Tag 37… Der einsamste Ort

Wir nehmen Abschied. Ende im Gelände. Unser 3-tägiger „Urlaub“ während unserer Reise ist zu Ende. Das kleine „Skurillo Hotel“ lassen wir hinter uns. 8er holte sich noch von „Oma“ einen Abschiedskuss und ohne uns umzudrehen, fahren wir mit einer Träne im Auge fort. Schluss jetzt mit dem Gesülze … Es geht endlich weiter!

Georgien ist klein. Es ist in etwa so groß wie Bayern, aber viel dünner besiedelt. Wir schlagen einige Haken und ziehen Kreise durch das Land, sonst wären wir ruckzuck durch. Aber als Transitland ist Georgien viel zu schade.

Wir steuern, wie schon so oft in diesem Land, ein Kloster an. Eines der besonderen Art mit dem Namen „კაცხის სვეტი“ . (Die Schriftzeichen sind echt cool hier). OK, für uns heißt es „Kazchi-Säule“. Es ist wohl der einsamste Platz in Georgien. Hoch auf dem Felsen ein Kloster. Über eine Leiter könnte man hoch … dürfen aber nicht. Ein toller Ort, um Ruhe zu finden … denke ich.

8er

Immer wieder hören wir von unseren Motorrad fahrenden Reisefreunden, dass sie ständig angehalten werden und auch eifrig den Ordnungshütern Scheinchen zustecken müssen, um weiterfahren zu können. OK, wir haben unsere Motorräder heute von allen Seiten genauestens betrachtet und mussten zu unserer großen Verwunderung feststellen, dass sie nicht unsichtbar waren, was uns dann wirklich nicht erklären lässt, warum wir bisher nicht ein einziges Mal angehalten wurden, geschweige denn zahlen mussten. So bleibt uns nichts anderes übrig, als das ersparte Geld für georgisches Bier auszugeben.

Dieses Mal haben wir praktisch über „Booking“ die nächste Unterkunft gebucht. Suchen mussten wir trotzdem. In einem sehr ländlich geprägten Dorf kamen wir unter. Es ist ganz nett hier. Neben einer Art Resthof bekommen wir ein eigenes kleines Haus. Der Vermieter teilte uns jedoch mit, daß leider das Gas abgestellt wurde. OK … sind ja Rocker… duschen wir kalt (-; Abends wurde nebenan noch ein Schwein geschlachtet. Da kommen Erinnerungen auf. Wir Älteren vom Land haben sowas in unserer Kindheit noch erleben „dürfen“. Jedenfalls haben wir früh gelernt, das Fleisch nicht am Baum wächst … nicht wie Spaghetti.

Hier ist es wie bei uns vor 60 Jahren. Obst, Gemüse, Fleisch … alles aus eigener Hand … der eigenen. Wir mögen diese Ursprünglichkeit. Und die Schweine haben hier ein tolles Leben, bis zum Schluss eben.

8er

Eine grüne Diva … unser Feierabendbier wird durch die Anwesenheit einer prächtigen Gottesanbeterin gekrönt. Sie putzt ihre mit einer Art Messern besetzten Fangarme. Das sie die Männchen oft während der Paarung einfach frisst, macht sie nicht gerade sympathisch. Ihre Bewegungen sind aber schon recht beeindruckend, wie eine Diva eben.

Na dann gute Nacht, Os8er

Tag 36… Eine kleine Runde

Wir sind noch immer in unserem kleinen Hotel … können uns nicht trennen. Heute wollen wir ins ländliche Abseits der größeren Straßen. Schnell ist eine grobe Richtung gefunden … alles andere wird sich auf dem Weg ergeben.

Es beginnt mit kleinen, kurvigen Straßen. Ohne Gepäck macht das richtig Gaudi und wir ziehen die Gänge hoch. Die Straßen sind fast für uns allein … fast, den da waren ja noch die Hunde. Man, da kann man sich schon verjagen, wenn sie uns wie aus dem Nichts laut kläffend vom Moped holen wollen. Oft bleibt es bei Scheinangriffen, einige der Kläffer wollen aber mehr. Drei Kurven weiter stand da diese Kapelle. Eine kleine Kapelle. Hier verirrt sich kaum ein Mensch hin und so wirkt sie auch. Wir machen Halt und sehen uns um.

8er

Ich hatte heute ein sehr tiefgehendes Erlebnis im Bereich einer sehr einsamen Kapelle. Niemand war dort, lediglich ein Mönch, 4 Hunde, 6 Schweine und einige Rinder. Sofort kam wie immer einer der Hunde zu mir. Ich spielte mit ihm recht lange. Der recht karismatische Mönch kam auf mich zu und signalisierte mir, dass er mein Spiel mit dem Hund beobachtet hätte und mich nun gern segnen würde. Ich war recht überfordert mit der Situation. Nach seiner Berührung habe ich mich sehr gerührt gefühlt, nein es war mehr als das … schlecht zu beschreiben. Sogar ein Bild sollte ich mit ihm machen … Sehr ungewöhnlich.

