Tag 57… Ende einer Reise

Wir wußten es doch alle … der Tag wird kommen. Heute ist unser letzter Tag der Reise. Leider mit unterschiedlichen Transportmitteln … getrennt, aber denn noch zusammen. Wir nehmen die letzten Kilometer in Angriff, ich mit dem Motorrad und 8er mit dem Flugzeug. Aber die Richtung ist immer noch die gleiche. Und schon wieder musste ich zusehen, wie 8er mich überholte. In Sachen Geschwindigkeit ist er einfach unschlagbar.

650 km liegen noch vor mir und die erste Herausforderung ist Prag. Ich habe mich voll verfranzt und stand mitten in der Stadt im Stau. Es hat etwas gedauert, bis ich mich aus den Klauen dieser riesigen Stadt befreien konnte. Irgendwann die Grenze zu Deutschland. Unglaublich, die letzte Grenze unserer Reise! Der Rest ist PillePalle. Dresden – Hildesheim … lächerlich! Das Zeitgefühl ist irgendwann weg. Mit starrem Blick auf die Bahn und max. Speed fühlte ich mich wie im Zeittunnel.

Ich habe es trotzdem nicht geschafft, 8er vom Flughafen abzuholen … er war ein paar Stunden schneller. Mein erster Weg führte direkt zu 8er. Abschlußkaffee und die letzten Stunden reflektiert. Dann geht es weiter Richtung „Hause“. Nach so einer Reise ist es echt schön, zu Hause anzukommen. Die letzte Kurve und dann kann ich es sehen. Ich freue mich auf meine Frau, auf meine Tochter, Eltern, Club… ich freue mich auf mein Zuhause! Ich freue mich auf mein Bett … denn da muss 8er nicht unter die Matratze schauen, ob es da kreucht und fleucht.

Jetzt bleibt uns nur noch „Danke“ zu sagen. Danke an Euch, die mitgefiebert haben … die uns mit Ratschlägen zur Seite standen … die in der Not immer ein offenes Ohr hatten und die, die ein Stück weit unsere Reise begleitet haben. Einen ganz besonderes Danke an 8er, der mir auf 15.000 km treu zur Seite stand und immer da war, sogar die letzten Stunden standen wir in jeder Pause in Kontakt.

So … das war es. Es folgen zeitnah noch einige Fotos und vieleicht gibt es ja bald einen neuen Block. 8er ließ schon durchblicken … Nordkorea. Na dann.

8er

Es ist vorbei, mein Zeitgefühl sagt mir, dass wir Monate unterwegs waren. Es wird schwer, wieder in den Alltag zu finden. Die Familie und Freunde werden dabei helfen. Ich war überwältigt, wieviele Menschen aus fast 40 Ländern an unserer Reise „teilgenommen“ haben. Manche auf so intensive Weise, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Ich bin auch stolz auf das, was wir geschafft haben.

Es gibt nun kaum einen Menschen, den ich besser kenne als meinen Freund Oser! Mit Niemanden würde und werde ich lieber auf eine lange Motorradtour gehen als mit ihm.

Ein ganz besonderer Dank gilt meiner Frau und meiner Familie, ohne ihre Unterstützung und Toleranz wäre diese Reise nicht möglich gewesen. Unsere Frauen haben uns ziehen lassen und dadurch einen Männertraum wahr werden lassen.

Wir werden wieder unterwegs sein! Erste Überlegung für mögliche Ziele: Hokkaido, Nordkorea, Iran …

Gute Nacht, Os8er

Tag 56… Abschied

Letzte Foto von uns heute morgen.

Jetzt ist der Augenblick, wo wir beide so gehofft haben, dass dieser niemals kommen wird. Wir werden uns trennen. Nach intensiven Gesprächen in der Nacht siegte die Vernunftsentscheidung. ADAC hat alles in die Wege geleitet und 8er wird die letzten Kilometer mit dem Flugzeug machen. Ich packe meine Sachen und habe da mal einen mächtigen Kloß im Hals. Auch 8er geht es nicht wirklich gut. Bei der Verabschiedung stand uns beiden das Wasser in den Augen. Als Trost bleibt: 1.500 km sind ein Katzensprung. Wir werden uns recht schnell wieder sehen.

