geizte nicht mit seinen Reizen. Die Berge begleiteten uns rechts und links auf dem Weg nach Karakol. Wir wurschtelten uns durch riesige Schafherden und fuhren neben Herden von galoppierenden Pferden. 8er wurde ein fast unwiederstehlicher Tausch angeboten, doch nach einem Probesitzen lehnte er dankend ab.

Angekommen am Yssykköl See (der zweitgrößte Bergsee der Welt), mussten wir da unbedingt sofort rein! Wir frönen ein wenig unserer Freikörperkultur und genossen das klare, blaue und kalte Wasser … für eine Minute.

Trotzdem … was für ein Moment! Allein an einem der schönsten Strände, vor uns der weite See und im Rücken die Mopeds.

Wir blieben noch einige Zeit und warteten zwischendurch die Motorräder. 8er’s Stromproblem ist leider wieder da.

In Karakol schauten wir uns nach einer Bleibe um, als uns jemand auf Deutsch ansprach. Ups, das war ungewohnt. Marian … Klasse! Marian nahm uns gleich mit zum Hostel, in dem er abgestiegen war. Super Hostel mit super Gästen.

Dort trafen wir noch zwei Mädels aus Belgien. Wir beschlossen noch gemeinsam essen zu gehen und konnten gute Tips für unsere weitere Reise ergattern. Später dann ein „gute Nacht Bier“ mit 11%, na dann…

Gute Nacht, Os8er

Tag 14… Endlich ruhiges Fahrwasser

Ja… es ist eine Wohltat. Wir können bis Almati 170 km knochenschonend über den Asphalt gleiten. Und auch danach geht es rückenschonend weiter. Die V-Stroms zeigen sich dankbar, mussten sie doch die letzten Tage leiden. Sie haben alles gut weggesteckt … bis auf Kleinigkeiten. Meine Karre trennte sich unterwegs von ihrem Kettenschutz (war eine Zwangsehe und somit nachvollziehbar) und 8er’s Getriebesimmering zeigte sich inkontinent. Beides ist verschmerzbar und 8er’s Ring scheint den Schließmuskel wieder unter Kontrolle zu haben (und nein, das Öl ist nicht alle).

Unsere Laune ist bestens und wir beschlossen Mittag in einer kleinen Ortschaft zu machen, Chilik. Dort angekommen war die Hölle los, denn es war Markttag. Autos kreuz und quer, Menschen wuseln dazwischen, hupen, Krach. Klasse, wir mögen das … nennt sich Leben. Die Mopeds irgendwo dazwischen abgestellt, juhu … heute gehen wir schoppen! Von wegen schoppen, kaum sind wir gelandet, sammelten sich die Menschen und kreisten uns ein.

Sie machten Fotos, setzten ihre Kinder auf die Motorräder und hießen uns Willkommen. Eine tolle Stimmung und wir hatten viel zu lachen. Es gab sogar Geschenke! Ich dachte erst, es gibt Eis … so ein Sandwich-Eis oder so. Es gab Seife! Seife?… äh ja, da macht man sich Gedanken über sein Erscheinungsbild oder besser gesagt den Hygieneindex.

Ok … haben verstanden, werden wir ändern, glaube ich.

Essen gab es dann doch noch. Döner auf Kasachisch. Ähnlich wie zu Hause, aber mit Pommes drin und mit Majo ertränkt. Schmeckte aber ganz gut. Ich versuchte noch mal, etwas über den Markt zu schlendern, während 8er ein Auge auf die Krads warf.

Ich kam nicht weit, da wurde ich erneut von zwei sehr lustig prallen Damen zum Selfi gebeten und 8er hatte auch viel Spaß mit den Leuten bei den Krads. Ok, das reicht für heute, wir wollen dann lieber weiter. Winke, Winke und Tschüß! … und Danke für die Seife … hmm.

Scharyn Canyon … natürlich müssen wir da hin … und es hat sich gelohnt! Es ist ein Pondon zum Grand Canyon, nur ohne Touries. Diese Größe, diese Farben, ein gewaltiges Naturphänomen! Ein Paradies für Fotografen und Os8er waren mitten drin … wunderbar!

Die Zeit verflog wie im Fluge.

Nach dem Scharyn Canyon geht es weiter nach Kegen. Es liegt kurz vor der Kirgisischen Grenze. Dort angekommen noch kurz tanken und ab zur Unterkunftssuche. Ein Hotel wird es dieses mal … und was für eins!

Von Sternen ist es wohl meilenweit entfernt und als wir davor standen, waren wir uns nicht sicher ob es überhaupt noch bewirtschaftet wird. Aber ja doch! Gehobener Standart aber eher nicht, dafür aber für 5,50 € pP. Auf dem Zimmer angekommen (was wirklich ok war), vermisst 8er einen Handschuh. Überall gesucht … weg. Ich hatte sofort den Verdacht, dass der Handschuh mit meiner Socke unter einer Decke steckt! Wir beschlossen, den Weg bis zur Tanke nochmals abzugehen … und tatsächlich! Einsam und verweißt lag er da, mitten auf der Straße, hundertfach überrollt und doch nicht aufgegeben.

