Tag 47… Schatzsuche

Am Morgen brummte noch ein wenig der Kopf. Gestern Abend schmeckten die Cocktails etwas zu gut. Aber der neue Tag ruft (und 8er, der Frühaufsteher). Während ich noch mit den „Demonen der Nacht“ kämpfte, hatte 8er schon seinen Strandspaziergang hinter sich.

Sonne satt und Temperaturen um die 30°C erwarten uns heute. Und wir? … Wir erwarten heute unsere Schätzchen. Der Flieger sollte so um 7:00 Uhr in Antalya landen. Dann noch das Gepäck und der Transfer… also rechne, rechne… zwischen 9.00 – 10:00 Uhr müssten sie eintrudeln. Nein! Der Flieger hat Verspätung! Also nix mit „rechnerechne“… Ankunft ungewiss.

Ok … Frühstück ist angesagt. Ja, riesen Büffet wie gestern und überschaubare Gäste. Erneut einmal bitte von allem! Auch wenn man von allem nur ein bißchen nimmt, braucht man 3 Teller. Mit vollem Bauch robben wir erstmal auf den heißen Stein… „Hamam“. „Hamam“ ist ein Dampfbad mit viel Wasser und einem großen heißen Stein zum Drauflegen in der Mitte. Ein wenig wie beim Chinamann die Warmhalteplatten. Die Wärme zieht von unten durch den Körper, bis man gar ist. Total entspannt erst nochmal einen Kaffee. Der Blick auf die Uhr … hmm, 10:00 Uhr und noch keiner da. Also nochmal in die Lobby. What’s App und Emails checken … warten … und checken. Und plötzlich waren sie da. Große Wiedersehensfreude nach langen 7 Wochen.

Erstmal runterkommen und Ruhe einkehren lassen. Es gibt viel zu erzählen und so verging auch der Nachmittag im Fluge. Nachdem etwas Ruhe eingekehrt ist, die Mädels die Zimmer bezogen haben, gehen wir zu dem Strand … oder das, was sie hier so nennen. Überdachte Liegeplätze bis fast ins Wasser. Dazwischen kleine Wege und vorne kann man sich mit dem „Zauberband“ verköstigen.

Also … Chillen, Wasser, ein Bier, Chillen, Wasser… usw. Kann man machen, muß man aber auch nicht. Stunde reicht. 8er, Kerstin und Chris haben sich einen guten Deal bei der Massage ausgehandelt und ich gehe zurück ins Hotel, muß noch den Block machen.

8er’s Anmerkung zu den Heidenau’s

Unsere HEIDENAU SCAUT sind wirklich unglaublich, nach den langen geradeaus Strecken kommt man trotzdem ums Eck, aber das Beste, sie halten unglaublich viel aus und sind wahre km Meister! Wir werden wohl nach ca. 17.000 km Tour zu Hause sein (wenn alles klappt) und vermutlich werden sie auch dann noch gesetzeskonformes Profil haben. Schaut mal, so sehen sie jetzt nach über 13.000 km aus:

Gute Nacht, Os8er

Tag 46… Side, wir kommen

Eine geile Sternennacht geht zu Ende… und wir sind trocken!.. also trocken in Form von nicht nass. Bei so einer Nacht ohne Zelt und direkt am See haben wir fest mit einem feuchten, wenn nicht sogar nassen Morgen gerechnet. Aber nein.. keine Spur von Tau, kein Regen. Das war mal ne Überraschung. Wir waren schon früh wach… (8er wie immer früher) und erlebten einen Klasse Sonnenaufgang. In aller Ruhe packten wir unsere Klamotten, dann geht es auf die Piste, die letzten 150km bis Side. Kleine Straßen wechseln sich mit autobahnänlichen Abschnitten ab. Überall nix los… die Straße ist unsere.

Frühstück. Ja.. Wir wollen Frühstücken. Also abgebogen in ein kleines Dorf am Rande unseres Weges. Wir finden den kleinen Dorfshop oder Cafe oder so in der Mitte des Dorfes. Vor dem Cafe sitzen, wie so oft in der Türkei, eine Gruppe von Männern. Sie trinken Tee beschäftigen sich mit Brettspielen. Wir stoppen direkt davor, parken unsere Bikes und sofort werden wir freundlich begrüßt. Die Männer waren alle schon etwas in die Jahre gekommen. Hauptsächlich leben sie hier in den Bergen von Viehzucht und Ackerbau und danach sahen sie auch aus. Schnell saßen wir mitten unter ihnen bei Tee und Kuchen. Sie hatten viele Fragen zu den Moppeds, uns und Deutschland. Nach einer Weile lößten wir uns von dem Club der alten Männer. Freundlich wurden wir mit „winkwinke“ und „Güle Güle“ (tschüß) verabschiedet.