8er ist auf dem Weg nach Bukarest und startet morgen seinen Flieger nach München… von da aus nach Hannover. Ich starte morgens um 7:30 Uhr und versuche, Strecke zu machen. Wäre doch echt cool wenn ich 8er morgen vom Flughafen abholen könnte. Ich komme gut durch und schaffe 850 km bevor mich der Regen erwischt. Zwischendurch immer mal ein Telefonat mit 8er… gegenseitige Statusabfrage. Wenn alles glatt läuf,t dürfte ich morgen in Heimat Hafen einlaufen.

8er

Jetzt ist der Augenblick gekommen, von dem wir gehofft haben, dass er nie eintreten würde … Wir müssen uns trennen..

Zu sehen, wie mein Oser allein weiterfährt, tut mehr als weh. Nach 8 Wochen intersivstem Erleben und Zusammenleben ist es, als würde plötzlich ein Bein ausgerissen, das allein sein ist schwer zu ertragen, aber es ist wie es ist. Merkwürdig, an unserem letzten gemeinsamen Fahrtag haben wir sehr bewusst jeden Augenblick genossen, sind in kleine Dörfer gefahren und haben dort Kleinigkeiten wie die Starenschwärme beobachtet und haben über das nahe Ende der Reise seniert. Als wenn wir geahnt hätten, dass es näher war, als es uns lieb sein konnte.

Es ist schon komisch, wenn der Rückspiegel leer bleibt … wenn beim Überholvorgang kein Achter am Arsche klebt… und wenn keiner da ist, der Hunger hat. Nun liege ich hier in einem riesen Hotelzimmer ganz alleine und knüppel den Text in mein Smartphone. Ganz ehrlich … mit weniger Spaß als sonst. Und keiner da, der mal schnell auf Rechtschreibfehler überprüft. (außer natürlich meine Grammatikfee Kerstin 😉).

Aber Morgen ist für uns beide „Ankunftstag“… und dann machen wir mal einen Sekt auf!… Auf den Abschluss einer Reise, den uns vielleicht nicht jeder zugetraut hat.

Gute Nacht, Os8er

Tag 55… Schluß mit lustig

Auf zur Grenze. Ca. 50 km noch zur Brücke und wir sind in Rumänien, das Wetter ist gut, aber weiterhin schweinekalt. Der Grenzübertritt wie für Europa üblich … absolut problemlos und schnell. Hallo Rumänien! Wir fahren durch kleine Dörfer, schöne Landschaften und langsam wird es auch wärmer.

Und plötzlich ist das alte Problem wieder da. 8er’s Karre ging einfach aus. Zum Glück wollten wir gerade Pause machen und 8er rollte geräuschlos auf den Parkplatz. Sein erster Satz: „Das war jetzt anders!“. Wir tauschten die Batterien aus und weiter geht es … doch leider nicht weit genug. Nach 10 km ist endgültig Schluss. Stotternd schaffe 8er es gerade noch in die nächste Ortschaft … genau vor einem Hotel. Auch wenn die Lichtmaschine aufgegeben hätte, mit einer vollen Batterie müsste 8er einige Kilometer machen können. Doch aus die Maus … Batterie ist komplett leer, keine Reaktion.

Dieses Mal hilft uns der ADAC und der war schnell zur Stelle. 8er’s Maschine wurde in die nächste Werkstatt verfrachtet. Für uns war das Naheliegendste der Regler. Wir hatten noch Hoffnung, dass schnell ein Regler besorgt werden kann. Am Abend der Anruf, der alles veränderte. Lichtmaschine, Regler und Batterie platt. Eine Reperatur so schnell nicht möglich, Teile müssen bestellt werden und sie sprachen von einer Woche. Schade, so kurz vor der Haustür ist unsere gemeinsame Reise zu Ende. Morgen werde ich mich allein auf den Weg machen und 8er wird die letzten Kilometer wohl fliegen müssen. Bei der ganzen Trauer ist uns aber auch klar, was für ein enormes Glück wird hatten. 15000 km durch traumhafte Länder. Das Ganze recht problemlos und mit verdammt viel Spaß. Tolle Erlebnisse und eine Freundschaft, die dadurch noch viel tiefer geht als je gedacht.

Wir haben den Kopf nicht hängen lassen und waren mal wieder unterwegs, die Ortschaft zu erkunden. Auf der anderen Seite des Sees bemerkten wir, wie weit es zurück ist. Kurzerhand sprach 8er einen Fischer an, der uns bereitwillig per Boot zurück zum Hotel brachte. Ein klassischer 8er ebend. Der Abend war denn doch etwas bleiern … Trennung lag in der Luft und dazu hatten wir beide überhaupt keinen Bock. Wir finden beide nur schwer in den Schlaf … morgen wird es anders sein als in den letzten 55 Tagen.