Ein Finger zeigte noch in die Luft, als ob er sich mit letzter Kraft bemerkbar machen wollte. 8er rettete ihn und päppelte ihn in der Unterkunft wieder auf … mit Liebe und Zuspruch. Manchmal liegt das Glück auf der Straße!

Auf unserer Handschuhsuche entdeckten wir noch einen “Lost Places“… eine Moschee. Wir beschlossen, uns illegal Zugang zu verschaffen und wurden belohnt. Tolle Motive.

Und dann noch das. Kino in Kasachstan heißt nicht Kino … es heißt Kuhno!

Was für ein Brüller… 😉

Abends wurde es dann nochmal richtig schön.

Aber jetzt geht es ab, Bubu machen.

Gute Nacht, Os8er

Tag 13… Weiter… immer weiter

Ja … Straßen … so wie gestern. Inzwischen frustige Normalität für uns. Unser Tipp? Fliegt doch mal über Kasachstan oder nehmt den Zug.

Nein im Ernst. Wer in ein, zwei Jahren die Reise macht, bekommt wunderbaren Asphalt. Hier ist im Moment alles am Bauen. Eine Menge Menschen packen richtig an. Wir hatten nur das Pech der falschen Zeit.

Leider konnten wir bis jetzt das Land nicht so wirklich erkunden. Voll konzentriert klebten unsere Augen auf der Straße. Jeder gewagte Seitenblick wurde sofort bestraft. Aber jetzt sind wir durch! Seit ca. 80 Kilometer läuft es, gute Straßen … und das wird morgen so weitergehen. Dann werden wir erst Richtung Almaty fahren. Weiter geht es links ab Richtung Scharyn Nationalpark. Der Plan ist, übermorgen die Grenze zu Kirgisistan zu passieren. Wir freuen uns, den Transitmodus verlassen zu können und den Reisemodus wieder aufzunehmen.

Heute Abend sitzen wir in unserer Unterkunft, trinken Bier und sind schon gut lustig. Der Tag wird nochmal reflektiert … Pläne für Morgen geschmiedet.

Ach ja … die Socke ist nicht wieder aufgetaucht, also weiter rotieren.

Gute Nacht, Os8er

Tag 12… 400 km Baustelle

Wir starten von unserem kleinen Paradies aus in den Wahnsinn „Kasachische Straßen“. Es wurde uns nicht zuviel versprochen, die Straßen hier in Kasachstan sind grausam!

Nein … nicht nur Schlaglöcher warten auf uns, auch Bodenwellen und ein Flickenteppich aus unterschiedlichsten Materialien. Und weil das nicht reicht, gibt es zwischendurch etliche kilometerlange Baustellen, wo wir parallel rechts oder links auf Schotter geführt werden.

Wie der Golfer das „Grün“ liest, lesen wir die Straße, nur das wir am Loch vorbei wollen und nicht rein. Trotz aller Vorsicht schaffen wir es doch immer wieder mal, unser Vorderrad einzulochen. Das Krachen geht durch Mark und Bein. An dieser Stelle ein Hoch auf unsere Suzis … Wahnsinn, was die alles wegstecken müssen. Unsere SW Motech Teile halten die V- Stroms zusammen. Allein der Motorschutz hat uns sicher mehr als einmal einen Totalausfall erspart.

Völlig erschöpft machten wir nach ca. 250 km eine Pause. 8er schleppte sich zu einem Stand und versuchte eine halbe Melone zu ergattern. Das gelang nicht, ganz oder gar ich. Eine uns beobachtende Familie zögerte nicht lange und wir wurden erneut eingeladen. Großzügig teilten sie ihr Hab und Gut mit uns … Es gab Wassermelone. Auch hier wurden die Hände und Füße, unser Kommunikationsmittel eingesetzt. Plötzlich, wie von der Tarantel gestochen sprang 8er auf und brüllte „Bienenfresser!“. Verdutzt schauten wir uns an und sahen 8er zu den Mopeds flitzen. Wild fotografierend drehte er sich im Kreis … OK, Bienenfresser sind wohl ein Foto wert und ja … waren sie! Ein ganzer Schwarm dieser bunten Vögel trieb sich oben am Himmel rum. Ich muß zugeben, sie gaben ein tolles Bild ab.

Gestärkt mit neuem Mut gingen wir es nochmal an. Keine 50 km weiter trafen wir auf zwei Pärchen auf drei Motorrädern. Sie saßen völlig fertig am Straßenrand, aufgelößt. Es waren Russen und sie erzählten, dass sie 300 km nur Schlaglochpiste hinter sich haben. Bei allen drei Karren hat es die Federung weggehauen und damit waren sie kaum noch fahrbar. Als wir ihnen erzählten, dass die nächsten 300 km nicht besser werden, sanken die Köpfe nochmal tiefer. Frustriert machten sie sich fertig für den weiteren schweren Weg. Alternativen gibt es nicht. Es gibt nur diese Straße, da müssen sie durch. Aber auch wir müssen da durch. Nochmal ca. 300 km „das Grün lesen“.