Georgien hat so Einiges zu bieten. Unter anderem stellen sie tolle Weine her. An den Straßen stehen provisorische Buden mit Dutzenden 5-Liter-Kanistern Wein … in allen Farben. Wir fahren an Weinstöcken und Weingütern vorbei, teilweise sehr edele Bauten. 8er biegt ab und führt mich direkt auf ein Weingut. Das Ding sieht eher aus wie ein Schloss mit Tor und Türmen.

Als wir die Mopeds abstellen, öffnet sich auch schon ein Tor. Wir werden hinein gebeten. Es wirkte, als ob 8er das im Vorfeld iniziiert hat. Hmm … so beginnen eigentlich gute Heiratsanträge. Die Terrasse wirkt, als ob jemand viel Geld hat und nicht wusste, wohin damit. Ein kleiner Pool, Pavillions, ein riesen Weinregal und Yuppies mit Zigarren und schweren Armbanduhren. Hier speisen die besser Betugten … da passen wir mit unseren Kutten und den Mongolia-Straßenstaub-Jeans gut rein. Im Hintergrund duddelt eine Klavier-Klassik-Dauerschleife und die Typen in Polo Shirts schielen schon zu uns rüber. Das wirkt wie irgend ein Club hier. OK, mit Clubs kennen wir uns ja aus … also setzen und in die Goldene Karte geschaut. Das liest sich aber lecker… Na dann hauen wir mal rein! Der gepflegte Kellner steht schon zur Stelle. Ich nehme Rind in Walnußsauce, 8er setzt auf Bewährtes … Rind mit Kartoffeln.

Das alles sehr lecker war, müssen wir eigentlich nicht erwähnen. Wir fühlen uns pudelwohl und wollen gar nicht mehr weiter. 8er wollte noch in den Pool und ich hatte Mühe, ihn zu bremsen.

Bei der Rechnung kommt die große Überraschung. Unser teuerstes Essen dieser Reise… für Georgien sauteuer… für uns vergleichbar mit dem Griechen in Hildesheim … einfach preiswert.

Weiter geht es, dieses Mal auf weißen Straßen zu einer Ruine. Wer hier eine weiße Straße fahren möchte, muss auf alles gefasst sein. Die Spanne reicht von Asphalt bis Trampelpfad. Letztes Jahr in Bosnien führte uns eine Weiße durch ein ausgetrocknetes Flussbett. Kaum befahrbar. Aber diese war OK. Schotter und Asphalt wechselten sich ab. Nach 15 km standen wir mitten in der Ruine. Eine kleine Kapelle bildete den Mittelpunkt. Außer uns war da noch ein kleines Wohnmobil aus Nürnberg. Spontan wurden wir von einem älteren Paar eingeladen. 8er setzte sich dazu und führte Smalltalk, ich zog lieber mit meiner Kamera bewaffnet Richtung Kapelle.

Wir machten noch gut Strecke und kommen in der Nähe von Tiflis wieder auf die Hauptstraße. Die letzten Kilometer dann der tüpische Feierabendverkehr. Zurück lassen wir den Abend mit einem Bier ausklingen und machen Pläne für den nächsten Tag.

Gute Nacht, Os8er

Tag 35… Zu Besuch in Tiflis

Wir bleiben im „Skurrilo-Hotel“ und rödeln unsere Bikes ab. Das Hotel liegt uns und die Menschen hier sind einfach Klasse. Wir werden bekocht und ein einfaches Frühstück ist immer drin. Sogar Bier stellen sie für uns kalt.

Leicht wie eine Feder stürzen wir uns in den Stadtverkehr von Georgiens Hauptstadt Tiflis. Der Verkehr… und vor allem die Verkehrsführung ist gewöhnungsbedürftig. Wie in einer Sanduhr strömen die Autos auf das „Nadelöhr“ zu und zwängen sich von gefühlt 10 Spuren in 2 … und das recht wuselig, aber routiniert. Wir müssen höllisch aufpassen und fühlen uns ein wenig wie Tischtennisbälle in einer Wanne voller planschender Kinder.

Die Altstadt Tiflis ist bekannt für ihren Flair. Bis dort hin sind es keine 40 km und wir kommen lebend an. Zentral stellen wir die Mopeds ab und machen uns zu Fuß auf den Weg. Leider entspricht das Wetter nicht ganz unserer morgendlichen Einschätzung und so werfen wir nach und nach unsere Klamotten ab. Es ist warm, so warm, das uns unsere Kevlar Jeans am Arsche kleben. Aber das soll uns jetzt nicht stören … Tiflis wartet.