Gute Nacht, Os8er.

Tag 54… Busludsha

Es ist früh, es ist kalt, es ist Europa! Vor drei Tagen noch an die 30° C und jetzt fahren wir bei 7° C durch die dickste Nebelsuppe. Wir waren aber vorbereitet. Lange U-Hose, dicke Handschuhe und die dicksten Socken, die wir finden konnten … und es half. Wirklich kalt war uns nicht.

8er

Wind und wie, eigentlich mehr Sturm, seit 2 Tagen sind wir im Herbst, Styroporkisten von LKW Ladeflächen fallen vor uns auf die Strasse, brechen in unzählige Stücke, die uns dann entgegen kommen. Es ist wie bei Starwars, wenn ein Klingonenjäger abgeschossen wurde und nun die Trümmer umherfliegen … Windböen alle paar Sekunden, man gewöhnt sich dran und hat sogar Spaß, muss man zeitgleich auch noch Schlaglöchern ausweichen und Kurven fahren, wie heute zum UFO, hat man Riesenspass.

Busludsha ist unser Ziel. Das riesige Monument ist eine Ruine und ein Highlight für jeden „Lost Places“ Fan. Auf über 1600m liegt das 1981 für die kommunistische „Sozialdemokratische Arbeiterpartei Bulgariens“ gebaute „UFO“ und ist seit 1991 sich selbst überlassen. Es wirkt wirklich nicht wie von dieser Welt und ist riesig. Leider haben sie das Ding komplett verrammelt und wir konnten nur von außen Fotos machen. Aber egal … nur das „hier sein“ ist schon der Hammer!

Mittagessen in einer lustigen Runde. Wir sahen einen kleinen Imbis am Straßenrand. Angehalten und Aufmerksamkeit bekommen. Plötzlich fanden wir uns in einer Truppe gut gelaunter Herren wieder. Sie waren alle schon mächtig angetrunken und amüsierten sich über die „German Rocker“, die mit Stulle und Milch zwischen ihnen saßen. Wir haben viel gelacht. Es wurde ACDC gespielt und es wurden Fotos gemacht. Es herrschte eine lockere Stimmung.

Weiter geht es Richtung Donau. Ein heftiger Wind weht uns um die Nase und es gab auch mal einen kurzen Schauer. Die Donau ist gleichzeitig die Grenze zu Rumänien … und da wollen wir hin. Leider wurden wegen des Sturms die Fährverbindungen eingestellt. Eine Brücke ist noch in weiter Ferne und wir entschlossen uns, auf der Bulgarischen Seite der Donau zu nächtigen. Das Hotel war mal wieder unterste Kante. 8er hatte ein Bett Marke „Hängematte“ und musste improvisierten, damit überhaupt was ging. Es quitschte bei jeder Bewegung. Mein Bett war Marke „Brett“. Ach ja … warmes Wasser?… Mangelware. Aber wir waren froh, überhaupt was gefunden zu haben.

Gute Nacht, Os8er

Tag 53… Bulgarien

Die Nacht in unserem Hotel war heftig und kurz. Es war mitten in der Nach,t als wir merkten, wir sind nicht allein! Nein, kein „ES“ im Schrank oder „Chucky“ unter dem Bett … Es sind Mücken! Erst haben wir versucht, sie zu ignorieren, doch sie ignorierten uns nicht. Mehrfach zapfen sie uns an … tankten voll auf. Die Biester gaben keine Ruhe. Gegen drei Uhr riss uns der Geduldsfaden. Bei voller Beleuchtung und mit Handtüchern bewaffnet geht es jetzt auf die Jagd! Eine Stunde später klebten die Mückenreste mit unserer DNA an der Decke und wir hatten endlich unsere Ruhe.

Am Morgen erst einmal eine Dusche … dachten wir. Auf kalt hatten wir so gar keinen Bock. Ok … „stinkig“ noch zum Frühstück und los. Jetzt geht’s erstmal weiter nach Canakkale auf die Fähre. Wir verlassen nach nun fast 8 Wochen Asien und betreten den europäischen Teil der Türkei. Eigentlich keine große Sache, doch kurz kommt das Gefühl auf, es geht Richtung Reiseende. Doch das war nur kurz … wir sind noch mitten drin! Angekommen in Europa führt eine kleine Straße entlang des Bosporus … und langsam Richtung Bulgarien.