Der Weg nach Side führt durch traumhafte Landschaften. Ich hätte nicht gedacht das es kurz vor Side so eine einsame wilde Welt gibt. Hohe Berge, kleine Straßen, Kiefernwälder. 8er kannte sich hier aus und zeigte mir die schönsten Stellen. Wir kamen kaum voran… Fotostops waren an der Tagesordnung. Dann noch einige Pausen. .. wollen ja nicht schon morgens im Hotel ankommen.

Bevor wir zum Hotel fahren besuchen wir erst einmal einmal Ali. Ali ist ein guter Freund von 8er und er hat uns angeboten die Moppeds zu Warten. Alles nicht nötig Ali… die Dinger laufen wie die Wutz. Ali erzählte noch von einen MC Treffen in Antalya.. das müssen wir erst einmal schauen ob wir das noch rein bekommen. Nun aber zum Hotel und da sind wir! Angekommen im absoluten Tourismus. Man spricht hier deutsch… man zahlt hier in Euro. Im Hotel müssten wir dann doch auf das Zimmer warten. Wir gehen also erst einmal Essen. In voller Biker Montour stehen wir am Büffet und da werde ich zum ersten Mal angesprochen. „Tschuldigung… Sind sie Arbeiter?“ Wie bitte? „Ja… sie sehen aus wie von einer Ölplattform oder so.“ hmm.. hier fallen Männer mit schweren Stiefeln und Schirmmütze zwischen den Bikini Girls auf. Egal wo wir uns auf der Reise befinden… wir sind Außenseiter! Wilkommen in der All inclusive Touriwelt von Side.

Auch mit den Moppeds wurden wir öfter gefragt, wie lange man wohl bräuchte von Deutschland in die Türkei. Keine Ahnung… woher sollen wir das wissen! Die Gesichter der Leute könnt ihr euch vorstellen, als wir die Mongolei ins Spiel brachten. Mongolei?… wie jetzt?

Eine Gang über das Hotel-Areal und zum Strand läßt erahnen, auf was wir uns hier einlassen haben… und jetzt liegt es an uns uns darauf einlassen zu wollen.

All Inklusive. Das ist mal was. Uns erwartete ungewohnter Service und ungeahnte Vielfalt am Büffet. Wir waren etwas überfordert mit dem Angebot. In der Vergangenheit war die eingeschränkte Auswahl Standart.(wenn es eine Auswahl gab.) Also… einmal durch Büffet gefräst und danach an die Bar. Was so ein Bändchen am Handgelenk alles möglich macht! So voll war ich auf der ganzen Tour nicht. Nach den 4. oder 5. Drink und gute Gespräche mit 8er war dann auch Schluss… und langsam kam das andere Voll auch dazu. Zufrieden und voller Vorfreude auf unsere Frauen lassen wir uns ins Bett fallen.

Na dann gute Nacht, Os8er.

Tag 45… Auf dem Weg nach Side

Ja … Side ist unser Ziel. Wir werden, wenn alles gut geht, morgen dort ankommen. Am Sonntag beginnen dann 4 Tage absoluter Touriterror für uns. Da wir das unmöglich allein aushalten könnnen, kommen unsere Frauen zur Unterstützung dazu. Wir freuen uns riesig auf das Wiedersehen. Sieben Wochen sind eine lange Zeit … und eine so lange Trennung von den Liebsten hatten  wir noch nie vor dieser Reise. Wir freuen uns auf euch, Kerstin und Chris!

Aber noch ist es nicht soweit. Heute Morgen in der Früh konnten wir nochmals das Spektakel von gestern genießen. Wir waren natürlich vorbereitet auf das Ballongeschwader und genossen es in vollen Zügen. Nach dem sehr guten Frühstück mit den Lampions im Hintergrund verlassen wir das „Anatolia Cave“ und machen uns auf den Weg. Für jeden, der mal nach Kappadokien möchte, das „Anatolia Cave“ können wir wärmstens empfehlen.

Unterwegs in einem kleinen Dorf … Pause.