Endlich … nach nochmal 150 km die nächste Ortschaft. In einen so großem Land wie Kasachstan zieht sich das alles etwas mehr auseinander. An der Tanke treffen wir noch die Jungs von der „Rally to Mongolia“. Wir sehen schon seit Beginn unserer Reise immer wieder Autos mit den typischen Aufklebern „Rally to Mongolia“. Sie kommen aus ganz Europa … die hier aus Frankreich. Sie machten uns Hoffnung. 200 km vor Almaty gibt’s eine neue Autobahn, sagen sie. Und auch in Usbekistan werden die Straßen besser. Das macht Mut!

Ach … komme ich nochmal zu meiner geliebten Wäsche. Ich habe eine meiner Sommersocken verloren. Das heißt 25% meiner Sommersocken sind verlustig. Mit den restlichen 75% (drei Socken) macht das „Wechselsystem“ bei gewöhnlichen Zweibeinern keinen Sinn mehr. Ich werde jetzt vom „Wechselsystem“ zum „rotierenden System“ schwenken. In Buchara kann ich mir ja eine Neue stricken lassen… oder wird da gewebt?

Bei täglich ca. 10 Stunden auf dem Bock kommt man auf echt blöde Artikel für den Block 😉

Eine gute Nacht, Os8er

Tag 11… Grenze und der Igor

Grenztag! Es ist wieder soweit … ein Grenzübergang steht an … Kasachstan

Wir stehen an der Grenze und werden recht schnell reingewunken. Die russischen Beamten zeigen sich gewohnt „streng“. Uns werden nur Befehle zugeraunt. „Papiere“, „Aufmachen“ oder auch „Waffen?“. Bei mir dauerte die Passkontrolle etwas länger. Er schien mich auf dem Pass nicht zu erkennen. Immer wieder schaute er erst den Pass, dann mich an. Drei, vier Mal. „Thomas Oser?“ Ja … bin ich. Hmm … Ich bekam den Stempel. Weiter zu den Kasachischen Kollegen. Gleich an der ersten Schranke der erste „Witzbold“. Ahh, Touristen! Ahh, Germany! … und schon öffnete sich das Tor zum Grenzhof. Ab zur Passkontrolle und schon wieder! Der Beamte musterte mich ausgiebig. Sollte ich mich auf der Reise so verändert haben? Ja, Essen ist nicht so regelmäßig und ja, die Haare sind auch ab. Ach und braun bin ich jetzt ja auch. Hoffentlich entferne ich mich auf der Reise nicht zuviel von meinem Passfoto. Hoffentlich komme ich nach Hause?! Bei 8er ging alles reibungslos, obwohl eine gewisse Veränderung auch bei ihm nicht zu leugnen ist.

Grenze ging schnell. 1,5 Stunden nur und schon sind wir auf dem Weg Richtung Semej … Aber vorher müssen wir uns um eine Haftpflicht für Kasachstan kümmern. An einer Kreuzung entdecken wir einen Container mit der Aufschrift „Abtoctpaxobahne“… wenn sich das nicht nach Versicherung anhört.

Und ja, 30 Tage 12$. Während 8er im Container sitzt, mache ich den Wachhund für die Mopeds. Und da war er… Igor, so stellte er sich vor. Ein älterer Herr, der der mich mit seinen Geschichten bei Laune hielt. Das ich ihn nicht verstehen konnte, war ihm egal. Irgendwas mit Boxen, Klitschko und Ali. Er selbst sah aus, als hätte er bei seinem letzten Kampf seinen Mundschutz vergessen. Er hatte noch ein paar Zähne oben und einige unten. Das faszinierende war aber, das wenn er den Mund schloss, sich diese Zähne zu einer perfekten Zahnreihe ergänzten. Zum Schluß bestieg er noch das Motorrad für ein Foto … Wir machten dann gleich auch eins. Tschüß Igor.

Dann kam Roche mit seiner BMW. Er hielt sofort an und wir kamen ins Gespräch. Roche kommt aus Mexico und will in die Mongolei. Wir tauschten nicht nur Tipps aus, sondern gleich die Währungen. So hatten wir für den Start kasachische „Tenge“ und er konnte in der Mongolei gleich durchstarten.

In Semej noch getankt und am Straßenimbiß ein paar Hühnerbeine zu „Hotel California“ verspeist. Was hier sofort auffällt ist mal wieder die Offenheit der Menschen. Sie sind interessiert an Mensch und Maschine. Bei einer Pause an der Straße kamen sie und luden uns zum Picknick ein. In einen Esslokal brachte uns der Nachbartisch noch Kuchen als Nachtisch. Das sind nur Beispiele, denn es gab so viele kleine Momente, die kann und will ich nicht aufführen.