Die Altstadt mit ihren verwinkelten Ecken und unrestaurierten Häusern zieht uns gleich in ihren Bann. Überall gibt es was zu entdecken, überall möchte man den Kopf reinstecken.

Wir beschließen ein Blick von oben auf Tiflis zu werfen und nehmen die Cable Train auf den Berg. Oben angekommen, finden wir einen geschlossenen Freizeitpark und einen riesigen Turm, der aussieht wie noch aus Sovietzeiten.

Der Blick auf Tiflis gibt uns ein Gefühl für die Geschichte dieser Stadt. Sie befand sich zeitweise in Russischer Hand und auch die Perser waren mal an der Macht. Überall gibt es Zeugnisse dieser Zeiten. Auch ohne Fachwissen sieht man den Gebäuden ihre Bauepoche an.

Wir machen uns auf den Weg zurück zum Hotel. Es ist ein tolles Gefühl, zurück in sein „Reich“ zu kommen und nicht (wie den Großteil der Reise) abends eine Bleibe suchen zu müssen. Irgendwie ist uns unser Skurillo Home auch schon ans Herz gewachsen. Kaum angekommen, kommt auch schon der Regen. Wettergott 8er hatte ihn angekündigt und der Zweifler Oser musste zurückrudern und seinen „Wetter Fee Fähigkeiten“ gebührend Respekt zollen. Zum Glück habe ich nicht gewettert.

Abends auf unserer Privat Terrasse gab es noch Bier und Kartoffeln … Läuft!

Gute Nacht, Os8er

Tag 34… Im Bett mit 8er

Wir werden wach und schauen durch das Fenster auf diese Szenerie. Die Sonne kommt über die Berge. Das ersetzt doch ein wenig die fehlende Frau im Doppelbett. Wenn ich mich auf die andere Seite drehe, schaue ich dem 8er ins Gesicht … nicht sehr feminin der Typ … hmm … ich drehe mich lieber wieder zurück und genieße den Sonnenaufgang. Unsere Familien und Freunde fehlen uns schon ein wenig. Doch sobald wir aus den Betten sind, schalten wir in den „Abenteuer-Modus“ und die Gedanken kreisen wieder um Routen, Technik und Wetter.

Frühstück um 9.00 Uhr. Normalerweise sind wir da schon zwei Stunden unterwegs. Heute aber… Frühstück um 9.00 Uhr. Unser Körper will ab 7.00 Uhr nicht mehr ruhen. 8er hält es nicht mehr aus und geht eine Runde mit seinem 300er. Oser wälzt sich noch mal und klettert mit einem Kaffee bewaffnet auf den Balkon. Minuten starre ich auf den Berg und schaue der Sonne beim Steigen zu. Frühstück!

Dusche und Klo mit Komunikationsmöglichkeit.

Zum Frühstück gab es Omlett. Natürlich hätten wir was anderes bestellen können, bekommen hätten wir Omlett! Keine Auswahl … Es gibt, was da ist. Satt wurden wir allemal. So läuft es eigentlich immer, auf unserer Reise gab es immer große Speisekarten. Beim Bestellen zeigte die Bedienung auf ein Gericht und sagte „Wir haben das!“… „Nein, nur das!“. Ok, ich nehme heute mal die Nummer eins.

So … die Mopeds warten schon und scharren mit den Hufen. Aufgesattelt und los… juhu … die Straße hat uns wieder! Aber nicht lange. Weit sind wir nicht gekommen, da gondelte es über unseren Köpfen. Kurzer Blick zu 8er … ja, wir Gondeln mit! Und schon sitzen wir in der Seilbahn auf dem Weg Richtung 3000 Meter. Die Seilbahn war nagelneu und recht leer (waren überhaupt andere Gäste da?). Wir fragten uns nach kurzer Zeit, ob wir Versuchskaninchen für einen Testbetrieb geworden sind. Nach 20 min. sind wir oben. Und dort erwartete uns die grandiose Bergkulisse Georgiens. Ein weiter Blick über die Berge, Gänsegeier kreisten über uns (vielleicht hätten wir mal unsere geschenkte Seife nutzen sollen) und die Wolken spielten ihr Spiel. Eine schöne Abwechselung zum tagelangen Mopedfahren.

Kaum auf der Straße zurück und schon wieder in die Bremse gegriffen. Durch dieses Land könnte man sein Mopped auch schieben. Hier ist die Dichte an lohnenswerten Stops echt enorm. Ein Kloster jagd das nächste und zwischendurch noch die grandiose Landschaft oder ne geile Fressbude am Straßenrand. Egal was, es ist ein Genuss.