Nach der Unterkunft in Kappadokien wollen wir endlich mal wieder eine Nacht unter freiem Himmel. Bei der Suche nach einem geeigneten Ort stießen wir auf den See „Beysehir Gölü“. Er liegt auf dem Weg und macht auf der Karte einen guten Eindruck. Die 300 km sind wir geflogen und wir hatten noch genügend Zeit für die Suche nach einer geeigneten Ruheoase. Der See war riesig und kaum ein Mensch verirrte sich in diese Gegend. Türkises Wasser, die Ufer voller Fichten. Wir stellten die Mopeds ab und das Erste, was wir machten ist uns auszuziehen … ab ins Wasser. Alles andere hat Zeit. Es ist einfach geil nach 300 km in Stiefeln und dicker Jacke, sich in den See zu stürzen.

Später noch das obligatorische Lagerfeuer mit einen Pott Kaffee drauf. Ein Zelt?… Nö, das geht ohne. Morgen werden wir bestimmt nass vom Tau sein, aber die Sonne geht an der richtigen Stelle auf, die wird das schon richten. Wir liegen in den Schlafsäcken, schauen in die Sterne. Keiner sagt ein Ton und Wlan ist für uns unerreichbar, die Gedanken haben freien Lauf … Klasse. Kein Mond, kein Lärm, nur ab und zu hören wir die Fische springen. Dieser Luxus ist in unserer Welt selten geworden. Irgendwann war ich dann auch weg.

8er

Nachts aufwachen, was für irre Geräusche, die Milchstraße so hell, alles ohne Mond, ein Nachtreiher ruft, Zugrufe von 12 Vogelarten, Oser kommt zurück von der Sternhimmelfotografie…. Was für eine tolle trockene Nacht.

Freiheit! … Freiheit ist wenn man sich am Lagerfeuer die Zehnägel schneidet und es einem egal ist, wohin die „Halbmonde“ springen.

Gute Nacht, Os8er!

Tag 44… Jetzt kommt ein Ballon

Okay … wir wussten, das Kappadokien für seine Ballonfahrten bekannt ist. Wir hatten auch die Hoffnung 4, 5 oder sogar 10 Heißluftballons zu sehen. Es ist mitten in der Woche und Nebensaison … nicht wirklich viel los hier. Viele Orte in den Bergen waren menschenlehr und an den „Hotspots“ sammelten sich nur wenige Touristen. Also kein Vergleich zur Hauptsaison. Wenn die Ballons steigen, dann zum Sonnenaufgang. Diese Info hatten wir. 8er, mein persönlicher Frühaufsteher scharrte schon gefühlt mitten in der Nacht mit den Hufen. „Wie spät haben wir es denn?“. „6:00 Uhr… wollen wir mal gucken?“.“ 8er… geh gucken, wenn was sein sollte, kannst ja rufen“. 30 Sekunden später. „Oser… du solltest jetzt aufstehen!“. Wir stiegen auf die Terrasse und was uns da erwartete, ließ uns die Kinnlade auf die Knie fallen.

Mindestens 100 von den Dingern schweben vor unserer Nase! Damit haben wir nicht gerechnet! Mit einem Kaffee saßen wir auf der Terrasse und bekamen beide kein Wort raus. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und es steigen immer mehr auf. Wenn man da so steht und in den Himmel schaut, wirkt die Szenerie sowas von unreal, dass es einige Zeit benötigt, diesen Moment wirklich zu begreifen.

So … begriffen, verdaut und bereit für neue Schandtaten! Wir fahren heute raus in die Berge. Spärlich bekleidet (es wird warm) machen wir die Gegend unsicher. Wir müssen vorsichtig sein, die Nebenstraßen haben ihren Namen nicht verdient. Sie sind sandig und so bekleidet möchten wir keine nähere Bekanntschaft mit Kappadokiens Fundament machen.

Und da sind wir… mittendrin. Die Türme werden hier „Feenkamine“ genannt. Die ganze Landschaft könnte einem Märchen entsprungen sein … oder einem Fantasy Film. In einige dieser Formationen sind in der Bronzezeit Höhlen hineingerieben worden. Später diente diese Gegend den frühen Christen als Zufluchtsort. Es gibt zahlreiche Felsenkapellen und viele unterirdische Städte, bis zu 19 Stockwerke tief wurde gegraben und die Größte hatte wohl 60.000 Einwohner. Unvorstellbar!

Hinter jeder Ecke tut sich eine neue Landschaft auf. Zwischendurch kleine Weinstöcke oder Obstgärten. 8er habe ich eigentlich nur kauend erlebt. Das hat schon einen paradiesischen Charakter hier. Du greifst einfach nach rechts oder links und hast die süßeste Früchte in der Hand.