An der Grenze fahren wir erneut an einem Kilometer langen LKW-Stau vorbei. Die Grenze war für uns problemlos … „machen Sie bitte mal die Koffer auf“ und der Grenzübertritt ist geschafft. Tschüss Türkei! … Hallo EU! Wir sind wieder da.

In Bulgarien begrüßt uns erst einmal ein alter Bunker und ein verlassenes Dorf. Was für ein erster Eindruck. Aber so soll es nicht bleiben. Landschaftlich, wie so oft auf unserer Reise, völlig anders als die Türkei. In Bulgarien sind noch Wälder, wo in der Türkei nur noch Steppe ist.

Viele Kilometer sind heute auf der Uhr gelandet und wir sind uns einig. Für heute reicht es. Wir suchen ein Hotel, endlich mal kein skurriles Hotel, sondern eine schöne kleine Bleibe, mitten in Jambol.

8er

Krankheiten, Unfälle, technische Probleme, Defekte, Motorschäden, Verhaftungen, Ausrauben, Willkür…
Für all das haben wir ca. 8-10 Tage Puffer eingeplant. Gebraucht haben wir bisher 1 Tag (Salmonellen mit Migräne in Chiva bei mir). Gesundheitlich nerven uns beide unsere Schmerzen in der rechten Schulter (ich weiß wenigstens woher es kommt, hatte einen Fahrradsturz vor der Reise, da muss wohl Jens Becker mit seinem Skalpell mal irgendwann ran!). Ansonsten bisher gar nichts … Nicht mal ein Ticket für’s Rasen

Die intensive Vorbereitung im Elan wird sicher zu unserer guten körperlichen Verfassung beigetragen haben.

Gute Nacht, Os8er

Tag 52… Das Treffen in Gaziemir

8er

Heute war ich zu Besuch beim Bürgermeister Arda und seiner Frau. Wir hatten ein sehr ergiebiges Arbeitstreffen, bei dem es um den Park der Sinne in Laatzen ging, den ich verwalte.

In Gaziemir soll auch ein Park der Sinne entstehen. Ein junges tolles Team hatte mich dort empfangen. In Gaziemir und Izmir regiert wie in vielen Großstädten der Türkei die CHP (Opposition zur AFP Erdorans)

Das vom Bürgermeister-Team organisierte Hotel ließ keine Wünsche offen. Mit Spa, Pool und Restaurant wurden uns alle Wünsche erfüllt. Nach 8er’s Termin starteten wir erneut durch. Bis wir Ismir hinter uns gelassen haben, dauerte etwas. Die Stadt ist riesig. Heute macht uns das erste Mal auf unserer Reise das Wetter Sorgen.

Und tatsächlich… Es wurde immer dunkler am Horizont. Als wir vor der schwarzen Wand standen, entschlossen wir uns vorsichtshalber für unsere Regenklamotten. Wir steuerten eine verlassene Tankstelle an und das war unser Glück. Keine 5 Minuten später schüttete es sich über uns aus. Da standen wir Gummimännchen im Trockenen und konnten uns nicht überwinden, in das Unwetter zu fahren. Blitze, Donner und Massen von Wasser. Wir spielten sogar mit dem Gedanken, an der Tanke unsere Schlafsäcke auszurollen. Doch da!… es passiert etwas am Himmel. Ein Wolkenloch kommt direkt auf uns zu. In 20 km wäre ein Hotel und wir nutzten die Chance. Und was soll ich sagen… bei nassen Straßen aber ohne Wasser von oben erreichten wir fast trocken unser Hotel.

Und da ist es wieder… unser „Skurillo Hotel“. Wir haben echt ein Talent, solche Hotels zu finden. Es ist riesig und erneut sind wir hier allein. Schön gelegen … direkt am Meer mit Pool und Balkon. Dann der zweite Blick. Es ist völlig abgerockt. Wasser im Pool ist Grün, alles rostet und braucht mehr als nur etwas Farbe. Aber es ist schön ruhig hier… bis auf undefinierbare Klopfgeräusche und den pfeiffenden Wind vom nahenden Sturm. Auf den langen Fluren gibt es kaum Licht und ich machte fast eine „drei Stufen Pirelle“ mit finalem Bauchklatscher. Unser Zimmer ist gaaanz hinten und es dauert etwas, bis wir da sind. Es ist hier wie auf dem Mond … keine Lebensform hier. Also hier gibt es „Gruse 2.0“. Ach ja … vor unserem Zimmer in der Ecke steht noch ein gebrauchtes Kinderbett … Perfekt!