Der Abend kommt näher. Wir beschließen, uns ein Plätzchen in der Natur zu suchen. An einem kleinen wilden Fluss werden wir fündig. Kaum steigen wir von den Mopeds, begrüßt uns ein Eisvogel. Hier sind wir richtig! Das Nachtlager ist schnell hergerichtet und so hatten wir Zeit für ein kleines Feuer. So langsam quatschen wir uns in die Müdigkeit und ziehen uns zurück … Morgen wird ein langer Tag.

Gute Nacht, Os8er

Tag 10… Wäsche und PIZZA

Die Tage sind lang und die Nächte sind kurz, zu kurz. Da kommt ein Problem auf und das Problem heißt Wäsche! Nach einigen Tagen, wenn sich die Konsistenz der Socken ändert und das T-Shirt ein Eigenleben entwickelt, ist es Zeit für einen Waschtag. Das Waschen an sich ist kein Problem, man wäscht die Wäsche an sich … unter der Dusche.

Doch zum Trocknen benötigten wir mehr Zeit. Haben wir nicht! Inzwischen hat es sich bewährt morgens die klammen Klamotten am Körper zu trocknen. Das funktioniert ganz gut … nur die ersten Minuten sind ein komisches Gefühl. Eine außergewöhnliche Reise erfordert außergewöhnliche Maßnahmen. Übrigens, Socken wenden hilft nicht … stinken trotzdem 😉

Heute verlassen wir den nördlichsten Punkt unserer Reise und verlassen  Barnaul. Mit seiner Bikerkneipe war Barnaul wieder einmal ein kleines Highlight.

Doch jetzt gehts Richtung Süden. Die Straßen sind gut, sehr gut sogar. Doch die eintönige Agrarlandschaft schläfert ein. Kurven?… kann man vergessen, sind hier Mangelware. Und so düsen wir mit monotonen 110 km/h Richtung Süden … Kasachstan. Wir wissen nicht so recht, was uns dort erwartet. Wir haben zwar ein Bild, aber ob dieses Land wirklich diesem Bild entspricht? Was wohl fest steht sind die katastrophalen Straßen … aber da sind wir ja ganz gut geübt. Das Wetter soll dafür laut Wetter.com die nächsten 200 Tage gut werden.

Kurz vor der Grenze, in Rubzoks, treffen wir auf Sascha. Sascha war mit seiner Yamaha unterwegs und sofort kamen wir ins Gespräch. Bei der Frage nach einem Hotel machte er uns telefonisch eine Unterkunft klar. Fix leitete er uns noch dorthin. Danke dafür Sascha! Eine Nacht noch in Sibirien und morgen in der Früh klopfen wir schon wieder an das nächste Tor. Das Tor von Kasachstan (klopf, klopf)

Doch noch ist es nicht soweit. Wir lassen den Abend gemütlich ausklingen. 8er hat ein Fitnessstudio ausfindig gemacht und freut sich auf’s „Pumpen“, ich gehe noch eine Runde mit der Kamera. Aber vorher gibt es Pizza! Wir haben richtig Hunger und bestellen uns je eine 28er. Das war aber so eine mit superdünnem Boden … reichte nicht, also bitte das gleiche nochmal! Die Bedienung konnte es kaum glauben und verschwand lachend in der Küche. Satt gehen wir zu Bett.

Gute Nacht, Os8er

Tag 9… Barnaul, bevor es regnet

Das Altei. Hier wird noch die Wäsche an der Luft getrocknet. Statt Doppelverglasung gibt es Doppelfenster (teilweise mit Blumen im Zwischenraum) . Die meist älteren Frauen tragen Kopftuch und dazu passende Kittel und die Kuh wird noch persönlich zur Weide begleitet. Alles wirkt sehr harmonisch, von Hektik keine Spur. Kinder spielen auf den Wegen und jeder kennt hier jeden.

Ich frage mich ob diese Menschen schon einmal etwas von „Burn Out“ oder „Stress“ gehört haben. Sicher, sie gehören laut Statistik zu den Ärmeren, und das Leben ist sicher auch nicht leicht … gerade im Winter nicht. Ich denke aber, sie sind reicher als sie selbst ahnen. Schade diesen Ort jetzt verlassen zu müssen.

Wir starten früh… wollen noch vor dem angesagten Regen Barnaul erreichen. Es ist 7.00 Uhr und kalt … 5°C. Wir packen uns gut ein und tuckern erst einmal durchs menschenleere Dorf bis zur Hauptstraße. Los geht’s … je näher wir Richtung Barnaul kommen, um so voller werden die Straßen. Die Landschaft flacht allmählich ab und wird landwirtschaftlich genutzt. 8er juckt die Gashand und so hatten wir Mühe, uns an die vorgeschriebene Geschwindigkeit zu halten und es macht Spaß, zügig an den LKWs vorbei und Gummi! Aber Vorsicht, Blitzer und Polizei spielen auch noch mit.