Und dann trafen wir Yonus. Wir waren auf dem Weg, einen schönen Sonnenuntergangsspot zu suchen, da sprach uns Yonus an … auf Deutsch. Er könne uns die schönsten Orte Kappadokiens zeigen und wir würden es nicht bereuen. 10 € sollte uns das wert sein. Dankend lehnen wir ab und gehen weiter den Berg hoch. Keine Ahnung wie er das gemacht hat, aber oben angekommen steht Yonus erneut da und nimmt Anlauf für einen zweiten Versuch. Dieses mal schmiss er das schönste Tal Kappadokiens in den Ring und dazu noch die älteste Felsenkapelle … 400 nach Christi! .. und alles für 10 €. Ob er uns überzeugt hatte oder es ein Mitleidsding war… wie es auch sei, kurze Zeit später saßen wir in seinem Wagen Richtung dem schönsten Tal der Welt.

Angekommen erzählte Yonus viel über sich und die Geschichte seiner Heimat. Yonus lebte bis zu seinem 13 Lebensjahr in Deutschland. Das erklärte sein gutes Deutsch. Seit über 30 Jahren macht er nun den Fremdenführer in Kappadokien und hatte ein unglaubliches Fachwissen. Er war gut in dem, was er tat, hatte richtig Humor und war auch ansonsten ein netter Mensch. Und er hatte Recht. Wir haben es nicht bereut. Es war ein schönes Tal mit toller Aussicht und einer Kapelle, die Gänsehaut hervorruft.

400 nach Christi!…das ist schon ne Nummer. Und wie fast immer waren wir dort allein. Um uns die Akustik zu demonstrieren, sang der Yonus gleich mal die Kurzfassung des Korans … und nochmal Gänsehaut! Wir unterhielten uns noch eine Weile über Glaube und den Koran, die Türkei und Politik. Insgesamt konnte der Tag nicht besser enden. Danke Yonus! Schön, dich getroffen zu haben.

8er

Unterwegs… Es sind die vielen kleinen Dinge, die passieren, meist ohne, dass sie je Erwähnung finden: Da rutscht der Oser plötzlich in einer Kurve über beide Räder zur Seite und versucht fussend einen Sturz zu vermeiden. Bevor ich die Situation deuten kann, befinde ich mich nach einem Bruchteil einer Sekunde auf eben dem selben Ölfleck und mache bestimmt eine ähnliche Verrenkung …
oder eine dieser Schlagwinde, die dich wirklich hart treffen können. Man sieht den irren Schlenker beim Vordermann , da hat es einen schon selbst erwischt. So lange alles gut geht, ist es meist auch gleich wieder Geschichte.

Gute Nacht, Os8er

Tag 43… Sprachlos

8er

Kappadokien, was sollen wir denn sagen, wenn wir selber sprachlos und tief beeindruckt sind?
Am Besten mal garnichts, schaut selbst….

Morgen wird der Block wieder textlastiger… versprochen!

Gute Nacht, Os8er

Tag 42… Begegnungen

Heute verlassen wir das Schwarze Meer. Uns zieht es ins Landesinnere … einmal quer durch die Türkei. Unser heutiges Ziel ist Sivas. Tja … eigentlich. Ich sage es mal so, wir sind mal wieder weit darüber hinaus geschossen. Bremsen ist nicht so unser Ding, also landeten wir in Kayseri. Kayseri liegt kurz vor Kappadokien. 420 km haben wir heute gemacht … und jetzt haben wir kein Bock mehr. Wir sind müde und von Konzentration ist keine Rede mehr. Wir beschließen, das erste Hotel zu nehmen, was kommen würde. Und was kam?.. natürlich ein super edeles Ding, das Hotel „Ommer“. Mis t… das wird zu teuer sein.

Skeptisch checken wir die Lage. Umgerechnet 50 € die Nacht. Hmm … ne Menge Knete. Wir beraten uns: Müde, kein Bock mehr weiter zu suchen und hier werden einem die Koffer getragen auf der Pro Seite. 50 € für ne Nacht auf der Kontra. Als dann noch die Info „inklusive Frühstück, Pool und Spa“ und für 8er nen Fitnessstudio kam, war die Entscheidung gefallen… Wir fahren wieder!

Blödsinn … natürlich sind wir geblieben! Die letzten 70 km machen wir dann morgen.