Kleiner Spaziergang noch durch das Dorf Güzelyali. Hier ist nix los. Es ist ursprünglich und es gibt tolle Ecken zum Fotografieren. Bei Nacht hat es eine mystische Ausstrahlung. Am Strand liegen viele kleine Boote. Auf der anderen Seite tobt das Unwetter mit Dauerblitzen und hier können wir die Sterne sehen. Ein unglaublicher Anblick. Den Abend sitzen wir noch auf dem Balkon und schauen dem Naturphänomen zu. Langsam kommt das Grollen des Donners näher. Der skurrile Gesamtmix aus allem macht ein unbeschreibliches Gefühl. Eine Mischung aus Grusel und Faszination.

Gute Nacht, Os8er

Tag 51… Abschied Side und 515 km

Heute ist es soweit, heute geht es weiter und wir nehmen Abschied von Side und unseren Frauen, „All inclusive“, alles auf einmal wieder vorbei. Das „Zauberbändchen“ wird ab jetzt durch den originären Geldschein abgelöst und im Bett nebenan schläft wieder Testosteron.

Auch wenn es nur noch wenige Wochen bis nach Hause sind, Abschied ist immer doof. Die Moped sind gepackt, die Jacken angezogen und eine letzte Umarmung mit den Liebsten. Wehmütig lassen wir die Frauen noch 2 Tage für sich in Side zurück.

Die Straße hat uns wieder. Über 500 km geht’s Richtung Izmir. Der Weg ist gut und wir fahren durch eine wunderschöne Bergwelt. Durch unsere sportliche Fahrweise schaffen wir die Strecke in 7 Stunden.

Wie gestern schon erwähnt sind wir auf Einladung des Bürgermeisters von Gazimier/Izmir hier. Großzügig wurde uns ein Hotelzimmer mit allem drum und dran zur Verfügung gestellt. Abends gabs noch eine kleine Stadtführung und eine Vorbereitung auf das Arbeitsgespräch morgen mit Jasemin … einer super netten Mitarbeiterin aus dem Bürgermeisterbüro. Wir besichtigten den ältesten Fahrstuhl in Izmir (von 1907) und plauderten in einem Straßencafe unverkrampft über Hobbys, Familie und Deutschland. Alles in allem ein rundes Paket. Nach den 500 km trieben wir es den Abend nicht zu lange.

Im Hotel noch ein zünftiges Abendessen und dann war auch Schluss für uns. Recht erschöpft holt uns die Nacht schnell ein. Morgen trifft sich 8er mit dem Bürgermeister, seiner Frau und einigen Mitarbeitern. Ich nutze die Zeit, um mal richtig auszuschlafen.

Gute Nacht, Os8er

Tag 50… Morgen geht es weiter

Unser letzter Tag im Touriland. Morgen geht es wieder in den Reisemodus! Wir werden wohl über 500 km abreißen und uns nach Gazimier/Izmir machen. Dort hat 8er noch ein Treffen mit dem Bürgermeister. Der hat uns schon ein Hotelzimmer gebucht und für den Folgetag zum Frühstück eingeladen.

Na dann… schauen wir doch mal in die Koffer nach relativ nutzbaren Klamotten… ich muss einkaufen. Die Klamotten haben auf der Reise echt gelitten. Chris nutzte die Gelegenheit, unseren Gewürzschrank aufzufüllen und schnupperte sich durch die Läden.

Jetzt geht es aber zum Strand runter. 8er und Kerstin sind schon da und lassen es sich gut gehen. Den letzten Tag werden wir uns das noch einmal geben und unsere „Zauberbändchen“ sollen noch einmal zeigen, was sie drauf haben. Mittagessen am Strand und das Abendessen im Hotel.

Und erneut wird es später als gedacht. Mit Cocktails, Bier und Weinschorle sind wir schnell im Diskutiermodus und die Zeit rennt. Die Os8er Crew verläßt etwas früher die Runde. Während Kerstin und Chris noch bis in die Nacht quatschen, sind wir schon am packen und bereiten die Karren für den morgigen Trip vor.

Gute Nacht, Os8er.