Zeitgleich mit dem Regen treffen wir in Barnaul ein. Wir trafen auf ein Pärchen, die uns halfen, eine Unterkunft zu finden … Perfekt! (Danke Vladimir)

Gegen Abend in die Bar. Nein, in DIE Bar. Es handelt sich um die bekannteste Bikerkneipe Sibiriens. Angefangen hat es mit Deftigem und Bier … geendet hat es mit Cola-Rum. Der Wirt führte uns durch die Räumlichkeiten und zeigte uns die Skurrilitäten. Wir verewigen uns mit unseren Aufklebern an der Wand und machen uns auf den Heimweg.

Gute Nacht, Os8er

Tag 8… Aus eckig wird rund

Sibirien, Süd Sibirien … Altaigebirge. Was für ein Kontrast! Innerhalb von ca. 50 km wurden aus gelben Steppen grüne Wiesen, aus unendlichen Weiten krasse Berge und aus schnurgeraden Pisten kurvige Straßen … und auf diesen kurvigen Straßen konnten wir unsere eckig gefahrenen Reifen wieder runden. Wir sind schnell wieder drin im Kurvenmodus und schlängeln uns sanft Richtung Tal. Was für ein tolles Fahrgefühl!

Was so eine Grenze für Veränderungen bringen kann. Vor ca. 50 km prägten noch vereinzelte Jurten in unendlichen Weiten die Landschaft und jetzt sind es kleine Dörfer mit Blockhütten zwischen Dreitausender.

Bei einer Rast im Grünen kamen wir schnell in Kontakt mit einigen “Pinienzapfsammlern“ (was für ein blödes Wort … beschreibt aber, was wir meinen). Sie sammelten säckeweise von denen und transportierten sie auf einen nicht ganz TÜV konformen Laster ab. Wir kamen ins Gespräch oder besser gesagt, wir kamen ins Gestikulieren und einer von ihnen drückte uns ein paar Zapfen in die Hand. Ich dachte: “Tannenzapfen … toll?!“ Über unsere ratlosen Gesichter mussten sie lachen. Erst als sie uns zeigten, was für einen Schatz diese Zapfen bergen und wie man da ran kommt, kam das große „Ahhh“. Es trennten sich unsere Wege und wir versuchten uns an den Zapfen … mit Erfolg.

Und dann war da noch unser erstes “russisches Tanken“. Da standen wir nun … an der Zapfsäule. Hmm, hier kommt keiner. Klarer Fall … Selbstbedienung! Mist, Sprit kommt auch keiner. Rein in die kleine Bude zur Problemlösung. Eine Dame mittleren Alters sitzt dort hinter ihrer Kasse, umhüllt von einer Wolke aus 4711 und 8×4. Sie englisch net, wir russisch net. Wir versuchen der Duftwolke unseren Wunsch klar zu machen. Nach etwas hin und her war klar … Vorkasse!

Wieviel Benzin wir wollen, fragte die Dame. Ja … voll und zwar beide Karren! Aber voll so zu sagen, war nicht so einfach. Wir mussten raten, wieviel Liter wir wohl benötigen. Kaufen wir zu wenig … schade um die verschenkten Kilometer, kaufen wir zu viel … Pech gehabt oder wir kriegen den Restsprit noch irgendwie anders unter. Wir haben gerechnet, spekuliert und schließlich geraten und es hat ganz gut gepasst. Dann haben wir uns “verduftet“.

Gute Nacht, Os8er!

Tag 7… Bye-Bye Mongolei

Wir haben lange überlegt … Ein Nacht in Ölgii und morgen über die Grenze oder 300 km direkt zur Grenze und rüber.  Ach… erst einmal los.

Tja … Um 12.00 Uhr in Ölgii angekommen und jetzt weiter, natürlich! Um 13.30 Uhr, wir sind da! Die Grenze hat noch Mittag und die Ruhe weg. Um 14.00 Uhr geht es weiter. Wir werden von Schalter zu Schalter geschickt … immer die Dokumente parat. Es gibt viele Papiere und noch mehr Stempel. Die Beamten wirken unter dem Neonlicht wie Zombies. Nur das Zombies mehr lachen. Trotz alledem ging es auf der Mongolischen Seite recht flott. Nun noch ca. 30 km durchs Niemandsland und die russischen Kollegen mit unseren schmutzigen Klamotten beglücken. Papiere, Stempel, Papiere und dann … alle Koffer und Taschen auf den Tisch. Eine Bitte kam nicht! Es herrscht der Befehlston. Los ging es mit der Beschau. Ein Blick hier rein, einmal dort gefingert. Als uns die Frage nach Waffen gestellt wurde, fuchtelte 8er in seiner Tasche rum und klappte sein kleines Taschenmesser auf. Endlich sah man eine Regung bei den Uniformierten … auch wenn es nur ein Schmunzeln war. Alles in allem hat der Grenzübergang 3,5 Stunden gedauert und das ist eine gute Zeit, wenn man anderen Reiseberichten glauben schenken darf. Ja … wir sind in Sibirien und schauen mit etwas Wehmut auf die letzten 2200 km Mongolei.