Ein Höhepunkt der anderen Art fanden wir fast unbemerkt versteckt hinter einem Zaun an der Straße. Fast rasen wir dran vorbei, doch ein geschultes Auge schlägt bei so einem Anblick Alarm. Ein Traum für Autoliebhaber und „Lost Places“ Fans. Der Besitzer war jedoch ein Fuchs und wusste, was er da hatte. Bevor wir da rein konnten, mussten wir ein paar Taler locker machen. Gerne doch, er konnte es auch gut gebrauchen. Sein Zustand war nicht besser als der seiner Autos.

Ein toller Tag mit tollen Ereignissen und viel Futter für unsere Kameras. Zum Ende des Tages fanden wir noch ein … ich nenne es mal ein Hotel der anderen Art. Auf dem Hof bekamen wir ein großes Zimmer im Anbau … und das für einen Spottpreis. Alles sieht so aus, als wenn es renoviert wird, aber schon über Jahre. Essen? Natürlich, das kann man hier auch! Hmm … so, so. Wir werden in einen spärlich möblierten Glaskasten mit schiefen, viel zu niedrigen Tisch gesetzt und eine etwas füllige nette Dame drückte 8er ein Telefon in die Hand. Ein recht schlechter Telefon-Dolmetscher versuchte sein Bestes. Zum Glück hat er Bier verstanden. Gekocht wurde dann gegenüber in der Küche. Schaschlik mit Kartoffeln … aber das können sie! Es war ne Wucht! Ob es an den etwas anderen Gewürzen liegt?

8er

Leider kam es vor, das schlechte Nachrichten von zu Hause unsere Reiselust trübten. Ein plötzlicher Schicksalsschlag macht deutlich, wie zerbrechlich alles ist und wie dankbar man für alles sein sollte, was man erleben darf.

Gute Nacht, Os8er

Tag 33… Georgien

Schöne Begrüßung am Morgen. Unsere wilden Hunde vor dem Hotel haben uns gut bewacht. Gestern Abend trieben sich die Halunken schon bei uns rum. Da konnten wir sie noch nicht einschätzen. Teilweise gab es unter ihnen wilde Beißerein. Inzwischen sind wir Freunde.

Auf geht es. Ca. 150 km bis zur Russisch-Georgischen Grenze. Dieses mal wählen wir die schnellste Route. Die Straße ist unspektakulär, meist zweispurig und voller Kontrollposten. Meist sind es Streifenwagen am Rand, stehend mit einem grimmig schauenden Bullezisten davor. Alle konnten wir passieren, doch dann geht es nicht mehr weiter. Stop für alle. Das Militär hat die Straße dicht gemacht. Mit ihren Kalaschnikows stehen sie da und fordern uns zur Passkontrolle auf. Wir müssen uns an einer Reihe anstellen. In der Schlange stehen eine ganze Bussladung junger Frauen und Männer. Alle in Jogging Outfits oder leichter Kleidung. Es geht nur langsam voran. Ein umgerüsteter Container dient als Kontrollzentrum … alles gut bewacht. Endlich, wir sind dran. Waffen? … Nö. “Bitte gehen sie hier durch“. Ein Metalldetektor … und plötzlich feuerte er sein Feuerwerk ab. Wir mit unseren schweren Kutten und dem ganzen Gedöns wie Letherman und Kette bringen das Ding an seine Grenzen. Großes Gelächter von den hinteren Rängen. Plötzlich steht vor uns so ein Militärzwerg mit seinem Zauberstab. Er wirkte etwas überfordert und schob seinen Stab in und unter die Kutten. Das Ding machte eigentlich die ganze Zeit nur Lärm. Er tastete uns dann mit seinen Kinderhänden ab (so gut es ging) und wir durften zur nächsten Station … Passport. Der Passport-Mensch schaute sich genau die Stempel im Pass an. Dann fragte er mich nach “kofd“ (oder so) . Ich zuckte nur mit den Schultern. Er “kofd…KOFD“. Keine Ahnung, was er will, also ich “Germany … Motobiker!“. War wohl richtig, er schaute nur genervt in die Luft und schob mir meinen Pass zurück … läuft!

Weiter geht es. Wir treffen auf der Tanke Miri, er ist Russe und schon 98 Tage mit seiner KTM unterwegs. In der Mongolei war er auch schon und wir kommen ins Gespräch. Wir zeigten uns Bilder von der Reise und auch privat. Er: „Hier bin ich in meiner Berufskleidung“ . Cool … er war ein orthodoxer Pfaffe. Kurz danach, er: „und hier bin ich in meiner privaten Kleidung!“ … komplett in Militäruniform. Hmm … hier läuft einiges anders. Aber Klasse drauf, der Kerl.