Der Weg nach Kayseri war mal wieder ein Weg der Begegnungen. So trafen wir bei einer Pause auf einen humpelnden Biker. Es war schon ein kauziger Typ. Er kam aus der Türkei, sah aus wie von der Müllabfuhr und hatte einen Sack voller Äpfel und Nüsse dabei. Er zeigte uns Fotos von einer Bösen Fleischwunde, er hatte sich in Antalya aufs Mett gemacht. So humpelte er durch die Gegend, inzwischen geschützt mit Knieprotektoren, die er wohl irgend einem Kind unterwegs abgeluxt hatte.

Englisch sprach er nicht wirklich und wir sprachen auch nicht wirklich türkisch … doch die Verständigung klappte irgendwie … glaube ich.

Wir tranken Chai Tee und er beschenkte uns mit der Hälfte seiner Äpfel und Nüsse. Der humpelnde Protektor Mann hatte viel zu erzählen. Wir verstanden kein Wort und versuchten zu erahnen, was er meinte. Trotz alledem oder vielleicht gerade deswegen … ein absoluter Sympathieträger, der zu 8er eine ganze besondere Beziehung aufbaute. Dementsprechend herzlich sah auch die Verabschiedung zwischen den beiden aus. Wir fahren jetzt unter dem Schutz Allahs. Danke kleiner Müllmann.

8er

Ich hatte ein besonderes Erlebnis während des Kontaktes, einer dieser Momente, die mir so unsagbar viel geben, aber die man auch nicht in Worte fassen kann, weswegen ich es gar nicht erst versuche.

Unterwegs durch die Berge gab es so einiges zu entdecken. Hier gibt es große Haselnusswälder und die Ernte wird direkt an der Straße getrocknet.

Auch das Mittagessen war eines der besonderen Art. Es war nicht wirklich ein Restaurant, wo wir landeten. Es wirkte eher wie eine Schulkantine … nur etwas kleiner. Wir wurden behandelt wie Ehrengäste. Sie waren alle bemüht, uns zufrieden zu stellen. Die „Germans“ haben mal wieder für Aufsehen gesorgt. Es gab Köfte mit Reis und es war richtig lecker. Später, bei den Mopeds, wurde ich schüchtern von einer Gruppe Schülerinnen angesprochen. Natürlich ging es um Selfies, aber nicht mit den Motorrädern, nein, sie wollten Selfies mit mir. Ich sollte doch unbedingt die Kutte anziehen. Dann begann ein riesen Foto Zirkus. Von Schüchternheit keine Spur mehr. Sie zerrten mich rechts und links und positionierten mich dorthin, wo sie mich haben wollten. Später wurde noch das Motorrad mit eingebunden und die ca. 15, 16 Jährigen fanden gar kein Ende mehr. Das war schon skurril, vor allem, weil die „Kantinengäste“ sich das Spektakel von der Terrasse aus nicht entgehen lassen wollten. Die Situation war bezeichnend für die Freundlichkeit und Offenheit der Türken. Ob der Tankwart oder die Tante am Kiosk, der Hotelpage oder die Bedienung im Restaurant. Alle hielten Smalltalk und waren interessiert an uns und an unserer Reise. Wir hatten nicht einmal sowas wie Unfreundlichkeit erlebt.

Freiluftklo mit Waschbecken und Licht.

Nun sitzen wir hier im zehnten Stock des Edel Hotels, waren im Spa- und im Schwimmbad (8er auch noch in der Muckibude), haben uns ein gutes 400 g Steak einverleibt und sind glücklich, soweit gekommen zu sein. Die Mopeds laufen und wir sind auch noch relativ gut beisammen. Das ist nach fast 13.000 km nicht selbstverständlich.

Gute Nacht, Os8er

Tag 41… Schwarz (Meer) Fahren

8er: „Das ist keine Glatze, das ist die Spiegelung der Sonne. “ Danke 8er.

Türkei am Schwarzen Meer. 400 km fahren wir durch mehr oder weniger bebautes Gebiet. Drei, vier, mehrstöckige Gebäude stehen links, rechts das Meer… teilweise blitzt ein Stück Strand durch die Bäume. Hinter den Häusern erhebt sich das „Pontische Gebirge“ .

In den Städten gibt es diverse Strandpromenaden, wie wir sie aus Südeuropa kennen und überall hören wir den Muezzin aus den Lautsprechern.
Viele kleine Fressbuden laden zum Verweilen ein. Leider gibt es fast nur Fastfood nach Weststandard. Wer Fisch oder was Vernünftiges möchte muss in die besseren Lokale. Sowas kennen wir aus unseren anderen Reiseländern nicht. Da konnten wir in der “schäbigsten“ Bude das beste Essen abgreifen.