Tag 49…Heute Ruhetag

Nein… Ein wenig geht immer. Heute gehen wir es ruhiger an. Die Oser’s gehen schoppen, die Achter’s an den Strand. Jeder macht sein Ding. Gegen Nachmittag treffen wir uns, um in die Altstadt von Side zu fahren.

Besuch bei Ali.

Vor der Altstadt treffen wir noch auf Ali mit seinen Freunden. Nach herzlicher Begrüßung wurde gequatscht und Geschichten erzählt. Unsere Einladung musste die Bande leider ablehnen. Es ist noch Saison und sie hatten noch zu tun. Ali konnte auch aus seinem Laden nicht einfach so weg. So ziehen wir allein weiter.

Side Altstadt besteht gefühlt nur aus Restaurants, Läden und architektonische Überbleibsel aus der Frühzeit, die touristisch attraktiv restauriert und beleuchtet wurden. Am Hafen liegen wartend kleine Schiffe, die bereitwillig Touristen an der Küste entlang schippern. Zum Sonnenuntergang fing uns so ein Schiff mit einem unschlagbaren Preis ein. Für 5,00 € erlebten wir den Sonnenuntergang vom Wasser aus. Das hatte was. Eine Stunde ließen wir uns durchschaukeln, bis die Sonne untergegangen war.

In einem recht kleinen Lokal noch etwas essen und dann zurück ins Hotel. Bei Cocktails, Wein und Bier ließen wir den Abend ausklingen.

Special. Unschöne Dinge

Ja, so eine Reise ist kein reiner „gute Laune – Trip“. Da sind auch Bilder in unseren Köpfen gelandet, die wir kritisch sehen oder nicht einfach zu verarbeiten sind. Trotz allem sind sie wichtig für uns. Wir wollen die Menschen, die Mentalitäten, ihre Rituale, Religionen … einfach so viel wie möglich erfassen und verstehen. Vieles ist durch die „westliche Brille“ gesehen befremdlich. Legt man diese jedoch ab, kann man vieles nachvollziehen, wenn auch nicht unbedingt für gut heißen.

Vor gar nicht so langer Zeit in Deutschland gehörte die Hausschlachtung zu unserem Leben dazu. Da hatten die Hasen und Hühner noch keine Namen und jedes Kind wußte, wofür sie gehalten wurden. Schweine wurden mit den Essensresten gefüttert und später selbst zu welchen. Es war völlig normal für diese Zeit. In vielen Ländern unserer Reise ist das noch heute so. Der Blick auf die Tierwelt ist ein anderer als unser heutiger. Da wird auch mal nach Katzen und Hunden getreten… oder auf dem Dorfplatz geschlachtet.

Auch mit Müll gehen sie anders um. Alles wird einfach vor Ort fallen gelassen oder aus dem Autofenster entsorgt. Ist nicht schön und schwer zu ertragen. Leider wird es viel Zeit brauchen, bis ein Umdenken stattfindet. Doch es hat schon begonnen.

8er’s Gedanken.

Da ist der Jungbulle, der mit zerfleischten, blutenden Ohren und tiefen Wunden an den Genitalien, der langsam seiner Mutter auf der Strasse folgt. Er ist vermutlich von Wölfen oder wilden Hunden angefallen worden.

Umweltschutz:
Ein Thema für sich! Fazit vorweg: Viele Menschen versauen alles, wenige sind noch erträglich für ihr Umfeld! Überall sichtbar, der leidvolle Plastikmüll und oft auch die Gewässerverschmutzung. Veränderungen durch den Klimawandel, insbesondere der Wassermangel (extrem in der Region des Kaspischen Meeres) war schon dramatisch. Die gewaltigen Flächenbrände in Sibirien haben wir nur indirekt (Rauchwolken) gesehen.

Männer und Frauen… Hier gibt es deutliche Unterschiede, gerade in den islamisch geprägten Ländern, aber nicht nur dort… Frauen sind markant häufiger bei der Arbeit als Männer, die es sich gern unter Männern gemütlich machen.