Grenze! Schon 10 km vor der Grenze beginnen die LKW’s sich zu stapeln. Unglaublich lange Schlange, wie lange die wohl für den Grenzübertritt brauchen? Wir zügig dran vorbei … wie immer. Der Grenzübergang ging erstaunlich schnell und ist nicht der Rede wert. In Georgien besorgen wir noch schnell Geld und ja … eine Haftpflicht konnte auch wieder abgeschlossen werden.

Und da waren sie wieder … Kurven! Wie haben wir sie vermisst. Und die Berge sind auch wieder da … hohe Berge! Mit einer tollen Kulisse werden wir von Georgien begrüßt. Nach den ersten Kurven steht vor uns das „Mzcheta Mtianeti“, eine der bekanntesten Klosteranlagen. Gleich der erste Hammer. Im nahe gelegenen Dorf finden wir eine Bleibe. Dort ist auch gleich ne Dorf Party. Alles richtig gemacht.

Gute Nacht, Os8er!

Tag 32… Sie sind überall

Wieder unterwegs. Wir wollen heute so weit wie möglich an die Grenze zu Georgien herankommen, um morgen hoffentlich problemlos übersetzen zu können. Wir wählten eine kleinere Straße durch kleine Dörfer, entlang an Seen und Flüssen. (ca. 200 km). Der Verkehr ist morgens gering, so haben wir freie Fahrt. Es lacht ein blauer Himmel, keine Wolke ist zu sehen. Unsere Laune ist bestens und die Knochen machen auch noch mit.

Bei einer Pause an einem kleinen See machte sich 8er mit seinem 300er bewaffnet ins Schilf und kam breit grinsend wieder raus. Ich dachte nur, „da muß ich auch rein!“… „dieses Gesicht möchte ich auch!“. Die Ernüchterung kam auf dem Fuß … es waren Bartmeisen, die ihn so strahlen ließen. Ok, keine Bar, kein Stripclub … Bartmeisen! Ich denke unter Ornitologen schon ne Nummer, so ne Bartmeise. Putzig ist das Ding ja irgendwie.

Nach und nach ändert sich die Landschaft … Es wird hügeliger und am Horizont zeigen sich die ersten Berge des Kaukasus. Da kommt man um die Ecke und plötzlich wird es windig. Booha, sehr windig. Schräglage bei gerader Strecke. Teilweise benötigen wir richtig Kraft, um unsere Mopeds gegen den Wind zu stemmen. Zwischendurch immer wieder kräftige Böhen. Alles zusammen ein teuflischer Mix. Kombiniert mit den Windschatten der LKW’s heißt das volle Konzentration. Beim Überholen kommt man sich vor, wie unangeschnallt mit einer Cessna durch Turbulenzen zu kacheln.

Wir kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt an die Grenze. Der Konflikt zwischen Russland und Georgien spitzt sich wieder zu. Beide haben ihr Militär an den Grenzen zusammengezogen. Es geht wohl um Südossetien und Abchasien. Das macht sich auch für uns bemerkbar. Sie sind überall! Polizei, Polizeikontrollen und Kontrollposten des Militärs. Wir haben versucht, uns klein zu machen … fuhren dicht hinter den LKW’s, so daß sie uns erst spät sehen konnten und es gelang. Auch wenn es teilweise knapp war. Auf dem Weg trafen wir immer wieder Reisende, die Probleme an diesen Kontrollen hatten. Teilweise zahlten sie Geld, um weiterfahren zu können. Wir hoffen, morgen gut durchzukommen und auf einen guten Grenzübertritt.

Jetzt mal zum Wetter. Tag 32 auf der Straße. Noch keine Regenfahrt … bis jetzt. Temperaturen optimal! In Altai recht warm mit 28°C und in Usbekistan recht kalt mit 28°C … dazwischen auch alles optimale Werte für die Germans. Wie geht das?

Ist es Glück?… oder Zufall?… oder ist die Reise perfekt getimt?

Alles Quatsch … alles Blödsinn. 8er ist es!

Jeden Abend legt er einen Kreis aus Federn (nur die Blauen) auf den Boden und stellt sich mit einem Bein nackt rein. Er jodelt den Sonnengott an und bittet um gutes Wetter. Natürlich funktioniert das nicht ohne Zwiebel! (bis auf die dritte Haut gepellt).

8ers Gedankenwirrwar beim Fahren

Es ist die ultimative Freiheit, die Landschaft gleitet vorbei, man spürt ungeschützt den Wind und das Wetter, die Gedanken sind frei, da sitzt ein Kaiseradler am Wegesrand, wo werden wir wohl die Nacht verbringen? Das zu Hause, die Arbeit, alles so weit weg, vieles so klein und unbedeutend, ein bisschen Heimweh, Gedanken an Familie und die Guten, ja, fast alle sind gut, wir sind nur viel zu viele Menschen und ja, uns in Deutschland geht es wirklich mehr als gut, trotz all der Miesmacher und Schlechtredner….