8er

Meer rechts, Städte links … 400 km in Richtung Westen und immer an der Schwarzmeerküste entlang, das war heute unser Auftrag! Er war leicht zu erfüllen, gute Straßen, ab und zu ein Halt und Fotostop oder ein chilliges Plätzchen für eine Cola. ÜNJE, unser Etappenziel, gut gewählt, da wir von hier aus ins Inland Richtung Kappadokien weiter wollen. ÜNJE erwies sich spannender als gedacht, konnten wir doch hier recht gut den türkischen Alltag 2019 inhalieren.

Rand-Info für Besserwisser:
Pontos ist eine Region an der Südküste des Schwarzen Meeres. Aus Devrek im Pontischen Gebirge und inmitten ausgedehnter Nussbaumwälder gelegen, kommen die teuersten Spazierstöcke der Welt.

Das ist mal ne wahnsinnige Info… wa?

Tag 41 auf der Straße bedeutet 42 Tage 24 Stunden ohne Unterbrechung zu zweit. Kein Ausweichen, keine Auszeit, kein Furz , den der andere nicht hört … oder riecht. Es klappt erstaunlich gut! Wir verstehen es auch nicht. Im Vorfeld sind wir fest davon ausgegangen, das es mehrfach kacheln wird und haben uns Strategien zurecht gelegt. Diese waren aber kaum nötig. Nicht falsch verstehen … es gibt schon Situationen, wo wir uns gegenseitig auf den Keks gehen. Es gibt Eigenschaften bei mir, die 8er auf die Palme bringen (könnten), und umgekehrt genau so. Jedoch schaffen wir es, die Toleranz aufzubringen, die nötig ist … und “rückwärts zählen“ ist ja auch noch da. Nein, im Ernst. Wir hätten nie gedacht, dass es so rund läuft. Das Geheimnis des Erfolges könnte in unseren unterschiedlichen Wesen liegen. 8er ist komplett das Gegenteil von mir. Ich Bremse, er Gas. Ich Wasser, er Feuer. Ich schön, er… ihr wisst, was ich meine (-;

8er

Ja, stimmt, das Zauberwort ist Toleranz (wie so oft im Leben). Die Substanz muss stimmen und das tut sie. Es wird nie langweilig, unsere Gespräche bleiben selten oberflächlich. Das dauerhafte Zusammensein ist eine spannende Erfahrung! Ich würde jederzeit wieder mit meinem Oser losfahren. Inzwischen kenne ich auch all seine Emotionsstufen. Ist etwas total Ok, ist das bei Oser: „Na ja, hab ich mir etwas anders vorgestellt.“
Ist etwas richtig Klasse: „Ok, das geht.“ Oser’s höchster Euphorieausbruch: „Das gefällt mir!“

Unter dem Strich ergänzen wir uns perfekt … vor allem für diese Reise.

Gute Nacht, Os8er

Tag 40… Auf ins Eis…Ost-Anatolien

Auf geht es … 20 km noch bis zur Grenze, dann sind wir in der Türkei … in Ostanatolien. Unsere Wetter-App riet uns zu warmen Klamotten und in die schlüpften wir auch. Zum ersten Mal auf der Reise kam meine lange Unterhose zum Zuge. 8er präparierte sich die Socken mit Toilettenpapier, weil er keinen Bock hatte, seine dicken Strümpfe zu suchen. Eingepackt wie für eine Polar Expedition machen wir uns auf den Weg. Noch sind es 6°C plus … das wird sich ändern.

Der Grenzübergang war einer der leichteren. Es war nix los und somit auch schnell gemacht. Ruckzuck waren wir durch und dann ging es nur noch hoch. Zickzack immer höher. Die Passstraße führte uns ins Eis. Es wurde kalt … richtig kalt. Recht schnell fluchte ich über meine Handschuhe. Sie hielten nicht, was sie versprachen. 8er’s Fäustlinge waren zwar wärmer, aber sein Motorrad zu bedienen, war eine Herausforderung.

Ostanatolien hört sich schon irgendwie kalt an, finde ich. Der Wind pfeifft uns ins Gesicht. Endlich auf dem Peak … kleiner Fotostop, dann aber schleunigst wieder runter ins Tal. Wir kennen beide das Motorradfahren im Winter… haben schon etliche Kilometer im Schnee gemacht. 8er allein schon mit seinen Weihnachts -Ausfahrten. Doch das hier ist anders.

8er

Trotz der Kälte wurde mir zumindest zeitweise extrem heiß! Ein Alter und ein junger Bartgeier  ließen sich beobachten. Mit seiner Spannweite bis zu 2,9 m und bis zu 7 kg Gewicht, gehört er zu den imposantesten Seglern überhaupt. Ein traumhaftes Erlebnis.