Menschen… sind viel menschlicher und fast überall wirklich überwiegend gut! Die Freundlichkeit und uneigennützige Hilfsbereitschaft ist gerade dort, wo die Menschen wenig haben, oft unbeschreiblich. Es scheint einen direkten Zusammenhang zwischen materiellem Wohlstand und Egoismus zu geben. Oder andersrum, wer wenig hat, hilft gern, er hat auch die Zeit zu helfen, die denen natürlich fehlt, die ständig damit beschäftigt sind, ihre Reichtümer zu vermehren. Eins steht aber fest, wer viel hat, ist nicht zwangsläufig glücklicher. Zeit zu haben, ist das wahre Glück. Zeit im Elend ist damit nicht gemeint. Wer aber die Grundbedürfnisse befriedigen kann, sich mit wenigen Dingen, aber guten sozialen Kontakten zufrieden gibt, ist offensichtlich eher glücklich.

Es gibt aber auch innerhalb eines Landes deutliche Unterschiede! In Russland beispielsweise spürten wir in Sibirien im Altai diese melankolische Herzlichkeit von Mütterchen Russland. Im Westen nach Kalmueckien hingegen war es mehr eine gereizte, aggressive Grundstimmung, die sich insbesondere im Strassenverkehr gezeigt hatte.


Da ist aber auch der uralte, tiefgebeugte Mann in Buchara, dem völlig selbstverständlich von jungen Menschen geholfen wird, sein Ziel zu erreichen. Überhaupt ist der Respekt vor dem Alter fast in allen Ländern viel deutlicher spürbar, als bei uns in Deutschland.

Der Respekt gegenüber Tieren ist aber leider oft nicht vorhanden, mit Ausnahme der buddhistischen Regionen, in denen aber generell eine sehr große Würde und Erhabenheit spürbar ist. Hier hat man auch sofort immer ein sehr hohes Sicherheitsgefühl und kommt auch innerlich schnell zur Ruhe.

Gute Nacht, Os8er

Tag 48… Ausflug

Auf zur erneuten „Schlacht“ am Frühstücksbüffet … dieses Mal mit Unterstützung. Der Wechsel von einer Reise zu einem All Inclusive Urlaub ist schon eine Herausforderung. Dann noch von einem Zweier- zum Viererteam ist eine 180 Grad Wendung. Ich will nicht sagen, dass 8er und ich in den 7 Wochen nicht kommuniziert hätten, jedoch beschränkte sich die Kommunikation auf die motorradfreie Zeit und da kommunizierten wir hauptsächlich im „Reisemodus“.

Plötzlich ist alles anders. 8er wurde durch Chris ausgetauscht, ich durch Kerstin. Viele Menschen sind um uns herum und quatschen durcheinander. Die Prioritäten haben sich verschoben. Hier wird kommuniziert … und zwar viel. Es dauerte ein wenig, bis ich mich darauf eingestellt hatte und es passiert immer noch, daß ich in alte Verhaltensmuster zurück rutsche. Nur nachdenklich und still zu sein, ist in vielen Situationen nicht angebracht. 8er hatte durchaus ähnliche Probleme … konnte sich jedoch schneller auf die neue Situation einstellen. Oft reflektieren wir vergangene Situationen, grinsen uns an und haben unsere „Insider“.

Aber wir sind im „jetzt“ und da sind wir froh, unsere Frauen hier zu haben. Sie haben ein offenes Ohr für unsere Geschichten und bringen enorm viel Frische rein. Auch die körperlichen Kontakte sind wesentlich anders als mit 8er, der mit Glück beim Umdrehen im Schlaf mal an meiner Axel riechen durfte. Wir haben sie doch mehr vermisst als vorher gedacht und genießen die Zeit mit ihnen. Langsam werde ich auch wieder gesellschaftsfähig.

Danke an euch beide, dass ihr die Reise und uns so unterstützt habt! Ihr seid schon was Besonderes, das ist nicht selbstverständlich! Dafür lieben wir Euch beide.

Genug Gefühlsduselei. Heute wollen wir raus. Die Mädels haben ihre Helme mit und die wollen genutzt werden. Das Ziel … ein kleiner Stausee im Hinterland. Leicht bekleidet und dementsprechend gemütlich tuckern wir durch die Landschaft. Es ist schön, wieder unterwegs zu sein und dabei auch noch eine feste Umarmung von hinten zu bekommen. Den Stausee scheint hier keiner auf seiner Karte zu haben. Wir finden ein Cafe direkt am Wasser und sind dort allein. Zeit nur für uns und fernab des Trubels. Stille, Natur und unsere Frauen. Schön war es und endlich mal Zeit zu horchen, was so zu Hause abging.