Die Mongolei. Ein unheimlich herzliches Land. Ein Land wo Autos „gern“ am Straßenrand geschraubt werden, während die Familie genervt im Gras wartet. Ein Land fast ohne Bäume, wo ungeniert gepinkelt wird … überall, einfach so und Zeit, uns zuzuwinken haben sie dabei auch noch. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Mongolei war ein Highlight … und was für eins!

Bye Bye Mongolei und Hallo Sibirien!

Gute Nacht, Os8er

Tag 6… Per Anhalter…

Die Nacht im Hotel des „Grauens“. Es war laut und das Wasser zum Duschen war kalt (bis 8er das Wasserproblem beheben konnte). Das coole war, die Toilette war auch gleichzeitig die Dusche! So ließen sich zwei Sachen wunderbar kombinieren. Ein Traum für Männer! In der Nacht dann eher ein Albtraum. Um ca. 1.30 Uhr standen zwei Männer im Dunkeln mit Taschenlampen vor unseren Betten und riefen uns unverständliche Worte zu. Aufgeschreckt und ziemlich verwirrt warfen wir Ihnen ein paar Brocken Deutsch entgegen und schnell waren sie wieder weg. Im Nachhinein wurde uns klar, sie haben sich wohl im Zimmer geirrt. Toll, der Schreck sitzt trotzdem.

Neuer Morgen, unser freier Tag beginnt. Nach der abenteuerlichen Dusche machen wir uns langsam für einen Ausflug fertig. Wir wollen ins Vogelschutzgebiet von Khovd. Erst einmal warten wir unsere Motorräder, Kette schmieren, Schrauben nachziehen … Ohne Koffer und Gepäck, nur mit dem Nötigsten raus aus Khovd.

Tolle Straßen, tolle Landschaft … aber davon haben wir schon genug geschwärmt. Bei unserem ersten Stop an einem einsamen Friedhof wurden wir schon erwartet. Millionen von Mücken waren froh „frisch Ware“ zu erhalten … an diesem sonst so blutleeren Ort. Uns wurde schnell klar, wir müssen hier weg! Ja, es war eine Flucht. Später wurde es dann besser mit den Plagegeistern, aber es gab uns schon mal einen Vorgeschmack aufs Wolgadelta. Juhu… da freue ich mich aber 🙁

Auf dem Rückweg haben wir dann noch zwei Gäste an Bord genommen. 2 mongolische Anhalter haben sich hinten aufs Motorrad geschwungen  und hatten sichtlich viel Spaß. Sie machten Selfies mit uns und waren dankbar, den langen Weg bis nach Khovd nicht zu Fuß gehen zu müssen. Sven hat den Dickeren erwischt und konnte nicht so schnell über die Bodenwellen und so gewann ich das Rennen. Am Abend ein Gang zum Fluss… und das war der Hammer! Direkt am Fluss siedelten sich hunderte von Jurten an. Kinder plantschen im Wasser, die Erwachsenen machten Picknick und das ganze im besten Licht, ein Traum!

Wir wurden sofort zum Milchtee eingeladen und kommunizierten mit Händen und Füßen, es wurde viel gelacht.

Dann trennten sich unsere Wege. 8er hatte eine Muckibude ausfindig gemacht und ich fuhr noch ein wenig rum. Während ich auf einen verlassenen Freizeitpark traf (ein Schatz für jeden Lost Places Liebhaber) machte 8er Bekanntschaft mit einer Amerikanischen Motorrad Reisegruppe. Es wurden Adressen ausgetauscht und Erfahrungen. Alles in allem ein genialer freier Tag mit vielen Erlebnissen und wiederum vielen Bekanntschaften.

Und zum Schluß noch ein Video von Freitag, als Offroad auf Lehm noch Spaß machte.

Gute Nacht, Os8er

Tag 5… Der Kilometerfressertag

Nach einer unglaublich stillen Nacht im Zelt zwischen Taishir und Altai machten wir uns bereit für die letzten 50 km Offroad.

Wir eierten uns so durch und erreichen Altei voller Vorfreude. Kurz eingekauft und weiter. Auf einer Straße wie aus dem Bilderbuch testeten wir die Gänge durch und fegten voller Genuß mit 140 Sachen durch die Landschaft.

Ein klasse Fahrgefühl! Die ersten 150 km vergingen wie im Flug … und so schnell sank auch die Nadel der Spritanzeige. Mist … wir müssen tanken, aber haben ja noch unsere Reservekanister. Kurze Zeit später waren die auch Geschichte, aber wir kamen nochmal 100 km weiter. Ok… 100 km sind in Old Germany ne Marke, aber hier? Reserve blinkt schon wieder und da war sie, die “Germany Sprit Angst“. Wir haben es geschafft, die erste Tanke in Khovd war unsere und gelernt haben wir auch. Zu viel gibt es nicht. Unterwegs hatten wir noch einen Gast an Board, den 8er gleich mal unter die Lupe nahm. Eine Ohrenlerche. R.I.P.