Zum Glück geht es bei Bergen in der Regel auch abwärts. Es wurde zunehmend wärmer und schöner. Wir fuhren durch den „Black Forest“ (der hieß nicht nur so, es sah hier auch so aus), durch einen Canyon am Fluss entlang und staunten nicht schlecht über die grandiose Landschaft.

Endlich Pause in Ardahan … Aufwärmen! Wir suchen uns ein Café und werden dort auf Deutsch begrüßt. Es gibt hier viele Menschen, die eng verbunden sind mit Deutschland. Durch Verwandtschaft oder weil sie selbst mal in Deutschland gelebt haben. Dieses mal kam der Herr aus Berlin und hat für uns gleich mal die Bestellung übersetzt. Netter Kontakt!

Mein erster Türkischer Kaffee

Die Straßen sind gut und wir machen Strecke … Zirkeln uns durch die Kurven. Wenn das so weitergeht, sind wir heute Abend am Schwarzen Meer. Und es ging so weiter! Am schwarzen Meer haben wir recht schnell ein günstiges Hotel gefunden. Dieses Mal scheint es ein ganz normales Hotel zu sein … tut auch mal gut. Schnell noch an den Strand und noch den Sonnenuntergang mitnehmen. Hallo… Wir sind in der Türkei!

Gute Nacht, Os8er

Tag 39… Abwettern im Dampf

Ja, die dicken Wolken sind da. Das Schöne ist, ein Blick in die App und schon weiß man, wann sie kommen. Kann es so eine App nicht auch für Schwiegermütter geben? Wie auch immer, dicke Wolken, heißes Bad. Heute nutzten wir die heiße Quelle gleich mehrmals. Aus unserm Zimmer im zweiten Stock konnten wir quasi nackt in den Keller… ist ja kein anderer da. Aufgewärmt zurück ins Bett, TV und Smartphone. Der Blick auf die Burg weckt noch einmal die Lebensgeister. Wir wollen nochmal raus. 8er juckt es und möchte ein Sportstudio finden … er bekommt zwei Stunden Vorsprung, bevor wir uns treffen … ich bleibe noch liegen.

8er

Auf der Suche nach einem Fitnessstudio (keines gefunden) lasse ich mich durch die Stadt treiben, füttere einige der stark abgemagerten Strassenhunde, sodass ich zeitweise 5 von ihnen im Schlepptau habe. Dann steht dort dieser ältere Herr an einer Häuserecke. Ein kleines Brettchen, auf dem sorgsam einige russische Orden und Ehrenzeichen angebracht sind, hält er in der Hand. Mein Interesse ist geweckt und ich entdecke die gleiche Ehrenmedalie, die gestern der alte Kriegsveteran so würdig trug. Dem Verkäufer schien ein Verkauf nicht wirklich wichtig zu sein, vielmehr erzählte er mit Händen und Füßen sowie ein paar Brocken English und Deutsch alte Kriegsgeschichten. Ein besonderer Moment für mich, natürlich habe ich die Medaille erworben, er gab sie mir gerne, die geringe Summe schien völlig nebensächlich zu sein, er hat sie mir gern überlassen und ich habe ihm versichert, dass es mir viel bedeutet, sie von ihm bekommen zu haben.

Wir treffen uns in der Stadt (bei uns wäre das eher eine Dorfmitte). Nun auf zur Burg. Schön aufgemacht ist die Rabati Burg, wenn auch etwas zu touristisch. Sauber, renoviert mit Kitschläden und Edelrestaurants, trotzdem sehenswert. Die dramatisch dunklen Wolken machen die Fotos zu etwas Besonderem. Blau ist doch langweilig … aus Fotografensicht jedenfalls. Lange hält es uns jedoch nicht in der Burg.

Wir schauen lieber noch einmal ins „alte Viertel“. Dort läßt sich die Geschichte der Stadt besser ergründen. Auch zum Fotografieren findet sich hier mehr Ansprechendes als in der Touriburg. Nach bergauf und bergab landen wir erneut in unserem kleinen Restaurant. Wir stehen in der Tür, 8er mit Handtuch und für sein Fitnessstudio vorbereitet, ich mit einer Regen Jacke in xxxxl, die sonst über meine komplette Montur getragen wird „Einmal wie gestern bitte!“ Schmunzelnd über die „skurrilen Germans“ wird die Bestellung entgegen genommen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das die junge Dame aus dem Schmunzeln gar nicht mehr rauskam. Nach dem gestrigen Lob über das Essen und an die Köchin brachte sie heute ihr Gekochtes persönlich an den Tisch. Sie zeigte sich geschmeichelt von unseren Lobgesängen und ein Foto war auch noch drin.