Hmm … der 8er sollte mehr trinken.

Na dann, gute Nacht, Os8er

Tag 31… Kalmückien

Der Tag beginnt. Wir machen das Zelt auf und schauen direkt in die Morgensonne. Geht es schöner? Garantiert nein! Es war eine gute Nacht. Jetzt erst einmal das Feuer wiederbeleben und einen Kaffee. Wir lassen es ruhig angehen, das Zelt soll in der Sonne noch trocknen. Noch einmal (wie schon so oft) werden die Klamotten neu organisiert. Inzwischen nähern wir uns dem perfekten Packsystem. Ich merke, ich bräuchte mal wieder ein frisches T-Shirt.

Auf geht es Richtung Kalmückien, Richtung Elista. Erst einmal geht es weiter durch das Wolgadelta, über eine abenteuerliche Pontonbrücke und guten Straßen, vorbei an kleinen Seen und Ausläufern der Wolga. Nach Astrachan ändert sich das Bild schlagartig … Steppe? … Ja, Steppe und das über hunderte Kilometer. Damit haben wir hier nicht gerechnet.

Wir kommen gut voran. Die Bullizei ist natürlich auch wieder da … ABER, sie lassen uns ziehen. Die möglichen 120 km/h lassen uns schnell in Elista ankommen. Dort ist es mal wieder ein Krampf, eine Unterkunft zu finden. Die im Navi angezeigten Hotels sind oft zu oder nicht da, wo sie sein sollten. Einige Hotels sind ausgebucht, doch eins nimmt uns endlich auf.

Ich kann es ihnen nicht übel nehmen, wenn sie uns nicht wollen. Da stehen wir in der Lobby, den Straßenstaub der letzten Tage in den Klamotten, in einer Duftwolke aus Benzin und Schweiß und noch in unseren Kutten. Da ist der Spruch „Leider ausgebucht!“ schnell über die Lippen gebracht. Aber jetzt erst einmal Duschen. Was für eine Wohltat, nach zwei Tagen da draußen. Später machen wir uns auf zum Tempel.

Text 8er

Zurück in der Mongolei … zumindest fühlt es sich so an. Mongolische Gesichter, mongolische Freundlichkeit und der Buddhismus. Kein Wunder, die Kalmücken kommen ursprünglich von dort, bilden hier eine kleine buddhistische Enklave mitten in Russland. Mich fasziniert der Buddhismus, ich fühle mich sofort wohl und habe auch hier im Tempel meine Magic Moments. Oser nimmt es da etwas „gefühlsneutraler“, beide finden wir unsere Motive, in jedem Fall ein ganz besonderer Ort!

Auf dem Rückweg noch kurz über den Markt. Märkte sind auf der ganzen Welt etwas Besonderes. Der Markt ist die Seele einer Ortschaft. Über das Angebot lassen sich viele Schlüsse ziehen. 8er kauft noch frisches Obst ein. Zum Abendbrot gibt es heute sowas wie deftige Pfannkuchen. Also, bei uns läuft es soweit.

Kleine Anekdote von heute morgen zum Schluß.

8er: Was für ein Tag haben wir heute?

Oser: Donnerstag.

8er: Donnerstag?

Oser: Keine Ahnung aber es fühlt sich so an.

Wir sind wieder im Reisemodus angekommen! … Ach ja … es war Freitag.

Gute Nacht, Os8er

Tag 30… Und wieder ein Grenztag

Wir fahren zu viel und trinken zu wenig. Wir wollen entschleunigen. Einfacher gesagt als getan. Kasachstan hat uns mit seinen Straßen erneut „überrumpelt“. Wir rappeln uns Richtung Westen und beschließen, die Grenze zu Russland doch heute schon zu nehmen. Geplant war ursprünglich noch eine Nacht zu bleiben, da wo es schön ist. Aber wir haben keinen passenden Ort gefunden.

Insgesamt zeigte sich Kasachstan durchwachsen. Die Menschen hier sind offen und freundlich. Der Kontakt mit ihnen unkompliziert. Das werden wir aus Kasachstan mitnehmen. Die Straßen hingegen lassen keinen schweifenden Blick zu. An den Straßenrändern häufen sich teilweise Berge von PET-Flaschen. Dazwischen immer ein paar Altreifen und sonstiger Müll. Schade, das bleibt irgendwie auch hängen.