Zurück gehen wir noch zum Strand runter. Es war schon etwas später und nicht mehr viel los. Langsam lernen wir den Zeitplan der anderen „Touris“ kennen und stellen uns darauf ein. Ein Gang ins Wasser, ab auf die Liegen, ein Bier. Ja, doch, so kann man es aushalten. Nach dem Abendessen noch ab durch das „Vergnügungsviertel“. Schoppingbuden ohne Ende. Alle buhlen um uns … wollen uns locken. Menschen vollbeladen mit Tüten und Taschen kommen uns entgegen. Dauer SSV… alle im Kaufrausch. Wir beobachten das Treiben und finden vieles zum Schmunzeln.

Insektenspecial

Insekten?… echt jetzt? Ja… echt.

Wenn es treue Begleiter auf unserer Reise gibt, dann sind es die Insekten. Es gibt eigentlich drei Kategorien auf unserer Reise. Die Begegnungen, wenn wir ruhen, die Begegnungen, wenn wir fahren und die Exoten.

Nach einer Fahrt können wir viele Begegnungen auf unseren Visieren und an den Verkleidungen betrachten. Es gleicht einem Schlachtfeld der Straße. Trotz Licht und Hupe krachen so einige Brummer bei uns ein. Interessanterweise interessierten sich bei der einen oder anderen Pause viele Wespen für diesen Eiweißmix. Teilweise belagerten Dutzende von ihnen das Motorrad und knabberten die Reste der Verunfallteten ab. Leider fanden sie es gar nicht lustig, wenn wir uns den Mopeds wieder nähern wollten. 8er hatte ja schon Erfahrungen in Form von körperlichem Schmerz mit den kleinen, aggressiven Biestern. Also blieb uns nichts anderes übrig, als mit Vollschutz wie Helm und Jacke aufs Gerät zu steigen und weg. Leichte Panik trat nur auf, als ich merkte, dass sich eine der Wespen auf meiner Seite des Visieres befand. Auf nen dicken Riechkolben hatte ich dann doch keinen Bock (also noch dicker als sonst meine ich).

Weiter geht es mit der Begegnung Marke „offenes Visier“, also Jethelm. Da gibt es die Betonköpfe und die Schleimer. Jeder Biker kennt sie. Schön sind die Schleimer, wenn sie am Brillenrand mit einem dumpfen „Blop“ zerschellen und dann geschmeidig Richtung Ohr fließen. Es bringt ein wenig Kühle in den Kopf. Die Betonköpfe hingegen verpassen dir einen Kinnhaken, so dass sich sogar ab und zu ein „Aua“ bei mir lößte. Auch auf der Wange hinterläßt so eine Libelle ihren schmerzhaften ökologischen Abdruck. Wenn man dann bei Ankunft den Helm abnimmt, fällt einem ab und zu sein Schwarzfahrer in den Schoß.

In unseren Unterkünften und vor allem im Freien sind die Genossen oft in der Überzahl. Dabei sind die Kakalaken noch die freundlicheren Genossen. Sie sind nicht aufdringlich, stören nicht wirklich und verschwinden, wenn man das Licht anmacht. So wie die Putzkolonne im Side-Hotel. „Angst“ hatten wir nur vor Bettwanzen. Haste die, haste ein Problem. Wenn ein Zimmer von denen befallen ist, riecht es dort süßlich und man sollte sich für die Flucht entscheiden. Spinnen, Ameisen und Ähnliches sind fast immer zu finden. Unangenehm wird es nur bei Nächten im Freien. Dort finden sie oft auch den Weg in den Schlafsack. 8er hatte die letzte Freiluft-Nacht so einige Gäste im Sack und fischte bis zum Morgen nach ihnen. Oder sie krabbeln im Dunkeln über unsere Gesichter. Morgens tauschen wir uns dann über den einen oder anderen Besuch aus.

Die Statistik sagt, daß jeder Mensch in seinem Leben ungewollt bis zu einem Kilo Insekten isst. Biker bestimmt mehr.

Verwundert hat uns auf der Reise, dass wir kaum Probleme mit Mücken hatten. Sie waren einfach kaum da. Dafür gab es aber massenweise stechende Fliegen. Die waren wirklich unangenehm.

Dann gibt es noch die interessanten Begegnungen. Gottesanbeterin, Stabheuschrecke oder für uns unbekannte Falter erregten unsere Aufmerksamkeit. Oft scheiterte der Versuch, sie in einem Bild zu fangen. So schnell sind wir dann auch nicht mehr.

Gute Nacht, Os8er

1 2 3 8