Heute haben wir 500 km geschafft und werden uns morgen “frei“ nehmen. Ein Tag zum Ausschlafen, für Fotos und ans Wasser gehen. Gerade noch ein Bier und Roastbeef für sagenhafte 3,50 € weggehauen und nun ab ins Bett.

Gute Nacht, Os8er

Tag 4… Einmal die Hölle bitte

Start in Uliastay – Ziel Altai … denkste! Angefangen hat alles mit einer seichten Offroad Straße, zwischendurch haben wir einen Badestop am Fluss eingelegt. Erste seichte Furten und eine lustige Großfamilie am Straßenrand, die uns herzlich begrüßten und uns unseren ersten Wodka aufzwangen. 8er hatte sofort die Damen der Runde am Hals. Ich glaube, sie wollten ihn erdrücken. Ach ja … der Wodka war erstaunlicher Weise echt lecker!

Doch der Tag war noch nicht zu Ende. Bis zur nächsten Ortschaft sind es noch 100 km … bis Altai 150 km. Um es vorweg zu nehmen, der Weg war so dermaßen miserabel, das wir mit den ersten zwei Gängen vorlieb nehmen mußten.

Schlaglöcher kannten wir von gestern schon, aber diese Schotter-, Sand-, und Wellblech-Pisten brachten uns an unsere Grenzen. Wir pendelten zwischen 20-40 km/h, wobei 40 schon sehr waghalsig war. Im Tiefsand (der scheinbar aus dem Nichts kam) reißt es einem den Lenker um … und am Lenker war ich (Oser). Zweimal versuchte ich die perfekte Rolle vorwärts, wobei 8er mit komischen Tänzen auf dem Moped Punkten konnte.

Nichts passiert, alles gut, Bremshebel verbogen, das wars. Trotz allem, wir waren nach 9 Stunden so durch, das nach dem Zeltaufbau die Lichter ausgingen … Ende.

Ach ja, 8er und seine Brücke (Asphalt)

Mental ist jedoch alles bestens. Es wird immer noch „gefrotzelt“ und Blödsinn gemacht. Jetzt freuen wir uns erst einmal auf Morgen. Gut, bis Altai müssen wir noch 50 km durchs Gelände, Aber dann kommt Asphalt!

Hätte nie gedacht das ich es mal so vermisse.

Gruß, Os8er

Tag 3… Kalte Nacht

Die erste Nacht unter Sternen bei Frost. Tagsüber warm, nachts ziemlich kalt… Mongolei im Sommer, aber so wunderschön. Tolle Menschen hier, wenn auch etwas distanzlos…

Während wir fern von jeglicher Jurte unser Bettlager herrichten, lud sich kurzerhand ein Mongolischer Reiter ein. Nett! Gern nahm er unsere Kekse und mit Händen und Füssen wurde gequatscht. Er hatte anscheinend Zeit … viel Zeit. Auch alle Anderen sind sehr kontaktfreudig. Zwei junge Frauen auf ihren Mopeds z. B. … sie aßen auch gern die Kekse (made in Germany).

Am nächsten Morgen … nass vom Morgentau und auch gut ausgekühlt geht es weiter Richtung Tonsesengel. Noch relativ gute Straßen … wir kommen gut voran und machen erst einmal Pause. Überall wo wir ankommen, bildet sich sofort eine Menschentraube. Wir sind Exoten und müssen fleißig Fragen beantworten. Woher? … Wohin und wie teuer sind die Mopeds und natürlich, was passiert, wenn ich da drücke? Irgendwie skurril, aber immer nett dabei.

Weiter nach Uliastay. Und da sind sie, die Offroad Straßen! Erst mal 65 km zum warm werden… und uns wurde warm! Nach einer Schlaglochparty kam der Tiefsandwalzer und umgekehrt. Die V-Stroms wurden gut durchgeschüttelt.

Endlich angekommen… Uliastay! Nach Jurte ohne Bad unter freiem Himmel, nun ein Hotel mit Dusche. Was für eine Wohltat!

Gruß, Os8er

Tag 2… In Ulaanbaatar

Nach dem chaotischen 1 Tag – Gepäck nicht da, 8er’s Maschine mit elektronischen Problemen – schafften wir es heute, uns aus dem lähmenden Griff Ulaanbaatars zu befreien. Das Gepäck trudelte heute gegen 11.00 Uhr ein und um ca. 13.00 Uhr waren die Mopeds dann startklar. Die erste Stunde war das reinste „Stop and Go“. Es wurde aber zunehmend besser und nach einigen links …, rechts … und geradeaus … waren wir schnell in der typisch „Mongolischen Landschaft“! 300 km haben wir noch mit kleineren Pausen geschafft und verbringen nun unsere erste Nacht in der Jurte. Die Laune ist bestens!

Tag 1… Na, das fängt ja gut an

Wow… Als wir in Moskau gelandet waren, befand sich der Flieger nach Ulaanbaatar schon beim Borden. Ja, schnell musste es gehen… sehr schnell., und wir waren schnell.