Der Grenzübertritt verlief ohne besondere Vorkommnisse. Es ging mal wieder schnell für uns. Gleich hinter der Grenze macht sich schnell das Wolgadelta bemerkbar. Es reicht ein Blick zu 8er, denn wir wissen, das heute die Natur ruft. Recht schnell biegen wir ab und haben auch gleich Glück. Ein Plätzchen am See, allein mit Pferden, die im Wasser stehen. Seeadler kreisen und Graureiher versuchen ihr Glück. Wir fühlen uns wie bei Heinz Sielmann im Film. Im Gras liegend, verfliegen die Stunden. Kühe schauen mal vorbei und die Wasserschildkröten haben was zu gucken. Das riecht nach einer ruhigen Nacht.

Ein Feuer läßt die richtige Stimmung aufkommen. Pott Wasser druff und kurze Zeit später ist der Kaffee fertig. Bei Sonnenuntergang noch einmal die Kamera raus und einen Gang am See gemacht.

8er mit seiner 300er auf Vogeljagd und ich, überfordert mit meiner Objektivauswahl, auf alles drumrum. Ich würde ja auch gern so’n Seeadler oder Reiter vor die Linse bekommen, doch wenn der lange Lulatsch durch die Büsche kracht, ist alles schon auf und davon. Da ist 8er einfach geschickter. Zum Glück läuft Landschaft nicht weg.

Gute Nacht, Os8er

SW-Motech Special.

10.000 km sind es jetzt und wir haben das Zubehör von SW-Motech im Einsatz erleben dürfen. Wie vor der Reise angekündigt, nun unser Statement.

Koffer oder Softbag’s … da gibt es für mich einen klaren Sieger … Koffer! 8er ist da ganz anderer Ansicht. Für ihn heißt der klare Sieger Softbag’s! Bei dieser Frage werden wir uns in diesem Leben nicht einig werden. 8er’s großen Argumente für die Softbag’s sind der weiche Kontakt bei Kollisionen und Berührungen, erheblich leichter als Koffer, dehnbarer und ein Beinschutz beim Umfallen. Eine einfache Handhabung kommt noch oben drauf. Ein Nachteil ist die nicht vorhandene Diebstahlsicherung.

Die Koffer hingegen sind abschließbar und am Moped „angeschlossen“. Sie können als Tisch, Hocker verwendet werden. Umfallschutz ist auch hier gegeben. Beide Systeme sind staub- und wasserdicht. Die Schlösser bei den Koffern könnten jedoch besser sein (sind hakelig) und einen weichen Kontakt gibt es nicht … bloß nicht hängen bleiben!

Ich konnte bei dem Koffersystem für die Dl650 noch 15cm an Breite reduzieren und bin jetzt unter einem Meter. Dazu braucht man jedoch Flex- und Schweißkenntnisse.

Der Tankrucksack mit seinem Quick Lock ist super. Er kann schnell an- und abgebaut werden, es passt der Helm rein und ich kann mein Handy drin laden. Auch die Seitentaschen sind groß genug. Was auch cool ist … es ist ein Riemen dabei, so kann ich ihn als Umhängetasche nutzen. Bei uns im Tankrucksack befindet sich alles Wichtige, darum nehmen wir ihn immer mit.

Alles, was den Schutz des Mopeds angeht (Motorschutz, Sturzbügel, Handprotektoren), hat uns den Arsch gerettet. Was der Motorschutz einstecken musste, ist enorm. Auch unsere „Stürze“ wurden komplett abgefangen. Ohne diesen Schutz wäre unsere Reise sicher schon vorbei.

Meine Lieblinge sind die Drybags. Ich habe hinten den 250er mit Iso und Schlafsack drauf und brauche keine Zurrgurte. Mit den Gurten am Sack kann ich den am Moped anclippen. Einfacher geht es nicht. 8er sein 600er hat das gleiche System und man kann weitere Drybag’s noch „Huckepack“ nehmen. Da hat SW-Motech sich Gedanken gemacht. Die 80er haben wir an den Sturzbügel für Regenkombi und Werkzeug befestigt. Alles in allem sind wir von der Qualität überzeugt.

Das soll es erst einmal mit „Reklame“ gewesen sein. Nein, im Ernst … die machen schon geiles Zeug.

Gruß, Os8er

Tag 29… Trocken bis zum Regen

Die Nacht war eine von den Schlächteren. 8er hatte die Idealmaße, für mich war das Bett zu klein und ich hatte das Gefühl, es fällt seitlich ab … leider nicht zur Wand hin. Egal, Nacht ist rum und wir schauen nach vorn … nach Atyrau.

Wir haben gar nicht damit gerechnet, aber die Straße ist gut. 130 km/h … kein Problem. Die LKW’s ließen sich gut überholen, es geht flott voran. Nur die recht dichte Bullizei-Präsenz machte uns Sorgen. In zwei Situationen dachten wir, jetzt geht’s uns an den Kragen … aber nein, einmal brachen sie die Verfolgung ab und das andere mal krallten sie sich jemanden vor uns.