Tochter Mama

Wieder satt, wieder zufrieden. So kann es weiter gehen. Zurück im Hotel noch mal in den Keller. Wir nehmen unser Abschiedsbad … heizen uns für morgen noch mal auf. Morgen soll es kalt werden … na dann. Nachts steige ich noch einmal aufs Dach. Mit Stativ und 35mm f2.0 bewaffnet geht es noch einmal der Burg an den Kragen.

Gute Nacht, Os8er

Tag 38… Das Dorf der Hunde

Das war eine Nacht. Hundekalt (kein Gas) und hundelaut. Die ganze Nacht unterhielten sich die geschätzten 12 Kläffer durchs ganze Dorf … und das ohne Pause. Eingemummelt im Bett mit kalter Nase liegen wir da mit dem Wissen, diesen Ort gleich verlassen zu müssen. Was soll’s, raus aus den Federn und rein in die kalten Klamotten. Der Schock ist schnell überwunden und ein neues Abenteuer wartet schon auf uns. Wir reiten heute in das „Borjomi Nature Reserve“. Nach dem Frühstück stehen zwei Pferde bei uns auf dem Hof. 8er nimmt „Black Beauty“, ich das „Prinz Charming“ weiße Edelroß. Eine kleine Einweisung noch (rechts, links, Bremse, Gas) und los geht es. Es ist ein komisches Gefühl, sein Gefährt nicht 100 % kontrollieren zu können. 90 % Befehlsumsetzung, 10 % machen sie, was sie wollen. Da steht man auch schon mal im Busch und findet den Rückwärtsgang nicht.

8er wollte es etwas schneller haben. Er ritt neben mir und trieb sein Pferd mit „Hotcha, Hotcha“ an. Natürlich interessierten die Befehle sein Pferd reichlich wenig, wobei meins hingegen die Befehle gern annahm. „Hotcha Hotcha“… Danke 8er!

Der Ritt in den Nationalpark war schon eine coole Sache. Ursprünglicher kann ein Wald nicht sein. Kleine Bäche, alte Bäume und überall Moose und Flechten . Und das aus der Perspektive hoch oben zu Roß … Perfekt.

Wir haben immer einen Blick auf das Wetter und morgen wird ein Scheißtag. Überall im Land soll es regnen, nachts teilweise schneien. Wir beratschlagen unsere nächsten Schritte und beschließen, ein etwas besseres Hotel zum Abwettern zu suchen. Wenigstens mit Heizung und TV. Der Weg führt uns direkt an die türkische Grenze nach Achalziche. Das Hotel passte mal wieder wie die Faust aufs Auge.

Es ist schräg und recht neu, der Weg dorthin wurde noch nicht einmal gebaut. Bei der Ankunft trafen wir auf eine recht überforderte ältere Dame. Sie wirkte hektisch und verstand kein Wort. Nach langem hin und her und Rücksprachen mit dem Besitzer durften wir tatsächlich einchecken.

Highlight des Hotels war im Keller ein Schwimmbad, was aus einer heißen Schwefelquelle gespeist wurde. Aus 1400 Metern holen sie das Wasser. Am Hotel gibt es noch einen eigenen Strand am Fluss und nicht weit, gegenüber dem Hotel liegt die Burg Rabati. Hier lässt sich wirklich gut abwettern.

Abends noch einen Gang in die Stadt. Wir brauchen Geld und haben Hunger. Unterwegs treffen wir auf einen alte2.q Weltkriegs-Veteran, der nicht ohne stolz seinen Orden trug. Darauf angesprochen erzählte er mit großen Gesten und wirkte glücklich darüber, dass sich jemand für seine Geschichte interessiert … und dann noch die „Germans“. Es ist unbezahlbar, sich mit noch lebenden Zeitzeugen unterhalten zu können. Sie sind nicht mehr lange unter uns.

Später im Restaurant Mimino ließen wir uns traditionelle georgische Küche servieren. Das Essen war eine Wucht. Das Beste der ganzen Reise, da waren wir uns einig. Dazu gabs noch Schnaps und Bier… einfach perfekt für die Nachtruhe. Thema beim Essen war immer noch unser Veteran. Das beschäftigte uns noch lange und bleibt wohl auch für die Zukunft hängen.

Gute Nacht, Os8er

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