Auf jeden fall schneller als unser Gepäck! Mist, es kommt frühstens morgen nach.. hmm… frühstens. Das würfelt aber so einiges durcheinander. Egal… Hotel, zwei Stunden pennen und um 10.00 Uhr zur Zollabfertigung. Dort treffen wir auf Andreas und seine Jungs… super! Die machen gerade ihre Mopeds für den Rückweg klar. Nach einem kurzen Plausch packen wir unsere Krads aus…und Überraschung zwei… 8er’s Moped springt nicht an. Anlasser raus, Magnetschalter raus.. Alles einmal ausgetauscht… wenigstens lässt sie sich kurzschließen. Nicht komfortabel.. aber zur Not?

Soo… Moped Reparatur auf morgen gelegt… Heute mit den Loxx Pan Jungs noch ins Pub. Ach ja…ein paar Worte zu Ulaanbaatar…

unglaublich diese Stadt. Volle Straßen nach dem „der Stärkere gewinnt“ Prinzip… teilweise sind die Straßen in einem Zustand, der wirklich unbeschreiblich ist.

Riesige Seen sammeln sich in den Schlaglöchern. Und auf der anderen Seite spiegelnde Hochhäuser und Fastfood. Ach ja.. Fastfood ab ins Pub.

 

Gruß, Os8er

Der Kopf und die letzten Vorbereitungen

Ja…es rattert im Kopf. „habe ich dies… habe ich das… und bloß nichts vergessen“. Die letzten Stunden vor dem Flug laufen wir nochmal auf „Hochtouren“. Nochmal die lokalen Nachrichten unserer Reiseländer checken und Kopien unserer Dokumente in die Cloud laden.

Einige Nachrichten sind schon etwas beunruhigend. Sibirien brennt und in Kirgisistan gab es diese Woche Ausschreitungen. Für den Fall der Fälle haben wir nochmals unsere Ausweichoptionen überarbeitet. Ach… und da ist ja noch Usbekistan. Usbekistan ist reich an Erdgas und so wurden inzwischen fast alle Autos und LKW´s auf Gas umgerüstet. In den Reiseforen ist die Suche nach Benzin in Usbekistan ein großes Thema. Die längste Strecke, die wir ohne Tankmöglichkeit überbrücken müssen sind 600km….das ist viel…aber machbar. Auf den Schwarzmarkt gibt es jedoch noch „Spritoptionen“. Ist halt nur nicht kalkulierbar.

Jetzt aber mal weg vom „Schwarzmalen“. Die Reise beginnt und wir können es kaum erwarten! Morgen geht der Flieger nach Moskau und gleich weiter nach Ulaanbaatar. Wir werden gegen 6.00 morgens landen und uns dann wahrscheinlich (ziemlich „gerädert“) zum Zollhof begeben. Die ganzen Formalitäten erledigen, Motorräder zusammen bauen und die Moppeds Packen. Am Abend treffen wir uns noch mit Andreas König von Loxx Pan, der momentan mit Freunden in der Mongolei unterwegs ist. Wir hoffen auf einen tollen Erfahrungsaustausch und gute Tipps, die uns gerade am Anfang der Reise nützlich seien können.

Eine letzte Nacht noch vernünftig schlafen, eine letzte Nacht im Hotel. Am nächsten Morgen geht das Abendheuer dann richtig los!…ab nach Karakorum, dem ehemaligen Hauptsitz von Dschingis Khan. Die ersten 365 km auf (noch) asphaltierter Straße werden hoffentlich gut zu bewältigen sein… danach werden die fahrerischen Ansprüche schon größer. Kein Asphalt und eigentlich auch keine Straßen mehr. Man folgt einer reihe Spuren ins Nirgendwo und kommt doch ins Irgendwo. Schilder gibt es kaum, eigentlich keine und bei der Navigation vertrauen wir auf Papier und Elektronik… und einen Kompass. Wir freuen uns drauf und können es kaum abwarten!

Foto: Florian Nessler CC BY-SA 3.0

Und für den Fall, das wir mal etwas unsanfter über den Lenker „absteigen“ ist auch gesorgt. 8er hat fleißig das Nähen geübt 🙂 Ich wollte schon immer eine Naht von 8er bekommen…Scherz bei Seite.. Hoffen wir mal, dass das nicht nötig wird.

Auch für alles Andere, was gesundheitlich wichtig werden kann, ist gesorgt. Es gibt Notverpflegung von der Bundeswehr, Nüsse und diverse Magenpräparate , falls die gegorene Stutenmilch mal „durchschlägt“. Zur Not greifen wir zu den überall gängigen Hausmitteln der Mongolen… Wodka. Das macht zwar keinen Durchfall weg, aber es wird einem egal 😉

Eigentlich läuft alles in „Sachen“ Vorbereitung, …eigentlich, wenn dieser Kopf nicht wäre.

Es wird eine kurze Nacht… ratter, ratter. Morgen geht es los…endlich!

Gruß und bis in 10 Wochen,

Os8er

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