Ach ja, die LKW’s. Die sind hier schon weiter. Sie fahren autonom! Beim Überholen können wir über die großen Spiegel einen Blick in die Kabine werfen. Und die Fahrer tun alles, nur nicht fahren. Entweder haben sie ihr Handy am Wickel oder pulen sich an den Füßen rum. Mittagessen hinter dem Steuer ist auch sehr beliebt. Ihre anderen Tätigkeiten darf ich erst ab 24.00 Uhr senden. Unglaublich!

8er … Das Wasser ist weg!

Es ist schon recht dramatisch, wie sehr auch in den Randgebieten des Kaspischen Meeres die Seen und Seitenarme austrocknen. Die negativen Veränderungen sind auch hier deutlich! Hoffentlich droht dem Kaspischen Meer nicht das gleiche Schicksal wie dem Aralsee.

Am Nachmittag erwischte uns eine kräftige Böhe und drückte uns fast von der Straße…

Es zieht ein Gewitter auf und das 20 km vor unserem Ziel. Mist, wir beschließen abzuwettern. Links ab auf den Parkplatz. Wir schauen zu den Häusern, die dort stehen, evtl. kommen wir da unter.

Und ob! Die eine Hütte entpuppte sich als Restaurant (oder so etwas ähnliches). Klasse … abwettern mit Fisch und Burger. Nach einer Stunde wagen wir es und kommen trocken in der Unterkunft an. Es ist wie so oft ein – 5 Sterne Hotel. Der „Hoteldrachen“ begrüßte uns mit den Worten: „Es gibt nur kaltes Wasser und Frühstück gibt es auch nicht“. Bestens, genau das haben wir gesucht. Wir nehmen es.

Wir sind in Atyrau. Mitten durch Atyrau fließt der Ural und der trennt geografisch gesehen Asien von Europa. Heute am Ural haben wir schon mal nach Europa geschaut. Morgen setzen wir dann über.

Gute Nacht, Os8er!

Tag 28… Zurück in Kasachstan

Ja … zu fünft haben wir im Bahnhof genächtigt. Warum nun die Anderen da waren? Keine Ahnung … vielleicht, um uns Frühstück zu machen, das haben sie nämlich gemacht. Wir packten in aller Ruhe zusammen. Der Ersatzsprit wird in die Tanks gefüllt und los geht es. 60 km noch bis zur Grenze … 60 km Kackstraße. Es zieht sich. Wir versuchen, eine Ideallinie zwischen den Schlaglöchern zu finden. Doch bald nimmt die Dichte so zu, das wir nur mit Schrittgeschwindigkeit vorwärts kommen. Je näher wir der Grenze kommen, desto gewagter der Fahrstiel der „Mitbewerber“. Da werden Überholmanöver durch die Schlaglöcher gestartet, um noch einen Platz vor der Grenze gut zu machen. Wir sind gechillt … fahren unseren „Stiefel“.

Mist… schon wieder umgewöhnen!

Bald ist die Grenze erreicht. Eine lange Schlange hat sich schon gebildet. Frech fahren wir an ihr vorbei und werden auch gleich bevorzugt behandelt. An diesen Service kann man sich gewöhnen. Die Grenzer sind locker und lotzen uns durch das Prozedere. Erneut müssen wir so einige Formulare ausfüllen und diverse Fragen beantworten. Fast wie immer werfen Sie einen Blick in die Koffer, zeigen sich aber nicht wirklich interessiert. Schnell sind wir in Kasachstan und das auf einer nagelneuen Straße.

Bejneu … die erste größere Ortschaft hinter der Grenze. Sie ist keine Schönheit … nein, sie ist sogar häßlich. Wir suchen was zum Essen und finden eine Pizzeria. Die Bestellung gestaltete sich schwierig. Die junge Bedienung zeigte sich sehr bemüht, war jedoch mit den „Germans“ sichtlich überfordert. Am Ende hatten wir die doppelte Menge an Pizzen und ließen uns den Überschuss einpacken. Nun brüten wir über der Karte. Fahren wir weiter, müssen wir mindestens 220 km bis zur nächsten größeren Ortschaft machen. Wir entscheiden uns in Bejneu zu bleiben. Endlich duschen und ein paar Klamotten waschen, das könnte uns nach vorne bringen. Morgen gehen wir es an. Morgen wollen wir versuchen, Atyrau zu erreichen (430 km).

8er

Ornithologisch wars toll an der kleinen Bahnstation … Steppenweihen, Steppenkiebitze und viele Kleinvögel, z. B. Taigazilpzalpe und Feldrohrsänger …

Gute Nacht, Os8er

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